Igloo Inc., die Muttergesellschaft von Pudgy Penguins, schaltet ihre Ethereum-Chain Abstract am 15. Dezember 2026 ab. Laut CEO Luca Netz verlor das Unternehmen mit dem Projekt einen zweistelligen Millionenbetrag, einen eigenen Token lanciert es dennoch nicht.
Eine Layer-2 ist eine eigenständige Blockchain, die Transaktionen bündelt und günstiger abwickelt als Ethereum. Ihre Sicherheit bezieht sie jedoch weiterhin vom Hauptnetz. Abstract richtete sich als Layer-2 an Anwendungen für Konsumenten, nicht an Finanzprodukte. Ursprünglich sammelte Igloo im Juli 2024 unter Führung von Founders Fund über 11 Mio. USD für den Aufbau ein, das Mainnet startete im Januar 2025. Nach Angaben von Netz finanzierte das Unternehmen die Chain insgesamt rund 18 Monate lang, bevor Abstract im Oktober 2026 per Post auf X das Ende bekannt gab. Entwickler deployten in dieser Zeit über 144 Apps auf der Chain. Abstract gewann nach eigenen Angaben mehr als 400'000 Nutzer und verarbeitete über 325 Mio. Transaktionen. Ausserdem schloss das Netzwerk Partnerschaften mit Marken wie Red Bull Racing und Disney.
Stagnierendes Wachstum und dünne Liquidität besiegeln Abstract
Abstract begründet die Abschaltung mit stagnierendem Wachstum und dünner Liquidität auf der Chain. Hinzu kamen ein eingeschränktes DeFi-Ökosystem und begrenzter Zuspruch institutioneller Akteure. Zudem arbeitete das Netzwerk mit einem kleineren Budget als seine Konkurrenten. Die Bilanz von über 144 Apps und mehr als 400'000 Nutzern steht dazu im Kontrast. Für einen eigenständigen Betrieb reichte diese Reichweite trotzdem nicht. Ebenso wenig kehrten die Partnerschaften mit Red Bull Racing und Disney das stagnierende Wachstum um. Eine Chain lebt von Kapital, das auf ihr verbleibt. Gerade diese Liquidität war auf Abstract dünn.

Anzeichen eines Rückzugs gab es bereits in den Wochen vor der Ankündigung. Auf dem offiziellen Account nahm die Aktivität ab, zudem verliessen im August laut Berichten zwei Senior-Mitglieder das Team. Gleichzeitig untersuchten Beobachter die Wallet-Aktivität der Entwickler, was Spekulationen über ein baldiges Ende nährte. Netz selbst grenzte die Chain von Finanzanwendungen ab. Für das nächste DeFi-Projekt empfahl er Entwicklern Berachain oder Arbitrum, Abstract sei auf „Fun" spezialisiert. Diese Positionierung passt zu den Schwächen, die das Team nun bei Liquidität und DeFi-Angebot benennt.
Warum Pudgy Penguins keinen Abstract-Token lanciert
Für Igloo endet das Projekt mit einem hohen Verlust. In den rund 18 Monaten der Finanzierung verlor das Unternehmen nach Angaben von Netz einen zweistelligen Millionenbetrag in US-Dollar. Die Finanzierungsrunde von 2024 hatte zuvor über 11 Mio. USD eingebracht. Frei werdende Ressourcen fliessen nun in Pudgy Penguins und den zugehörigen Token PENGU. Somit rückt das Kerngeschäft rund um die NFT-Marke ins Zentrum.
Auf einen eigenen Abstract-Token und eine ICO, also einen öffentlichen Token-Verkauf, verzichtet Igloo allerdings. Seine Begründung lieferte Netz in einem Post auf X.
