Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Strategys variabel verzinste Vorzugsaktie STRC schloss diese Woche bei 89 USD und damit 11% unter ihrem Nennwert von 100 USD. Das Papier funktioniert ähnlich wie eine Anleihe: Anleger überlassen Strategy Kapital und erhalten dafür eine monatliche Dividende, deren Satz das Unternehmen laufend nachjustiert, um den Kurs nahe 100 USD zu halten. Derzeit befindet sich die Rate bei 11.50% pro Jahr. Der Erlös fliesst, wie beim gesamten Vorzugsaktien-Programm, in den Kauf von Bitcoin. Dieses Modell trug, solange die Stammaktie MSTR über dem Wert der Bitcoin-Reserven notierte, denn dann liess sich günstig frisches Eigenkapital aufnehmen. Mit dem Kurszerfall von Bitcoin auf rund 63’000 USD, fast 29% unter dem Jahresanfang, rückt MSTR an diesen Substanzwert (NAV) heran, womit die Kapitalaufnahme deutlich schwerer wird. Über alle Vorzugsserien hinweg muss Strategy im kommenden Jahr rund 1.7 Mrd. USD an Dividenden bedienen, während das Softwaregeschäft nur rund 477 Mio. USD Umsatz liefert. Der dafür reservierte Liquiditätspool schrumpfte von 2.25 Mrd. USD zu Jahresbeginn auf rund 900 Mio. USD und deckt noch etwa sieben Monate. Entsprechend verkaufte Strategy Ende Mai erstmals seit Dezember 2022 Bitcoin zur Bedienung von Dividenten. Nun muss das Treasury-Unternehmen auf eine baldige Erholung der grössten Kryptowährung hoffen, um ihre Bilanz zu entlasten.
Strategys STRC Vorzugsaktie schliesst 11% unter Par bei 89 USD – tiefster Stand seit dem IPO im Juli 2025. Was hinter dem Kursrutsch steckt.
CME Group zieht CFTC wegen Perpetual Futures vor Gericht
Die Terminbörse CME Group reichte diese Woche Klage gegen die US-Aufsichtsbehörde CFTC ein. Der Vorwurf: Die Behörde habe Perpetual Futures fälschlich als regulierte Futures-Kontrakte zugelassen statt als Swaps unter dem Dodd-Frank Act. Auslöser war die Genehmigung von Ende Mai, die Kalshis BTCPERP als erstem US-regulierten Perpetual Future sowie Coinbase Financial Markets den Zugang zu Deribits Dubai-Plattform öffnete. CME-Chef Terrence Duffy argumentiert, der Funding-Rate-Mechanismus mit Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen sei rechtlich ein Swap. Zuvor hatte die CFTC Perpetuals stets als Swaps behandelt und etwa Bitnomials Self-Certification im April 2025 blockiert. Hinter dem juristischen Streit steht jedoch handfestes Eigeninteresse: Perpetual Futures zielen direkt auf das börsengehandelte Derivategeschäft, das den Kern der CME ausmacht. Der Widerstand ist damit ebenso geschäftlich wie rechtlich getrieben. Daneben warnt CME vor der Hebel-Disparität. Offshore seien bis zu 250x möglich, US-zugelassen 50x, bei CME-eigenen Krypto-Produkten rund 5x.
CME Group verklagt die CFTC, weil die Behörde Perpetual Futures als Futures statt als Swaps unter dem Dodd-Frank Act zugelassen hat.
