MSCI hat neue Indexregeln für sogenannte Non-Operating Companies beschlossen, die Strategy und Metaplanet den Platz in den globalen Aktienindizes kosten können. Welche Firmen tatsächlich herausfallen, gibt der Indexanbieter am 11. November 2026 bekannt.
MSCI berechnet Aktienindizes, die passive Fonds und ETFs nachbilden. Nimmt der Anbieter eine Aktie auf oder streicht sie, kaufen oder verkaufen diese Fonds folglich automatisch. Seine Global Investable Market Indexes bilden die Grundlage der bekannten Familien MSCI World und ACWI. Ursprünglich hatte MSCI im Oktober 2025 vorgeschlagen, Firmen mit mindestens 50% digitalen Vermögenswerten in der Bilanz auszuschliessen. Betroffen gewesen wären insgesamt 39 Unternehmen. Im Januar 2026 verwarf der Indexanbieter diesen Plan jedoch und kündigte eine breitere Konsultation an, die von Anfang August bis Ende September 2026 lief. Deren Unterlagen enthielten eine Simulation mit Daten von Mai 2026. Sie markierte Strategy, Metaplanet und den britischen Uran-Halter Yellow Cake als mögliche Streichungen. Strategy und Metaplanet zählen zu den Digital Asset Treasury Companies, die Kryptowährungen als zentrale Bilanzposition halten. Der Bestand von Strategy liegt bei 848'250 BTC, jener von Metaplanet bei rund 44'000 BTC.
Zwei Stufen entscheiden über den Verbleib im Index
Am Donnerstag, 15.10.2026, veröffentlichte MSCI nach US-Börsenschluss die Ergebnisse der Konsultation. Die Umsetzung folgt später im Index-Review vom November. Methodisch arbeitet das Regelwerk in zwei Stufen. Zunächst prüft ein sogenannter Core Screen, ob ein Unternehmen über wesentliche operative Vermögenswerte verfügt. Machen operative Aktiven mehr als 50% der Bilanzsumme aus, endet die Prüfung an dieser Stelle. Wer diesen Test verfehlt, muss sich hingegen an fünf Finanzkennzahlen messen lassen.
Ein Unternehmen gilt als unzulässig, wenn es bei vier dieser fünf Werte auffällt. Das hielt bereits die Konsultationsankündigung von MSCI vom 03. September 2026 fest. Zu den Kennzahlen zählen Operating Asset Intensity, Expense Intensity und ein Cash-Flow-Screen zum operativen Cashflow. Hinzu kommen Non-Operating Fair Value Intensity sowie Capital Dependence, also die Abhängigkeit von externer Finanzierung. Auffällig ist der Geltungsbereich. Die Regel erfasst Non-Operating Companies zusammen mit passiven Anlagevehikeln wie Fonds und Business Development Companies (BDCs). Krypto-Firmen sind somit nur ein Teil des Kreises. Wie breit dieser ist, zeigt Yellow Cake. Das britische Unternehmen hält Uran statt Bitcoin und taucht dennoch in der Simulation auf.
Gleichzeitig beendet MSCI die Interimsregel, die an digitale Vermögenswerte ab 50% der Bilanzsumme anknüpfte. Seit Januar 2026 durften betroffene Mitglieder im Index bleiben, ihre Aktienzahl und ihren Inclusion Factor erhöhte MSCI aber nicht. Neuaufnahmen und Segmentwechsel dieser Firmen lagen ebenfalls auf Eis. Künftig beurteilt der Indexanbieter sie ebenso wie alle anderen nach der neuen Methodik. Damit verschiebt sich die Abgrenzung vom Krypto-Anteil hin zur operativen Substanz eines Unternehmens.
Puffer und Fristen verschieben den Ausschluss auf Dezember
Einen sofortigen Ausschluss sieht das Regelwerk nicht vor. MSCI arbeitet mit Puffern, die sowohl für die Schwellen der Kennzahlen als auch für den Zeitpunkt von Aufnahme und Entfernung gelten. Auf diese Weise will der Anbieter die Fluktuation in seinen Indizes verringern. Neuaufnahmen sind unzulässig, wenn ein Unternehmen das Kriterium in einer der beiden letzten Jahresabschluss-Perioden verfehlt. Bestehende Mitglieder entfernt MSCI allerdings nur, wenn sie in beiden Perioden durchfallen. Ferner kann der Indexanbieter den letzten Zwischenabschluss heranziehen. Bereits gelistete Firmen haben daher mehr Spielraum als Kandidaten.
