Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Das Weisse Haus lädt für den 2. Februar zu einem Vermittlungstreffen, um die festgefahrenen Verhandlungen zum CLARITY Act zu retten. Der zentrale Konflikt: Dürfen Stablecoin-Emittenten Zinsen auf ruhende Kundengelder zahlen? Die Spannungen eskalierten Mitte Januar, als der 278-seitige Senatsentwurf genau dies verbot – woraufhin Coinbase-CEO Brian Armstrong seine Unterstützung zurückzog und warnte, ein schlechtes Gesetz sei schlimmer als keines. Der Hintergrund ist wirtschaftlich brisant: Coinbase erzielte allein im dritten Quartal 2025 355 Millionen Dollar Umsatz mit Stablecoins, während 53 Bankenverbände unter Führung der American Bankers Association massiv gegen zinsbasierte Stablecoins lobbyieren. Sie fürchten um 6.6 Billionen Dollar Bankeinlagen. Doch ihr eigentliches Anliegen ist der Schutz ihrer Margen. Die nationale durchschnittliche Sparquote in den USA liegt derzeit bei 0.61%, während Banken dieselben Einlagen in Staatsanleihen mit einer Rendite von rund 3.6% investieren. Diese Differenz ist enorm profitabel, und Stablecoins mit wettbewerbsfähigen Renditen würden offenlegen, wie wenig die Banken an ihre Einleger weitergeben. Die Chancen für eine baldige Einigung sind gesunken: Prognose-Märkte wie Polymarket sehen die Wahrscheinlichkeit nur noch bei 50 Prozent. Das neue Ziel: Verabschiedung vor den Midterm-Wahlen im November.
Das White House vermittelt in den festgefahrenen CLARITY Act Verhandlungen zwischen der Krypto-Industrie und Banken.
Standard Chartered prognostiziert massive Bankenabflüsse
Die britische Grossbank Standard Chartered warnt vor einem massiven Exodus von Bankeinlagen in Stablecoins: Bis Ende 2028 könnten 500 Milliarden Dollar aus Banken entwickelter Märkte abfliessen, weitere eine Billion aus Schwellenländern. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass der Stablecoin-Markt bis dahin auf zwei Billionen Dollar wächst – etwa ein Drittel davon direkt aus Bankeinlagen gespeist. Der Anreiz ist offensichtlich: Während US-Sparer bei traditionellen Banken oft nur 0.1 Prozent Zinsen erhalten, bieten Stablecoins bis zu 4 Prozent. Besonders gefährdet sieht Geoff Kendrick, Global Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered, US-Regionalbanken wie Huntington Bancshares, M&T Bank und Truist Financial. Die Sorge ist nicht neu. Bank-of-America-Chef Brian Moynihan warnte bereits vor einem möglichen Abfluss von 6 Billionen Dollar – das entspräche 30 bis 35 Prozent aller US-Bankeinlagen. Auffällig ist die zeitliche Parallele zur Disruption durch Geldmarktfonds in den 1970er- und 1980er-Jahren.
Standard Chartered prognostiziert einen massiven Kapitalabfluss aus dem traditionellen Bankensektor durch den Aufstieg der Stablecoins.
Fidelity Investments lanciert Stablecoin
Der drittgrösste Vermögensverwalter der Welt, Fidelity Investments mit 6.4 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen, steigt ins Stablecoin-Geschäft ein. Anfang Februar startet der Fidelity Digital Dollar (FIDD) auf Ethereum, gedeckt im Verhältnis 1:1 durch US-Dollar, Bargeldäquivalente und kurzfristige US-Staatsanleihen. Die Reserven werden täglich transparent offengelegt, monatlich folgen geprüfte Berichte. Der Zeitpunkt kommt nicht zufällig: Fidelity Digital Assets erhielt am 12. Dezember 2025 die bedingte Zulassung der US-Bankenaufsicht OCC als National Trust Bank – am selben Tag wie Circle, Ripple, BitGo und Paxos. Der regulatorische Rahmen steht seit Juli 2025 mit dem GENIUS Act, dem ersten umfassenden Bundesgesetz für Stablecoins. Fidelity verdient am FIDD durch Zinserträge aus den hinterlegten Staatsanleihen, darf diese jedoch gemäss GENIUS Act nicht an Nutzer weitergeben. Der Stablecoin-Markt ist längst ein Milliardengeschäft: Tether dominiert mit 187 Milliarden Dollar, USDC hält 72 Milliarden, während PayPals PYUSD in unter 90 Tagen um 216 Prozent auf 3.8 Milliarden wuchs. Nun steigt zum ersten Mal ein Wall Street Titan ein.
Fidelity lanciert mit dem Stablecoin FIDD einen digitalen Dollar auf Ethereum. Der drittgrösste Asset Manager setzt auf Blockchain.
Altcoins überholen Bitcoin an der SIX
An der Schweizer Börse SIX hat sich 2025 eine bemerkenswerte Verschiebung vollzogen: Erstmals machten Altcoins rund zwei Drittel des Handelsvolumens bei Krypto-Produkten aus – Bitcoin fiel von 51 Prozent Marktanteil 2024 auf nur noch 32 Prozent zurück. Das Gesamtvolumen blieb mit etwa 6 Milliarden Franken stabil, doch die Verteilung spricht eine klare Sprache. Solana eroberte 25 Prozent, XRP 15 Prozent, Ethereum 13 Prozent. Der Gewinner war das 21Shares Solana Staking ETP (ASOL) mit 870 Millionen Franken Handelsvolumen und 28’669 Transaktionen. Trotz des Bitcoin-Rückgangs bleibt das Interesse an Krypto-Investments ungebrochen: Die SIX bot Ende 2025 über 450 Produkte von mehr als 20 Emittenten an, darunter seit August auch BlackRocks iShares Bitcoin ETP. Auffällig ist die geografische Verteilung der Investoren: 37 Prozent stammen aus der Schweiz, 34 Prozent aus den Niederlanden, 15 Prozent aus Grossbritannien. Die Währungspräferenz zeigt die internationale Ausrichtung. 78 Prozent der Produkte werden in US-Dollar gehandelt.
Krypto-Produkte an der SIX: Altcoins überholen Bitcoin (BTC) beim Handelsvolumen. Solana (SOL) und XRP verdrängen Ethereum (ETH).
Gemini schliesst NFT-Marktplatz Nifty Gateway nach sieben Jahren
Die Krypto-Börse Gemini zieht nach sieben Jahren einen Schlussstrich unter ihren NFT-Marktplatz Nifty Gateway. Am 23. Februar endet die Plattform endgültig, seit dem 23. Januar läuft bereits der reine Auszahlungsmodus. Rund 650’000 NFTs müssen bis zur Deadline abgezogen werden – wer die Frist verpasst, riskiert Verluste von bis zu 7.8 Millionen Dollar. Der Niedergang spiegelt den Kollaps des gesamten NFT-Marktes: Von 17 Milliarden Dollar Anfang 2022 schrumpfte die Marktkapitalisierung um 84 Prozent auf 2.8 Milliarden im Januar 2026, das monatliche Handelsvolumen fiel von 6 Milliarden auf 300 Millionen. Die Plattform reiht sich ein in eine lange Liste geschlossener NFT-Marktplätze 2025: Kraken NFT, X2Y2, Bybit NFT, sogar Nike stellte RTFKT ein.
Gemini schliesst den NFT-Marktplatz Nifty Gateway am 23. Februar 2026. Nutzer haben einen Monat Zeit, rund 650’000 NFTs abzuziehen.