Glücksspielbranche drängt Senat zum Verbot von Prognosemärkten
Auch andernorts wehrt sich eine etablierte Branche gegen die Disruption durch neue Handelsplätze. Mehrere US-Gaming-Verbände und Gewerkschaften fordern den Senat formell auf, Sport-Prognosemärkte im Digital Asset Market Clarity Act zu verbieten. Hinter der Koalition stehen die American Gaming Association, die Indian Gaming Association sowie die Gewerkschaften AFL-CIO Hotel and Gaming Trades Council und UNITE HERE. Sie bezeichnen Plattformen wie Kalshi und Polymarket als „the largest expansion of gambling in recent US history“, entstanden binnen 18 Monaten ohne Volksabstimmung oder gesetzliche Autorisierung. Ganz von der Hand zu weisen ist der Einwand nicht, denn Prognosemärkte auf einzelne Sportspiele ähneln im Ergebnis klassischen Sportwetten. Im Kern steht ein Zuständigkeitsstreit zwischen der CFTC und bundesstaatlichen Glücksspielregulatoren. Die CFTC veröffentlichte kürzlich einen Vorschlag, der die meisten sportbezogenen Kontrakte erlaubt und nur casino-artige sowie verletzungsbezogene Wetten und College-Wettbewerbe verbietet. Wie es für die Branche weitergeht, wird in verschiedenen Gerichtsstreitigkeiten debattiert.
US-Gaming-Verbände wollen Sport-Prognosemärkte im Krypto-Gesetz Clarity Act verbieten. Die CFTC steuert mit ihrem Regelvorschlag dagegen.
Griechenland steuert auf Ablehnung von Binances MiCA-Lizenz zu
Griechenlands Regulator HCMC will laut Insider-Quellen Binances MiCA-Lizenzantrag ablehnen. Ohne Genehmigung bis zum 1. Juli 2026 müsste die grösste Krypto-Börse sämtliche EU-Operationen einstellen, denn die MiCA-Übergangsfrist endet ohne Verlängerung und die ESMA bestätigte im April, dass keine Fristverlängerung gewährt wird. Gewissen Stimmen zufolge soll die EZB auf die Ablehnung hingewirkt haben, indem sie signalisierte, Binance sei in Europa unerwünscht, wohl aus Sorge um monetäre Souveränität und den digitalen Euro. Bestätigt ist dies nicht, und der Antrag galt technisch als abgeschlossen und MiCA-konform. Konkurrenten wie Coinbase, Kraken und OKX besitzen längst Lizenzen, während bislang nur rund 17% der früheren VASP-Registrierungen eine MiCA-Autorisierung erhielten. Binance bestreitet den Bericht und weicht nun nach Frankreich aus.
Griechenlands HCMC will Binances MiCA-Lizenz ablehnen. Ab 1. Juli 2026 droht der weltgrössten Krypto-Börse der Ausschluss vom EU-Markt.
Ethereum bereitet grössten Fork seit dem Merge vor
Ausserdem: Ethereum koordiniert mit dem Upgrade „Glamsterdam“ den grössten Hard-Fork seit dem Merge im September 2022, mit angepeilter Mainnet-Aktivierung im dritten Quartal 2026. Kernstück ist die Enshrined Proposer-Builder Separation: Derzeit entstehen 88% der Blöcke ausserhalb des Protokolls via MEV-Boost, EIP-7732 integriert die Trennung von Proposer und Builder direkt ins Protokoll und reduziert so die Abhängigkeit von externen Relays. Begleitend stärken Inclusion Lists die Zensurresistenz. Für mehr Durchsatz sorgt EIP-7928 mit Block-Level Access Lists für parallele Transaktionsvalidierung, während das Gas-Limit-Ziel von 60 Mio. auf 200 Mio. pro Block steigt. Projektionen nennen bis zu 10’000 Transaktionen pro Sekunde und rund 71% tiefere Kosten für einfache ETH-Transfers, beruhen jedoch auf theoretischen Modellen unter optimalen Bedingungen. Das Devnet „Soldøgn“ wurde im Mai 2026 abgeschlossen, danach folgen die Testnets Sepolia und Hoodi. ETH-Halter müssen nichts tun, Validatoren und Node-Betreiber jedoch ihre Clients aktualisieren.
Das Ethereum Glamsterdam Upgrade ist der grösste Hard Fork seit dem Merge: ePBS und parallele Verarbeitung steigern den Durchsatz.