Der Kalender ist eng. Am 11. November 2026 veröffentlicht MSCI die finale Liste der betroffenen Unternehmen. Wirksam werden die Änderungen später, nach Handelsschluss am 30. November 2026 und damit ab dem 01. Dezember 2026. Entfernt hat MSCI bisher keine Firma, die Entscheidung über einzelne Namen fällt erst mit der Liste. Offen ist ausserdem, wie weit der Kreis reicht. Neben Strategy und Metaplanet könnte auch SharpLink betroffen sein, ein Unternehmen mit Ethereum als Treasury-Reserve. In der Mai-Simulation stand die Firma auf einer Beobachtungsliste, nicht unter den Streichungen.
Was der MSCI-Entscheid für Strategy bedeutet
Für Strategy geht es vor allem um passive Kapitalflüsse. Für seine Bitcoin hat das Unternehmen kumuliert rund 64 Mrd. USD aufgewendet. In der Woche bis zu diesem Stichtag kaufte es laut einer Meldung an die SEC 250 BTC für 21.5 Mio. USD zu. Nach Schätzung von Strategy halten MSCI-verknüpfte Fonds rund 13 Mio. MSTR-Aktien, etwa 3.1% der ausstehenden Basisaktien. Das entspricht rund 60% des durchschnittlichen Tagesvolumens der letzten 30 Tage. Bei den Firmen, die im Mai 2026 aus dem MSCI World fielen, lag der vergleichbare Wert hingegen bei etwa zwei Tagesvolumen.
Ältere Schätzungen beziffern das Risiko in Dollar. JPMorgan rechnete 2025 mit möglichen Abflüssen von bis zu 2.8 Mrd. USD aus MSCI-verknüpften Fonds. Falls weitere Indexanbieter wie FTSE Russell nachziehen, wären es laut der Bank 8.8 Mrd. USD. Für alle 39 Firmen der damaligen Liste kursierten Schätzungen von insgesamt 10 bis 15 Mrd. USD an Zwangsverkäufen. Diese Zahlen beziehen sich jedoch auf die alte 50%-Regel, ihre Übertragbarkeit auf die neue Methodik ist offen. Wie empfindlich der Markt reagiert, zeigte sich im Januar 2026. Nach dem Verzicht auf den ersten Plan stieg die MSTR-Aktie nachbörslich um rund 6%.
Ein Ausschluss hätte begrenzte Folgen. Die Aktie bliebe an der Nasdaq kotiert, und Strategy müsste ausserdem keine Bitcoin verkaufen. Das längerfristige Risiko liegt deshalb woanders. Eine schwächere Nachfrage nach der Aktie würde die Kapitalbeschaffung erschweren, mit der das Unternehmen seine Bitcoin-Käufe finanziert. Ob S&P Dow Jones oder FTSE Russell vergleichbare Regeln folgen lassen, ist zudem bislang nicht bestätigt.
Strategy bestreitet die Grundlage der Abgrenzung
Strategy hatte die Konsultation scharf kritisiert. In seiner Antwort bezeichnete das Unternehmen den Vorschlag als Vorwand gegen Digital Asset Treasuries und als Neuauflage des zurückgezogenen Plans von 2025. Ferner seien die Begriffe operating und non-operating nicht definiert und hätten keine Grundlage in US GAAP oder IFRS. Strategy weist das Bitcoin-Geschäft zudem nach US GAAP als operatives Segment aus, nach eigenen Angaben im Einklang mit Gesprächen mit der SEC-Mitarbeiterebene. Michael Saylor und CEO Phong Le nannten die Regel ebenfalls diskriminierend gegenüber Treasury-Firmen.
Im August 2026 hatte das Unternehmen seine Position auf X knapp zusammengefasst: „Digitale Vermögenswerte sind Vermögenswerte." Indexanbieter sollten Märkte messen, statt zu entscheiden, welche Vermögenswerte Unternehmen halten dürften, hiess es weiter. Im September hielt Strategy schliesslich fest, die Vorschrift hätte im Fall einer Annahme keine nennenswerten Folgen für das eigene Geschäft. Sie würde allerdings dem Ruf von MSCI als verlässlichem und neutralem Indexanbieter tiefgreifend schaden.








