Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Aleš Michl, Gouverneur der Tschechischen Nationalbank (CNB), trat vor einer Woche als Keynote-Speaker an der Bitcoin Conference in Las Vegas auf und forderte vor rund 40’000 Teilnehmern eine Bitcoin-Allokation von 1% der CNB-Devisenreserven. Diese belaufen sich aktuell auf rund 180 Mrd. USD, was etwa 44% des tschechischen BIP entspricht. Der Vorstoss kommt nicht überraschend: Bereits im Oktober 2025 lancierte die CNB ein Test-Portfolio über 1 Mio. USD bei einem Bitcoin-Preis von 110’670 USD. Im Februar 2026 lehnte der Vorstand allerdings eine formelle Integration ab. Michl umgeht den Widerstand, indem er das Test-Portfolio als „intangible asset“ ausserhalb der offiziellen Reserven führt und damit die EZB-Zuständigkeit umschifft. Seit seinem Amtsantritt 2022 hat er den Aktienanteil bereits von 15% auf 26% und Gold von praktisch null auf 6% erhöht. Bitcoin sieht er als natürlichen Diversifikator.
CNB-Gouverneur Michl plädiert in Las Vegas für 1% Bitcoin in Zentralbankreserven – trotz Ablehnung durch eigenen Bankrat im Februar.
Coinbase knickt beim CLARITY Act ein und entsperrt Senatsverfahren
Während Notenbanken über staatliche Bitcoin-Reserven debattieren, ringt der US-Kongress weiter um die Spielregeln für Stablecoins. Die US-Senatoren Thom Tillis und Angela Alsobrooks stellten am 1. Mai 2026 einen überparteilichen Kompromiss zum CLARITY Act vor, den Coinbase nun mitträgt. Section 404 verbietet künftig Rewards, die „ökonomisch oder funktional gleichwertig zu Zinszahlungen auf verzinsten Bankeinlagen“ sind. Aktivitätsbasierte Belohnungen bei echter Plattformnutzung bleiben erlaubt. Für Coinbase ist das einschneidend: Stablecoin-Aktivitäten brachten der Börse 2025 einen Umsatz von 1.35 Mrd. USD, rund 20% des Nettoeinkommens. Der Markt reagiert prompt, auf Polymarket stieg die Verabschiedungswahrscheinlichkeit innert 24 Stunden von 49% auf 64%. Senator Bernie Moreno erwartet die Abstimmung bis Ende Mai.
Coinbase trägt den Kompromiss zu Stablecoin-Rewards mit. Damit ebnet sich der Weg zum Senatsausschuss-Markup des CLARITY Act.
FINMA rückt Konsumentenschutz ins Zentrum
Auch in der Schweiz verschiebt sich der regulatorische Fokus. Die FINMA verlagert laut Jahresbericht 2025 ihre Krypto-Aufsicht von operativ-technischen Fragen hin zum strategischen Konsumentenschutz. Ein Originalzitat formuliert es deutlich: „Konsumenten sind erheblichen Risiken ausgesetzt, wenn sie Kryptowährungen kaufen, handeln und transferieren.“ Ein Systemrisiko sieht die Behörde jedoch nicht, Krypto fehlt unter den neun Hauptrisikofaktoren. Und im März 2025 erteilte die FINMA der BX Digital AG die erste DLT-Handelsbewilligung der Schweiz seit Einführung des DLT-Gesetzes. Parallel läuft die FINIG-Revision mit zwei neuen Lizenzkategorien für Zahlungs- und Kryptoinstitute. Branchenverbände wie SBF und CVA kritisieren in ihrer Vernehmlassungsantwort die Bewilligungsfristen von 18 bis 24 Monaten und fordern eine Reduktion auf maximal sechs Monate.
Die FINMA verschärft den Konsumentenschutz im Krypto-Bereich, vergibt erste DLT-Lizenz an BX Digital und plant neue Lizenzkategorien.
Kanton Luzern tritt der Swiss Blockchain Federation bei
Während die FINMA den Rahmen schärft, organisiert sich die Schweizer Blockchain-Wirtschaft weiter politisch. Der Kanton Luzern tritt als siebter Mitgliedskanton der Swiss Blockchain Federation (SBF) bei. Luzern beheimatet aktuell 73 aktive Blockchain-Unternehmen und zählt zu den zehn aktivsten Standorten der Schweiz, mit klarem Schwerpunkt auf Beratung. Volkswirtschaftsdirektor Fabian Peter führt die kantonale Beteiligung und will „digitale Lösungen mit Realwirtschaft verbinden“. SBF-Präsident Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor, hebt die geografische Nähe zu Zug hervor. Die Federation zählt mittlerweile rund 100 Mitglieder, ein Plus von 17 Beitritten allein im Jahr 2025. Im Januar 2026 eröffneten Kanton Zug und Universität Luzern gemeinsam das Zuger Institut für Blockchain Research mit 25 Mio. CHF für eine fünfjährige Aufbauphase.
Kanton Luzern tritt der Swiss Blockchain Federation bei und wird siebter Mitgliedskanton. 73 Blockchain-Firmen am Standort.
Sygnum und FalconX bringen tokenisierte Privatkredite zu Institutionellen
Ausserdem: Die Schweizer Sygnum Bank und der US-Krypto-Broker FalconX öffnen institutionellen und vermögenden Privatkunden den regulierten Zugang zu tokenisierten Privatkreditfonds. Beteiligt sind die Kreditplattform Pareto, der Kreditarm M11 Credit sowie der Compliance-Anbieter Keyring. Der Vertrieb läuft über Sygnums Tokenisierungsplattform Desygnate und den FalconX Credit Vault, der aktuell 128.94 Mio. USD verwaltet. Das entspricht 0.49% des 26.53 Mrd. USD grossen Marktes für tokenisierte Kredite. FalconX vergab 2024 institutionelle Kredite über 2.5 Mrd. USD. Der Vault läuft auf Ethereum mit Echtzeit-Sicherheitenüberwachung und akzeptiert auch tokenisierte Geldmarktfonds wie BlackRock BUIDL als Sicherheit.
FalconX und Sygnum öffnen Kunden den Zugang zu tokenisierten Kreditfonds über die Desygnate-Plattform und den FalconX Credit Vault.







