Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Der Softwarekonzern Strategy hält inzwischen rund 844’000 Bitcoin, etwa 4% des maximalen Angebots von 21 Millionen Einheiten. Die gesamten Anschaffungskosten liegen bei 63.69 Mrd. USD, im Schnitt 75’500 USD pro Bitcoin. In einem Interview bezifferte CEO Phong Le nun erstmals die Schmerzgrenze des Unternehmens. Ein ernsthaftes Schuldenrisiko sieht er erst, wenn Bitcoin auf 8’000 bis 10’000 USD fällt, ein Einbruch von rund 85%. Bis dahin fühle man sich mit der Bilanz sehr sicher. Der Vorstoss kommt nicht von ungefähr: Im Juni rüttelten die volatilen Schuldverschreibungen des Unternehmens die Märkte auf. Zur Beruhigung der Anleger stockte Strategy die Barreserven über Aktien- und Bitcoin-Verkäufe auf rund 3 Mrd. USD auf. Kurzfristig dürfte das die Liquiditätsrisiken schwächen.
Strategy-CEO Phong Le bekräftigt die Rolle als Bitcoin-Käufer und sieht Schuldenrisiken erst, falls Bitcoin unter 10’000 USD fällt.
Crypto.com öffnet sich für institutionelles Kapital
Die Handelsbörse Crypto.com öffnet sich erstmals in ihrer rund zehnjährigen Geschichte für institutionelles Kapital. Citadel Securities, der Market-Making-Gigant des Milliardärs Ken Griffin, investiert 400 Mio. USD und bewertet die Plattform mit 20 Mrd. USD. Bislang hatte sich Crypto.com selbst finanziert und institutionelle Geldgeber gemieden. Für Citadel Securities ist der Einstieg Teil einer Serie: Im November 2025 flossen 200 Mio. USD in die Konkurrenzbörse Kraken, ebenfalls bei einer Bewertung von 20 Mrd. USD, dazu kam eine 500-Mio-USD-Runde bei Ripple. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, denn Bitcoin liegt seit Jahresbeginn rund 27% im Minus. Der gesamte Krypto-Sektor ist von seinem Höchststand von 4.27 Bio. USD auf etwa 2.2 Bio. USD geschrumpft. Citadel-Präsident Jim Esposito begründet das Engagement mit der wachsenden Verschmelzung von klassischen Finanzmärkten und digitaler Infrastruktur.
Citadel Securities beteiligt sich mit 400 Mio. USD an Crypto.com bei 20 Mrd. USD Bewertung, der ersten institutionellen Runde der Börse.
Robinhoods Blockchain stürmt die Rangliste der aktivsten Netzwerke
Die Verschmelzung von traditioneller Finanzwelt und Blockchain zeigt sich nicht nur bei Börsen, sondern auch bei den Produkten selbst. Robinhoods eigenes Netzwerk, die Robinhood Chain, hat in seinen ersten sieben Tagen ein kumuliertes DEX-Handelsvolumen von 3.1 Mrd. USD erzeugt. Laut einer Analyse des Investmenthauses Bernstein zählt es damit bereits zu den fünf aktivsten Blockchains. Die auf Arbitrum aufgebaute Layer-2-Lösung verzeichnete 17 Millionen Transaktionen und knapp 350’000 aktive Adressen. Das hinterlegte Kapital überstieg binnen 15 Tagen 100 Mio. USD. Kern des Angebots sind tokenisierte Aktien, die Robinhood in über 120 Ländern anbietet, nicht aber in den USA. Anleger erwerben dabei kein echtes Eigentum, sondern Schuldverschreibungen einer Jersey-Tochter, ganz ohne Stimmrechte. Ein Grossteil des Volumens steht jedoch mit Memecoin-Aktivität in Verbindung.
Robinhood Chain sammelte in Woche eins rund 3.1 Mrd. USD DEX-Volumen und zählt laut Bernstein zu den fünf grössten Chains.
Trumps Krypto-Millionen blockieren das erste US-Bundesgesetz
Wie eng Kryptoregulierung und Politik verflochten sind, zeigt sich derzeit in Washington. US-Präsident Donald Trump traf diese Woche im Weissen Haus die republikanischen Senatoren Bernie Moreno und Cynthia Lummis, um über die umstrittene Ethikklausel des Clarity Act zu verhandeln. Das Gesetz wäre das erste umfassende US-Bundesgesetz zu digitalen Vermögenswerten und würde die Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC klären. Strittig ist die Frage, ob Amtsträger von eigenen Krypto-Beständen profitieren dürfen. Das Thema betrifft Trump unmittelbar: Eine Offenlegung wies im Juni rund 515 Mio. USD aus dem Verkauf von World-Liberty-Financial-Token aus. Ein Ergänzungsantrag, der Präsident, Vize und Kongress solche Beteiligungen untersagt hätte, war zuvor knapp gescheitert. Mehrheitsführer John Thune hat eine Abstimmung vor der August-Pause zugesagt. Gelingt sie nicht, gilt ein neuer Anlauf vor den Zwischenwahlen im November als unwahrscheinlich.
Trump verhandelt am Donnerstag mit Senatoren im Weissen Haus über die Ethikklausel des Clarity Act, letzte Hürde vor der Senatsabstimmung.
Justizministerium beerdigt ein 722-Millionen-Betrugsverfahren
Ausserdem: Das US-Justizministerium hat die Anklage gegen Matthew Goettsche fallengelassen, den Gründer des Krypto-Betrugssystems BitClub Network. Das als Mining-Anlage getarnte Schneeballsystem hatte zwischen 2014 und 2019 Anlegerverluste von rund 722 Mio. USD verursacht. Die Einstellung erfolgte wenige Wochen vor dem für Oktober angesetzten Prozess und schliesst eine erneute Verfolgung aus. Auffällig ist das Timing: Zwei Trump-nahe Anwälte hatten sich zuvor für Goettsche eingesetzt. Das Ministerium begründet den Schritt mit dem Alter des sieben Jahre alten Verfahrens und verneint jeden politischen Druck. Der Fall reiht sich dennoch in ein Muster ein. Seit Anfang 2025 löste das Justizministerium seine Krypto-Sondereinheit auf, die SEC zog ihre Verfahren gegen Coinbase, Kraken und Consensys zurück, und Trump begnadigte prominente Verurteilte wie Ross Ulbricht und Binance-Gründer Changpeng Zhao.
US-Justizministerium lässt Anklage gegen BitClub-Drahtzieher Goettsche fallen, kurz vor dem Prozess um 722 Mio. USD Betrug.







