Bitcoin rutschte in den frühen Montagsstunden unter die Marke von 77'000 USD und erreichte ein Tief von 76'650 USD. Auslöser war zunächst eine öffentliche Drohung von Präsident Trump gegen den Iran, die zusammen mit steigenden Treasury-Renditen und ETF-Abflüssen rund 660 Mio. USD an Liquidationen auslöste.
Zudem beendet der Bitcoin-Kurssturz eine sechswöchige Phase netto positiver Zuflüsse in die elf US-Spot-Bitcoin-ETFs. Damit gerät folglich auch das Zinssenkungsnarrativ ins Wanken, das die Frühjahrsrallye getragen hatte.

Trump-Drohung trifft auf dünne Liquidität
Am späten Sonntag publizierte Trump auf Truth Social: "For Iran, the Clock is Ticking, and they better get moving, FAST, or there won't be anything left of them." Dadurch traf der Beitrag auf die dünne Wochenend-Liquidität an den Krypto-Märkten und beschleunigte folglich den ohnehin laufenden Abwärtstrend.
Innerhalb von 24 Stunden liquidierten Börsen daraufhin Krypto-Positionen im Wert von rund 660 Mio. USD zwangsweise, davon 584 Mio. USD auf Long-Positionen. Insbesondere konzentrierten sich rund 610 Mio. USD dieser Liquidationen auf ein Fenster von ein bis zwei Stunden während des stärksten Kursrückgangs. Zudem sprang das Handelsvolumen auf über 24 Mrd. USD.
Die Gesamtmarktkapitalisierung der Krypto-Branche fiel insgesamt auf 2.57 Bio. USD, was ein Tagesminus von 1.13% bedeutet. In absoluten Zahlen verdampften somit innerhalb weniger Stunden rund 33 Mrd. USD an Marktwert. Bitcoin selbst verlor zudem auf 24-Stunden-Sicht 1.62% und bewegte sich entsprechend in einer Spanne von 76'678 bis 78'539 USD.
Treasury-Renditen und Zinsnarrativ kippen
Darüber hinaus traf die geopolitische Eskalation auf ein bereits angespanntes Makro-Umfeld. So stieg die 30-jährige US-Treasury-Rendite auf 5.114%, während die 10-jährige auf 4.54% kletterte. Beide Werte markieren folglich 12-Monats-Hochs. Hartnäckige Inflationsdaten aus PPI und CPI zerstörten zudem gleichzeitig die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen weitgehend.
Konkret preist das CME FedWatch Tool inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 44% für eine Zinserhöhung bis Dezember 2026 ein. Somit ist dies eine strukturelle Verschiebung weg vom Zinssenkungsnarrativ, das risikobehaftete Anlagen wie Bitcoin im Frühjahr beflügelt hatte. Zusätzlich verstärkte ein stärkerer US-Dollar den Druck.
Institutionelle Anleger ziehen sich zurück
Bereits vor dem Wochenende reduzierten institutionelle Investoren ihr Risiko. So verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs am 13. Mai Nettoabflüsse von 635 Mio. USD, was zugleich den grössten Tagesabfluss seit Januar darstellt. Allein BlackRocks IBIT verlor zudem 284.69 Mio. USD an einem Tag. Parallel erlebten die Ethereum-ETFs Abflüsse von 36.3 Mio. USD, davon 21.1 Mio. USD beim BlackRock-Produkt ETHA.
Über fünf Handelstage summierten sich die Wochenabflüsse insgesamt auf 1.26 Mrd. USD über alle elf US-Spot-Bitcoin-ETFs. Damit endet folglich die sechswöchige Zuflussserie offiziell, die im April 2026 kumuliert 1.97 Mrd. USD eingebracht hatte. Bemerkenswert ist allerdings das Timing: Die Abflüsse setzten nämlich ein, bevor Trump seinen Iran-Beitrag publizierte, und deuten somit auf eine breitere Neubewertung des kurzfristigen Risikos hin.
Im Vergleich zum breiteren Krypto-Markt zeigt Bitcoin hingegen relative Stärke. Während Ethereum, Solana und XRP in den Tagen zuvor zwischen 1.5% und 3.8% verloren, hielt sich Bitcoin in den jüngsten Stressphasen 2025 und 2026 deutlich besser als ETH, XRP, BNB oder SOL. Die institutionelle ETF-Basis wirkt offenbar als Puffer, obwohl sie kurzfristig ebenfalls Abflüsse verzeichnet.
Erneute Korrektur
Der aktuelle Kurs liegt rund 30% unter dem Allzeithoch von über 109'000 USD, das Bitcoin im Januar 2025 markiert hatte. Demzufolge liegt die Widerstandszone nun bei 79'000 bis 82'000 USD, während die nächste relevante Unterstützung bei 74'000 bis 76'000 USD verläuft. Der 200-Tage-EMA verläuft zudem bei 83'513 USD und dient folglich als längerfristiger Widerstand.
Im Hintergrund laufen weiterhin US-Iran-Friedensverhandlungen. Allerdings konnte auch ein kürzlich geschlossenes US-China-Handelsabkommen über Boeing-Flugzeuge und Agrarprodukte die Märkte nicht entlasten. Darüber hinaus trieb die geopolitische Eskalation den Ölpreis: So handelten Anleger auf der dezentralen Handelsplattform Hyperliquid Öl-Perpetuals zwischenzeitlich bei 106 USD pro Barrel.
Damit verschiebt sich das Marktnarrativ insgesamt. Anstelle einer von Zinssenkungen getragenen Rallye dominieren nun geopolitische Risikoprämien und Inflationssorgen. Ob die institutionelle Adoption über ETFs auch in einer länger anhaltenden Phase erhöhter Risikoaversion trägt, dürfte schliesslich die kommenden Wochen prägen.








