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    Iran setzt verstärkt auf Stablecoins wie USDT, um den Rial-Kollaps abzufedern. Die Zentralbank kaufte 507 Millionen USD in Tether.

    Iran setzt auf Stablecoins zur Stabilisierung des kollabierenden Rial

    von Redaktion cvj.ch am 22. Januar 2026 News

    Irans Zentralbank hat laut einem Bericht des Analysedienstes Elliptic mindestens 507 Millionen US-Dollar in Tether (USDT) akkumuliert. Der Stablecoin-Kauf erfolgte systematisch über ein Netzwerk von rund 50 Krypto-Wallets, während der iranische Rial auf ein historisches Tief von 1.47 Millionen pro US-Dollar fiel.

    Die Währung verlor allein im Jahr 2025 nahezu die Hälfte ihres Wertes. Ende Dezember 2025 brachen landesweite Proteste aus, nachdem der Rial neue Rekordtiefs erreichte und der Zentralbankchef zurücktrat. Denn die Inflation lag im Dezember 2025 bei 42.5 Prozent, während Lebensmittelpreise um 72 Prozent stiegen.

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    Digitale Dollar als Krisenreaktion

    Die Käufe der Zentralbank erfolgten im April und Mai 2025, als der Druck auf den Rial besonders stark war. Elliptic-Mitgründer Tom Robinson erklärte gegenüber Bloomberg, die Mittel seien grösstenteils an Nobitex gesendet worden, wo sie vermutlich gegen Rial verkauft wurden. Im Wesentlichen handelte es sich um digitale Offenmarktgeschäfte zur Stützung der Landeswährung.

    Nobitex dominiert den iranischen Krypto-Markt mit einem Anteil von 87 Prozent am gesamten Handelsvolumen. Von den über 3 Milliarden US-Dollar, die 2025 über die Plattform liefen, flossen 2 Milliarden über das TRON-Netzwerk in Form von USDT. Das Ökosystem erreichte 2025 ein Gesamtvolumen von 7.78 Milliarden US-Dollar.

    Im Juni 2025 erlitt Nobitex allerdings einen schweren Rückschlag: Hacker erbeuteten über 90 Millionen US-Dollar in verschiedenen Kryptowährungen. Eine pro-israelische Gruppe namens Gonjeshke Darande (Räuberischer Spatz) bekannte sich zu dem Angriff. Danach brach das Handelsvolumen auf der Plattform um 70 Prozent ein.

    Bürger flüchten in den digitalen Dollar

    Für gewöhnliche Iraner sind Stablecoins längst zum Überlebenswerkzeug geworden. Rund 22 Prozent der Bevölkerung nutzen mittlerweile Kryptowährungen. Bei einer Inflation von über 40 Prozent und einem Rial, der kontinuierlich an Wert verliert, bietet die Konvertierung in USDT eine der wenigen Möglichkeiten, Ersparnisse zu schützen.

    Die Regierung reagierte im September 2025 mit Restriktionen. Das Hohe Ratskollegium der Zentralbank führte eine Obergrenze von 5'000 US-Dollar pro Person und Jahr für Stablecoin-Käufe ein. Zusätzlich dürfen Bestände 10'000 US-Dollar nicht überschreiten. Die Auswirkung war offensichtlich: Diese Limits stoppten die Dollar-Nachfrage nicht, sondern trieben sie nur in den Untergrund.

    Tatsächlich tauchten kurz nach der Ankündigung Anzeigen auf, in denen Bargeld für das Ausleihen von Personalausweisnummern angeboten wurde. Damit liessen sich die Kauflimits umgehen.

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    Sanktionsumgehung im Fokus

    Die Nutzung von Kryptowährungen durch iranische Staatsakteure steht unter intensiver internationaler Beobachtung. Im September 2025 ordnete Israels Verteidigungsministerium die Beschlagnahmung von 187 Krypto-Wallets an, die der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) zugeordnet werden. Laut Elliptic flossen durch diese Wallets insgesamt 1.5 Milliarden US-Dollar in USDT.

    Tether reagierte und sperrte 39 der identifizierten Wallets mit einem Guthaben von rund 1.5 Millionen US-Dollar. Bereits im Juli 2025 hatte das Unternehmen 42 Wallets mit iranischer Verbindung blockiert und dabei etwa 37 Millionen US-Dollar eingefroren.

    Und die Dimensionen sind beträchtlich: Eine Untersuchung ergab, dass die IRGC über zwei in Grossbritannien registrierte Börsen seit 2023 rund 1 Milliarde US-Dollar bewegte. Die Plattformen Zedcex und Zedxion nutzten Scheindirektoren und virtuelle Büroadressen, obwohl sie Milliarden an On-Chain-Aktivität verarbeiteten. IRGC-verbundene Transaktionen machten 56 Prozent des Gesamtvolumens dieser Börsen aus.

    Zwischen Überlebenskampf und Terrorfinanzierung

    Die Krypto-Nutzung im Iran spaltet sich in zwei Welten. Auf der einen Seite stehen Millionen von Bürgern, die ihre Ersparnisse vor der Inflation retten wollen. Laut Chainalysis machen illegale Transaktionen auf iranischen Börsen lediglich 0.9 Prozent der Aktivität aus.

    Auf der anderen Seite nutzen staatliche und staatsnahe Akteure digitale Vermögenswerte für Sanktionsumgehung und Terrorfinanzierung. TRM Labs identifizierte direkte Überweisungen von über 10 Millionen US-Dollar von IRGC-Wallets an Sa'id Ahmad Muhammad al-Jamal, einen jemenitischen Staatsangehörigen, der ein Schmugglernetzwerk zur Unterstützung der Huthis betreibt.

    Das iranische Verteidigungsexportzentrum Mindex akzeptiert mittlerweile offen Kryptowährungen für Waffenexporte. Auf der Website des Zentrums heisst es, akzeptierte Zahlungsmethoden umfassen "die im Vertrag vereinbarte Kryptowährung". Zu den angebotenen Produkten gehören Raketen, Flugzeuge, Panzer und Schiffe.

    Regulatorischer Druck wächst

    Die internationale Gemeinschaft verschärft den Druck. Die Vereinten Nationen verhängten im September 2025 erneut Sanktionen gegen Iran, nachdem der Sicherheitsrat eine Resolution zur Aufrechterhaltung der Sanktionserleichterungen nicht verabschiedete. Das US-Finanzministerium verhängte eine Strafe von 3.1 Millionen US-Dollar gegen den Krypto-Wallet-Anbieter Exodus wegen Verstössen gegen Iran-Sanktionen.

    In den USA trat im Juli 2025 der GENIUS Act zur Regulierung von Stablecoins in Kraft. Die EU setzt parallel ihre MiCA-Verordnung um. Beide Regelwerke zielen darauf ab, die Nutzung von Stablecoins zur Sanktionsumgehung einzudämmen.

    Für den Iran bleibt die Situation prekär. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte von rund 600 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf geschätzte 356 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Die Weltbank erwartet für 2026 einen weiteren Rückgang um 2.8 Prozent. Gleichzeitig fliessen laut Schätzungen bereits 1.4 Prozent des iranischen BIP durch Krypto-Kanäle. Diese Entwicklung dürfte sich angesichts des anhaltenden Rial-Verfalls weiter beschleunigen.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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