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    Sie sind hier:Home»Aktuell»News»Debakel um Krypto-Börse: Zondacrypto-Aufsichtsrat tritt zurück
    Zondacrypto: Aufsichtsrat tritt geschlossen zurück, darunter Ex-SEBA-CEO Guido Bühler. Hot Wallets fast leer, Ermittlungen laufen.

    Debakel um Krypto-Börse: Zondacrypto-Aufsichtsrat tritt zurück

    von Redaktion cvj.ch am 20. April 2026 News

    Der gesamte Aufsichtsrat der Zondacrypto-Betreibergesellschaft BB Trade Estonia OÜ ist diese Woche zurückgetreten. Veronika Togo, Guido Bühler und Georgi Džaniašvili reichten ihre Rücktrittsgesuche unabhängig voneinander ein und veröffentlichten anschliessend ein gemeinsames Statement.

    Darin werfen sie dem Management systematische Fehlinformation und einen Zusammenbruch der Governance-Grundlagen vor. Zondacrypto gehört mit über einer Million Nutzern gemäss eigenen Angaben zu den grössten Krypto-Börsen Zentraleuropas. Brisant ist der Schweiz-Bezug: Bühler ist Mitgründer und Ex-CEO der Zuger SEBA Bank (heute Amina Bank), während die Zuger Divisio Holding AG die Beteiligungen an der estnischen Betreibergesellschaft hält. Seit rund einem Jahr trägt zudem das Stadion des HC Davos den Namen "zondacrypto-Arena". Der Schweizer Reputationsschaden ist entsprechend spürbar.

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    Governance-Versagen bei Machtkonzentration

    Das gemeinsame Statement der drei Aufsichtsratsmitglieder ist in seiner Direktheit ungewöhnlich. Es benennt "wesentliche Inkonsistenzen zwischen bestimmten öffentlichen Aussagen, der operativen Realität und den dem Aufsichtsrat zuvor zur Verfügung gestellten Informationen". Der Vorwurf lautet, dass die öffentlichen Angaben des Unternehmens nicht mit der operativen Realität und den intern kommunizierten Informationen übereinstimmten.

    Als strukturelles Kernproblem identifiziert das Statement die Konzentration von Eigentum und operativer Führung in einer Person. Gemeint ist CEO Przemysław Kral.

    "In einer Governance-Struktur, in der Eigentümerschaft und operative Führung in einer einzigen Person konzentriert sind, setzt eine wirksame Aufsicht Transparenz, rechtzeitige Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen voraus. Leider ist dieses Fundament in wesentlicher Weise untergraben worden." - Veronika Togo, Guido Bühler, Georgi Džaniašvili

    Die Aufsichtsratsmitglieder erfuhren von der Krise nicht über interne Kanäle, sondern aus der polnischen Presse. Das Statement formuliert das nüchtern: "Der Aufsichtsrat erfuhr von der Situation erst aus öffentlichen Quellen, nachdem diese in den polnischen Medien zu eskalieren begann - nicht durch eine rechtzeitige interne Kommunikation." Die drei Mitglieder betonen, sie hätten ihre bisherigen Entscheide in gutem Glauben gefällt und sich dabei auf Prüfberichte, MiCA-bezogene Regulierungsprozesse und regelmässige Austausche mit dem Management gestützt.

    Hot Wallets fast vollständig geleert

    Die operative Realität, auf die sich das Statement bezieht, dokumentiert eine Analyse des Zuger Blockchain-Forensik-Unternehmens Recoveris. Demnach hielt Zondacrypto im August 2024 in seinen bekannten Bitcoin-Hot-Wallets noch 55.7 BTC. Bis März 2026 schrumpfte dieser Bestand auf 0.18 BTC, am 1. April 2026 waren es noch rund 0.07 BTC. Ein Rückgang von 99.7 Prozent innerhalb von 20 Monaten.

    Zwischen Dezember 2025 und April 2026 dokumentierte Recoveris zudem 511 Transaktionen zu Wallets der Kraken-Börse mit einem Gesamtvolumen von rund 21 Millionen USD. Die Analysten beschreiben den Vorgang als "systematische Leerung von Reserven". CEO Kral verweist zwar auf Cold-Wallet-Bestände von über 4'500 BTC, konnte diese Angaben bisher aber nicht belegen. Laut Medienberichten räumte er ein, auf eine der entsprechenden Wallets keinen Zugriff zu haben. Das Finanzmagazin tippinpoint berichtete in der Schweiz als erstes davon.

    Parallel häuften sich ab Dezember 2025 Beschwerden von Nutzern über ausstehende Auszahlungen. Kunden berichteten über Transaktionen, die stunden- oder tagelang im Status "pending" blieben. Damit steht der Vorwurf im Raum, dass Kundenguthaben nicht mehr zeitnah bedient werden können. Die polnische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

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    Schweizer Prominenz und polnische Politik

    Zondacrypto positionierte sich bisher als regulierungskonformes europäisches Krypto-Unternehmen mit Schweizer Holding-Struktur und prominentem Beirat. Bühler stiess im Oktober 2023 als Non-Executive Director zum Unternehmen und sollte strategische Aufsicht, Regulierungs-Compliance und globale Marktentwicklung verantworten. Die SEBA Bank hatte er im März 2022 unerwartet verlassen; davor sass er im Board der UBS Investment Bank. Sein Name gab dem Aufsichtsrat in der europäischen Krypto-Szene zusätzliches Gewicht.

    Sichtbarkeit baute Zondacrypto über Sportsponsoring auf. Neben Partnerschaften mit Juventus FC, Atalanta BC und AS Monaco Basket sicherte sich das Unternehmen vor rund einem Jahr die Namensrechte am HC-Davos-Stadion. HCD-Präsident Gaudenz Domenig sprach damals von einem "Glücksfall". CEO Marc Gianola erklärte, man habe keine Kenntnis von Liquiditätsproblemen gehabt. Für den Schweizer Sportsektor ist der Reputationsschaden unmittelbar.

    Politisch brisant wird der Fall durch die Verbindung zur polnischen Krypto-Regulierung. Polen hat die EU-MiCA-Verordnung bisher nicht vollständig umgesetzt, da der damalige Präsident Karol Nawrocki zweimal sein Veto gegen die entsprechende Gesetzgebung einlegte. Die Begründung lautete, die Vorgaben seien "übermässig restriktiv". Premierminister Donald Tusk beschuldigt Zondacrypto nun, Parlamentarier finanziert zu haben, die sich gegen eine MiCA-Umsetzung aussprachen.

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