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    Sie sind hier:Home » Aktuell » News » JPMorgan testet XRP Ledger ohne XRP als Abwicklungswährung
    JPMorgan, Ondo, Mastercard und Ripple testeten den XRP Ledger, doch XRP selbst spielte bei der Abwicklung keine Rolle.

    JPMorgan testet XRP Ledger ohne XRP als Abwicklungswährung

    0
    von Redaktion cvj.ch am 20. Mai 2026 News

    In Teilen der XRP-Community kursierte innerhalb der letzten Tage die Nachricht, JPMorgan habe XRP als Settlementwährung adoptiert oder eine Partnerschaft mit Ripple geschlossen. Aus der offiziellen Mitteilung lässt sich das nicht ableiten.

    Beschrieben wird ein einmaliger Pilot, bei dem Ondo Finance, Kinexys by J.P. Morgan, Mastercard und Ripple eine tokenisierte US-Staatsanleihe grenzüberschreitend einlösten. XRP diente in dieser Transaktion ausschliesslich der Deckung minimaler Netzwerkgebühren. Der Kurs von XRP reagierte entsprechend zurückhaltend. Am Tag der Nachricht notierte der Token bei rund 1.42 USD, ein Plus von etwa 1% auf Tagesbasis. Wer eine institutionelle Settlementadoption eingepreist sieht, müsste eine andere Reaktion erwarten.

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    Was der Pilot war - und was nicht

    Die Beteiligten wickelten die Asset-Seite der Transaktion in unter fünf Sekunden ab, ausserhalb regulärer Bankbetriebszeiten. Eine vergleichbare grenzüberschreitende Abwicklung über Korrespondenzbanken benötigt typischerweise ein bis drei Werktage. Das ist der eigentliche Punkt der Übung. Es ist auch der einzige, der unstrittig ist.

    Zwischen offizieller Pressemitteilung und Community-Lesart klafft eine semantische Lücke. Mehrere Medien verwendeten den Begriff "Settlement" zunächst im technischen Sinn der Transaktions-Abwicklung. In Foren und sozialen Netzwerken lasen Nutzer dies teils als juristisches Settlement oder formale Partnerschaft - ein Echo der wiederkehrenden Gerüchtemuster rund um XRP. Tatsächlich handelte es sich um einen einmaligen Pilot, nicht um eine produktive Integration. JPMorgan migriert seine Operationen nicht auf den XRP Ledger. Eine partnerschaftliche Verbindung zu Ripple existiert in keinem öffentlich dokumentierten Sinne über diesen Pilot hinaus.

    Entscheidend ist die Trennung zwischen XRP Ledger und XRP Token. Der eigentliche Asset-Leg lief über RLUSD, Ripples Dollar-Stablecoin. RLUSD verkörperte den ökonomischen Wert in der Transaktion. XRP selbst trug nur die Netzwerkgebühren, ein Beitrag im Cent-Bereich pro Transaktion. Für die Nachfrage nach dem Token bedeutet eine solche Konstellation wenig.

    So lief die Pilottransaktion ab

    Der Test verband fünf Komponenten. Ripple löste OUSG-Bestände auf dem XRP Ledger ein, woraufhin Ondo die Fiat-Auszahlung über Mastercards Multi-Token Network (MTN) initiierte. MTN leitete die Instruktion an Kinexys weiter, und JPMorgans Tokenisierungsplattform belastete Ondos Blockchain Deposit Account. Am Ende der Kette gelangte der USD-Betrag auf Ripples Bankkonto bei der DBS Bank in Singapur.

    OUSG ist Ondos tokenisiertes Produkt für kurzlaufende US-Staatsanleihen. Es basiert auf BlackRocks BUIDL-Fonds und ist auf Ethereum, Solana, Polygon sowie dem XRP Ledger aktiv. Auf dem XRP Ledger zirkulieren rund 2.8 Millionen OUSG-Token, was einem monatlichen Transfervolumen von etwa 101 Mio. USD entspricht. Das Gesamtvolumen von OUSG lag am 9. Mai bei rund 680 Mio. USD; Ondos Total Value Locked überschritt im April erstmals 3 Mrd. USD.

    Ondo Finance Total Value Locked (TVL) / Quelle: DeFi Llama

    Bemerkenswert bleibt der hybride Charakter der Abwicklung. Die Asset-Seite läuft öffentlich on-chain, das Fiat-Clearing im konventionellen Bankensystem via Kinexys. Wer in der Konstellation eine Migration sieht, überschätzt die Verbindlichkeit eines Pilots. Realistischer ist die Lesart als Interoperabilitätsmodell zwischen privater Bankinfrastruktur und einer öffentlichen Blockchain.

    Für JPMorgan ist der Schritt grösser als für Ripple

    Den interessantesten Bruch vollzieht in diesem Pilot nicht Ripple, sondern JPMorgan. Kinexys, ehemals Onyx, operierte seit dem Launch im Oktober 2024 ausschliesslich auf privater Infrastruktur und verarbeitete seitdem Transaktionen von über 3 Bio. USD. Die Verbindung mit Ondo, Mastercard und Ripple markiert die erste öffentlich dokumentierte Interaktion zwischen Kinexys und einer öffentlichen Blockchain ausserhalb des eigenen Netzwerks. Für eine Bank, die jahrelang ihre eigene private Chain bevorzugte, ist das ein bemerkenswerter Bruch mit der bisherigen Linie.

    Für Ripple liegt der Gewinn primär in der Sichtbarkeit. Der XRP Ledger erscheint als technische Settlement-Schicht in einer Transaktion mit drei Schwergewichten der Finanzinfrastruktur. Auf der ökonomischen Ebene bleibt der Effekt für XRP-Inhaber begrenzt: Ohne strukturelle Nachfrage nach dem Token aus dieser Art von Abwicklungen entsteht kein direkter Kursimpuls. Die Marktentwicklung bestätigt diese Interpretation.

    Entwicklung XRP-Kurs XRP/USD (daily) / Chart: Tradingview
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    Tokenisierte US-Staatsanleihen sind im laufenden Zyklus die dominante Real-World-Asset-Kategorie geworden. Am 11. Februar überschritt das Marktvolumen erstmals 10 Mrd. USD, Anfang April lag es bei rund 12.88 Mrd. USD. Das entspricht einem Zuwachs von 225% in 15 Monaten. BlackRocks BUIDL bildet die institutionelle Grundlage für mehrere Produkte, darunter Ondos OUSG.

    Ripple machte 2026 bislang etwa zehn grössere institutionelle Partnerschaften öffentlich, unter anderem mit der Deutschen Bank (1.6 Bio. USD AuM) und Mastercard (9 Bio. USD Zahlungsnetzwerk). DTCC plant noch in diesem Jahr den Launch eines eigenen Tokenisierungsdienstes. Die Bewegung verläuft weniger über XRP als Token, sondern über den XRP Ledger als Settlement-Schicht und über RLUSD als regulatorisch akzeptablen Dollar-Token. Für institutionelle Compliance ist genau diese Kombination relevant: ein stabiler, auditierter Stablecoin auf einer öffentlichen, leistungsfähigen Chain.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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