ADA fällt erstmals seit mehr als fünf Jahren unter 20 Cent, nachdem der Token im 24-Stunden-Fenster zwischen 10 und 13 Prozent verlor. Nun kündigt der Gründer Charles Hoskinson, der zuvor eine „Welle von Pleiten" im Cardano-Ökosystem prognostiziert hatte, eine vorübergehende Pause an.
Cardano ist eine Proof-of-Stake-Blockchain, entwickelt von Input Output Global (IOG). ADA ist deren nativer Token, der für Staking, Governance-Abstimmungen und Transaktionsgebühren genutzt wird. Ursprünglich gegründet wurde das Netzwerk 2017 von Hoskinson, einem Mitgründer von Ethereum. Der Intraday-Tiefstkurs lag zuletzt bei rund 0.188 USD. Über das vergangene Jahr summiert sich der Verlust auf etwa 70 Prozent, gegenüber dem Allzeithoch von 3.09 USD aus dem September 2021 sogar auf rund 93 Prozent. Scheinbar lässt der ADA-Kursverlust den Gründer nicht ganz kalt.
Hoskinson kündigt Pause an und warnt vor Ökosystem-Zusammenbrüchen
Zunächst veröffentlichte Hoskinson Anfang Juni ein Video auf X, in dem er die Lage nüchtern zusammenfasste: „This is where we're at as an ecosystem." Einen Tag später folgte ein knapper Post: „I'm taking a break. TTYL." Der Gründer betonte, über keine Sonderrechte im Netzwerk zu verfügen. „I don't have any special powers with Cardano", schrieb er und signalisierte damit Distanz, ohne formale Verantwortung abzugeben.
Hinter dem Rückzug stehen erkennbare Frustrationen. Hoskinson hatte einen Index-Plan zur Stärkung des Ökosystems vorgeschlagen, der jedoch nie umgesetzt wurde: „I came up with the plan of an index. It did not get executed." Zudem kritisierte er die Zurückhaltung der Community beim Einsatz der Treasury-Mittel. „There doesn't seem to be a lot of community desire to spend the treasury to take these ventures to the next level", erklärte er. Darin zeigt sich letztlich eine strukturelle Spannung zwischen der Vision des Gründers und einem dezentralen Governance-Modell, das ihm gerade die direkte Durchsetzungsmacht entzieht.
„Ich habe zu Beginn des Jahres gesagt, wir werden viele sehen, die zusammenbrechen, weil die Märkte wirklich schlecht sind. Es wird eine Welle von Pleiten im Ökosystem geben." - Charles Hoskinson, Gründer Cardano/IOG
TapTools stellt nach vier Jahren den Betrieb ein
Wenige Tage vor Hoskinsons Rückzug kündigte TapTools das Aus an. Die 2022 gegründete Plattform galt als führende Analyse- und Daten-Infrastruktur im Cardano-Ökosystem und bündelte Portfolio-Tracking, Token-Analytics, DeFi-Monitoring sowie eine Entwickler-API. Damit war sie keine beliebige Anwendung, sondern eine zentrale Datenquelle für Nutzer und Entwickler des Netzwerks. Schliesslich erfolgte die Abschalt-Ankündigung Anfang Juni, nach vier Jahren Betrieb.
Ausschlaggebend war ein Führungsvakuum. Innerhalb des Jahres 2026 verliessen fünf Senior-Führungskräfte die Plattform: beide Mitgründer, der COO, der CTO sowie ein Backend-Engineer, der den vakanten CTO-Posten übernommen hatte. „Das technische Wissen, das für den verantwortungsvollen Betrieb und die Wartung von TapTools erforderlich ist, kann nicht von heute auf morgen ersetzt werden", hiess es im Abschluss-Statement. Zudem verwies der Anbieter offen auf die Kostenlast, denn Infrastruktur-, Entwicklungs- und Support-Kosten seien real und der Betrieb einer Plattform dieser Grössenordnung teuer. Das Unternehmen bleibt allerdings offen für eine Übernahme oder externe Finanzierung.
