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    Celsius kämpft mit Insolvenzängsten

    Celsius kämpft mit Insolvenzängsten

    von Redaktion cvj.ch am 14. Juni 2022 News

    Celsius Network Ltd, eine auf die Krypto-Kreditvergabe spezialisierte Plattform, hat die Auszahlung von Guthaben, den Handel, sowie Überweisungen eingestellt. Die Ankündigung zitierte "extreme Marktkonditionen" und löste bei Investoren Sorgen bezüglich einer potenziellen Insolvenz des Unternehmens aus.

    Die Plattform ist einer der grössten Akteure im aufstrebenden Bereich der Krypto-Kreditvergabe. Im Mai hatte das Unternehmen mehr als 8 Milliarden Dollar an Kunden verliehen und verwaltete fast 12 Milliarden Dollar an Vermögenswerten, auf die jährliche Zinssätze von bis zu 18% ausgezahlt wurden. Celsius kann im Grunde genommen als das Krypto-Equivalent einer Bank bezeichnet werden - allerdings ohne die strengen Versicherungsanforderungen, denen traditionelle Kreditgeber unterliegen.

    Marktturbulenzen werden zum Verhängnis

    Ein aktueller Bericht des Blockchain-Analyseunternehmens Nansen zeigt, dass Celsius Network und eine Handvoll anderer institutioneller Investoren Beträge im dreistelligen Millionenbereich im algorithmischen Terra-Stablecoin "UST" anlegten und während dem Zusammenbruch abzogen. Wie viel die Plattform tatsächlich auf dem Sparprotokoll Anchor hinterlegte, ist unbekannt. Doch ohne ausreichende Absicherung und Risikomanagement könnte dies zu massiven Verlusten für Celsius geführt haben.

    Hinzu kommt die Entkopplung des liquiden Staking-Protokolls Lido Finance. In Essenz tokenisiert das Projekt Token, die in den Staking-Contract eines Protokolls hinterlegt werden. So stellen Lido Staked Ether (stETH) beispielsweise Ether dar, die 1:1 in den Ethereum-Staking-Contract eingespiesen wurden. Dies ermöglicht es Nutzern, die Staking-Renditen auf einen liquiden Token zu erhalten, der in DeFi-Applikationen verwendet werden kann. Allerdings begann stETH aufgrund diverser Bedenken Anfang Mai seine Bindung an "echte" Ether zu verlieren. Mit hunderten Millionen Dollar in stETH, die Kunden eine 6-prozentige Rendite auf ihre Ether auszahlen sollten, führte dies zu Liquiditätsproblemen bei Celsius.

    Abhebungen und Transfers weiterhin eingefroren

    Celsius kündigte den Abhebungsstopp in einer Memo an ihre Kunden an. Eine präzise Ursache wurde nicht enthüllt, die Massnahme solle das Unternehmen lediglich in eine bessere Position versetzen, ihre Abhebungsverpflichtungen zu erfüllen.

    "Celsius verfügt über wertvolle Vermögenswerte, und wir arbeiten mit Nachdruck daran, unseren Verpflichtungen nachzukommen. Wir ergreifen diese notwendigen Massnahmen zum Wohle unserer gesamten Community, um die Liquidität und den Betrieb zu stabilisieren, während wir Schritte unternehmen, um die Vermögenswerte zu erhalten und zu schützen." - Memo an die Celsius Community

    Da Dienste wie Celsius oftmals als alternative Sparkonten vermarktet werden, argumentieren Aufsichtsbehörden bereits seit geraumer Zeit, dass hochverzinsliche Kryptokonten nicht registrierte Wertpapiere darstellen. Dies würde eine stärkere Offenlegung und Beaufsichtigung der Anleger rechtfertigen. Die Aufsichtsbehörden unterschiedlicher US-Bundesstaaten haben schon rechtliche Schritte gegen Celsius Network eingeleitet, während die SEC den Konkurrenten BlockFi zu 100 Mio. USD an Strafzahlungen verdonnerte.

    Nexo bietet eine Übernahme an

    Die möglicherweise bevorstehende Insolvenz von Celsius veranlasste einen Konkurrenten, ein potenzielles Gebot für die Vermögenswerte anzukündigen. Nexo, ein Schweizer Rivale aus Zug, zeigte Interesse am gesamten Kreditportfolio und unterbreitete dem angeschlagenen Unternehmen eine formelle Absichtserklärung. Nexo möchte laut der Ankündigung alle verbleibenden und qualifizierten Vermögenswerte, vor allem aber deren besichertes Kreditportfolio, aufkaufen.

    Nexo is in а solid liquidity and equity position to readily acquire any remaining qualifying assets of Celsius, mainly their collateralized loan portfolio. We are putting together an offer to Celsius to that accord and will communicate it publicly. 5/

    — Nexo (@Nexo) June 13, 2022

    Das Angebot wurde ohne einen bestimmten Preis zu nennen unterbreitet und ist eine Woche lang gültig. In dieser Zeit soll Celsius das Angebot ablehnen oder zustimmen. Nexo behält sich das Recht vor, bis dahin auch wieder zurückzuziehen. Bisher äusserte sich Celsius nicht öffentlich dazu, Gerüchten zufolge wurde das Angebot jedoch bereits abgelehnt.

    Steht Celsius-Kunden ein "Bail-In" bevor?

    Ohne den Schutz der Einlagensicherung und ohne die Möglichkeit, Liquidität von einer Zentralbank zu erhalten, besteht für die 1.7 Millionen Benutzer von Celsius keine hundertprozentige Sicherheit, dass sie ihr Geld zurückbekommen. Laut den Nutzungsbedingungen können Kundengelder, die in Celsius' Earn and Borrow-Services eingezahlt wurden, im Falle eines Konkurses nicht zurückgefordert werden.

    "Sie haben im Zusammenhang mit den Verpflichtungen von Celsius Ihnen gegenüber keine anderen Rechtsmittel oder Rechte, als Ihre Rechte als Gläubiger von Celsius gemäss den geltenden Gesetzen." - Nutzungsbedingungen der Plattform

    Eine Einzahlung in die erwähnten Konten übertrage nämlich alle Rechte und Titel an den digitalen Vermögenswerten, einschliesslich der Eigentumsrechte. Das Ausmass der Liquiditätsprobleme des Unternehmens sind jedoch nach wie vor unklar, und es sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Auch wenn Celsius den Betrieb wieder aufnimmt, wird es alle Nutzer hoffentlich dazu ermutigen, sich auf die ursprünglichen Vorteile dezentraler Blockchain-Systeme zurückzubesinnen.

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    Über den Autor

    Redaktion cvj.ch
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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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