"Auch nach einem Verlust in zweistelliger Millionenhöhe hätten wir einen Token lancieren oder eine ICO durchführen können. Letztlich haben wir uns dagegen entschieden. Ein Token funktioniert nur, wenn etwas die Nachfrage antreibt, und einen Token zu lancieren, von dem wir nicht überzeugt sind, wäre ein Bärendienst an unserer Community." - Luca Netz, CEO Igloo Inc.
Ein Token hätte Igloo frisches Kapital verschaffen können. Das Risiko wäre dann jedoch bei den Käufern gelegen. Stattdessen trägt das Unternehmen den Verlust selbst und gibt die Kosten einer gescheiterten Chain nicht an Privatanleger weiter. Damit setzt Igloo einen Gegenpunkt zu Netzwerken, die ihren Betrieb über Token-Verkäufe finanzieren. Auffällig ist, dass selbst eine bekannte Konsumentenmarke mit Founders Fund als Geldgeber keine ausreichende Nachfrage nach dem Netzwerk erzeugte. Für einen Token ohne diese Grundlage sah Netz deshalb keinen Platz.
Abstract folgt wenige Tage nach Blast
Weniger als eine Woche vor Abstract hatte bereits Blast das eigene Ende angekündigt. Die von Paradigm unterstützte Layer-2 startete ihr Mainnet im Februar 2024. Zuvor hatte das Team im November 2023 eine Series A über 20 Mio. USD unter Führung von Paradigm und Standard Crypto abgeschlossen. Zeitweise lag der in Blast gebundene Wert bei über 2 Mrd. USD, inzwischen sind es knapp über 32 Mio. USD. Laut The Block fiel der BLAST-Token am 2. Oktober 2026 um 17%, die Marktkapitalisierung lag danach bei rund 23 Mio. USD. Für BLAST-Inhaber kommt damit ein Kursverlust hinzu, den Abstract-Nutzer mangels Token nicht tragen. Über die Blast-Oberfläche können Nutzer ihre Mittel noch bis zum 26. Oktober 2026 abziehen. Später bleibt nur der direkte Weg über die Bridge-Contracts auf Ethereum.
Blast begründete den Schritt mit der eigenen Kostenstruktur. Die laufenden Kosten übersteigen nach Angaben des Teams die Einnahmen der Chain, einen glaubwürdigen Weg zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit sieht es daher nicht. Abstract nennt mit dünner Liquidität und stagnierendem Wachstum ebenfalls ökonomische Ursachen. Beide Fälle folgen somit einem ähnlichen Muster, denn die Einnahmen trugen die Kosten einer eigenen Chain nicht. Weder Paradigm noch Founders Fund als Geldgeber änderten an dieser Rechnung etwas. Auch der eigene BLAST-Token sicherte den Betrieb von Blast nicht. Zwei Schliessungen innerhalb weniger Tage zeigen folglich eher ein Strukturproblem als zwei Einzelfälle.
Nutzer müssen Assets bis 15. Dezember von Abstract abziehen
Wer Assets auf Abstract hält, muss sie vor dem 15. Dezember 2026 von der Chain abziehen. Andernfalls droht der Verlust des Zugriffs. Abstract bietet dafür zwei Wege an, den Migration Hub und die native Bridge. Eine Bridge überträgt Token zwischen der Layer-2 und dem Ethereum-Hauptnetz. Über die native Bridge müssen Nutzer allerdings mit einer Verzögerung von rund drei Stunden rechnen. Wer kurz vor der Frist migriert, sollte diese Wartezeit deshalb einplanen.
Ausserdem warnt das Team vor inoffiziellen Migrationslinks und Imitatoren. Nutzer sollten daher ausschliesslich die offiziellen Kanäle des Projekts verwenden und Links prüfen, bevor sie eine Wallet verbinden. Für Entwickler gibt es ebenfalls Unterstützung. Das Engineering- und das Ökosystem-Team von Abstract begleiten Apps beim Umzug auf andere Netzwerke. Bis zur Abschaltung bleiben damit gut zwei Monate Zeit.