Der Fall steht nicht allein. Zuletzt schloss ebenfalls der NFT-Marktplatz JPG.Store, eine etablierte Anwendung im Cardano-Umfeld. Damit erhält Hoskinsons Prognose weiterer Abgänge in der zweiten Jahreshälfte 2026 eine konkrete Grundlage.
Governance-Versagen: Summit-Budget scheitert knapp an Zweidrittel-Mehrheit
Bereits Tage zuvor hatte die Voltaire-Governance ein sichtbares Signal gesetzt. Die Cardano Foundation beantragte 7'800'000 ADA aus der Treasury für den Cardano Summit 2026 in Singapur. Die Abstimmung schloss Ende Mai mit 65.21 Prozent Zustimmung und verfehlte damit die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit von 66.67 Prozent um 1.46 Prozentpunkte. Hoskinson und Foundation-CEO Frederik Gregaard hatten sich kurz vor Abstimmungsschluss öffentlich für den Antrag ausgesprochen, blieben jedoch ohne Wirkung. Die Foundation sagte den Summit daraufhin ab.
Die Stimmverteilung fiel klarer aus, als der knappe Prozentwert vermuten lässt. Insgesamt votierten 135 DReps mit Ja, 61 mit Nein, und 24 enthielten sich, wobei die stake-gewichtete Auswertung den Ausschlag gab. Wirtschaftlich war die Skepsis der DReps zudem nachvollziehbar: Das Bruttobudget des Events lag bei 2.26 Mio. USD, während die Einnahmenprognose lediglich 450'000 USD betrug. Die Treasury hätte folglich den Grossteil der Kosten getragen. Der kombinierte Antrag mit EMURGO über 14'076'539 ADA wurde nach Kritik aufgeteilt und der Summit-Anteil um 22 Prozent gekürzt.
Als Kompromiss genehmigten die DReps hingegen einen kleineren EMURGO-Antrag über 3'300'000 ADA für einen Cardano-Pavillon bei der TOKEN2049 in Singapur. Dieses Muster ist allerdings nicht neu. Zuvor lehnte die Community bereits einen Forschungs-Finanzierungsantrag über 32'900'000 ADA ab. Die wiederholte Zurückhaltung bei grossen Treasury-Ausgaben illustriert somit die Spaltung zwischen Gründer-Wunsch und der stake-gewichteten DRep-Mehrheit.
Ökosystem-Kennzahlen zeigen den Umfang des Abschwungs
Das härteste Signal liefert das Total Value Locked (TVL). Auf Cardano hinterlegte DeFi-Mittel sanken von einem Höchststand über 700 Mio. USD im November und Dezember 2024 auf zuletzt rund 119 bis 129 Mio. USD, ein Rückgang von etwa 82 Prozent. Die On-Chain-Aktivität liegt ebenfalls sichtbar tief. Das tägliche DEX-Volumen beträgt rund 5.8 Mio. USD, die Zahl der täglich aktiven Adressen liegt über 20'500, und auf Stablecoins entfallen rund 54 Mio. USD.
Total Value Locked (TVL) auf Cardano / Quelle: DeFi Llama
ADA fällt zudem nicht im Vakuum. Anfang Juni rutschte Bitcoin erstmals seit Februar unter 63'000 USD, gleichzeitig notierte Ethereum unter 1'800 USD; ein breiter Selloff belastete den gesamten Markt. Dennoch bleibt die Underperformance sichtbar, denn der Jahresverlust von rund 70 Prozent übertrifft den allgemeinen Marktabschwung deutlich.
Technisch verfolgt das Netzwerk daneben einen Fahrplan. Das Skalierungsupgrade Ouroboros Leios soll laut Roadmap im Juni 2026 in ein öffentliches Testnetz gehen, mit einem angestrebten Mainnet-Ziel von über 1'000 Transaktionen pro Sekunde bis Ende 2026. Zwischen diesem technischen Ausblick und dem aktuellen Zustand des Ökosystems bleibt somit eine offene Spannung bestehen.








