Die grösste Vermögensverwalterin der Welt vollzieht eine bemerkenswerte Kehrtwende. UBS prüft laut Bloomberg die Einführung von Krypto-Handel für ausgewählte Private-Banking-Kunden in der Schweiz. Zunächst sollen vermögende Kunden Bitcoin und Ethereum kaufen und verkaufen können.
Die Schweizer Grossbank mit rund 6.9 Billionen Dollar an verwalteten Vermögenswerten evaluiert seit mehreren Monaten potenzielle Partner für das Angebot. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Der Schritt kommt Jahre, nachdem die Bank digitale Vermögenswerte als "spekulative Blase" abtat und Kunden vor einem Totalverlust warnte.
Vom Kritiker zum Anbieter
Die geplante Kehrtwende wiegt schwer. Denn kaum eine Grossbank positionierte sich so deutlich gegen Kryptowährungen wie die UBS. Verwaltungsratspräsident Axel Weber warnte 2017 eindringlich vor Bitcoin. Ohne Zentralbank, die das Angebot kontrolliere, sei die Kryptowährung fundamental fehlerhaft. Die extreme Preisvolatilität mache Bitcoin als Zahlungsmittel unbrauchbar.
Im Januar 2021 verschickte UBS deshalb Warnschreiben an Kunden. Darin bezeichnete die Bank Bitcoin als "spekulative Blase" und warnte vor einem möglichen Totalverlust. Ausserdem böten Kryptowährungen keinen Portfolionutzen und stellten systemische Risiken dar. Überlegene Kryptowährungen könnten Bitcoin jederzeit ersetzen, hiess es weiter.
Noch 2024 betonte UBS daher, man interessiere sich für Blockchain-Technologie, nicht jedoch für Kryptowährungen. Dementsprechend zog die Bank eine klare Trennlinie zwischen der zugrundeliegenden Technologie und digitalen Vermögenswerten als Anlageklasse.
Kundendruck zwingt zum Handeln
Was hat sich geändert? Die Antwort ist simpel: Kundennachfrage. UBS verwaltet allein im Global Wealth Management rund 4.7 Billionen Dollar. Viele dieser vermögenden Kunden fordern Zugang zu digitalen Vermögenswerten. Und sie sind bereit, zur Konkurrenz zu wechseln, sollte UBS diesen nicht bieten. Während UBS warnte, stiegen BlackRock, Fidelity und VanEck gross ins Krypto-Geschäft ein. BlackRocks Bitcoin-ETF erreichte innerhalb eines Jahres über 50 Milliarden Dollar an verwalteten Vermögen.
Der Wettbewerbsdruck aus den USA ist derweil immens. Morgan Stanley öffnete im Oktober 2025 den Krypto-Zugang für sämtliche Wealth-Management-Kunden. Im ersten Halbjahr 2026 will die Bank zudem über ihre E-Trade-Plattform direkten Krypto-Handel anbieten. Das könnte bis zu 1.3 Billionen Dollar an Handelsvolumen freisetzen. Auch JPMorgan Chase baut sein Krypto-Angebot aus. Bank of America und Wells Fargo bieten vermögenden Kunden darüber hinaus bereits Zugang zu Bitcoin-ETFs. Die freundlichere Regulierung unter der Trump-Administration beschleunigt diese Entwicklung zusätzlich.
Folglich kann es sich UBS schlicht nicht leisten, abseits zu stehen. Vermögende Kunden erwarten heute Zugang zu allen relevanten Anlageklassen. Wer diesen nicht bietet, riskiert entsprechend Abflüsse.
Spätzünder im Schweizer Markt
Auch im Schweizer Heimatmarkt hinkt UBS der Konkurrenz hinterher. Die Zürcher Kantonalbank etwa lancierte bereits im September 2024 den Handel mit Bitcoin und Ethereum für Privatkunden. PostFinance wiederum ermöglicht seit 2024 über die Partnerschaft mit der Krypto-Bank Sygnum den Handel mit elf Kryptowährungen für ihre 2.5 Millionen Kunden.
Dennoch sammelte UBS erste Erfahrungen. Im September 2025 testeten UBS, PostFinance und Sygnum gemeinsam Zahlungen auf der Ethereum-Blockchain. Der Pilotversuch mit sogenannten Deposit Tokens gilt als Meilenstein für den Schweizer Finanzplatz. Dabei wickelten Banken erstmals eine rechtlich bindende Zahlung über eine öffentliche Blockchain ab.
Darüber hinaus sammelte UBS praktische Erfahrung mit tokenisierten Produkten. Bereits im November 2023 bot die Bank wohlhabenden Kunden in Hongkong den Handel mit krypto-gebundenen ETFs an. Im vergangenen Jahr führte UBS Asset Management schliesslich einen tokenisierten Geldmarktfonds auf Ethereum ein.
Ermotti vollzieht Paradigmenwechsel
CEO Sergio Ermotti hat seine Rhetorik inzwischen angepasst. Am diesjährigen World Economic Forum in Davos bezeichnete er Blockchain als "Zukunft des traditionellen Bankwesens". Zudem prognostizierte er eine Konvergenz von traditionellem Finanzwesen und dezentralen Technologien.
Das ist insofern bemerkenswert, als UBS noch vor wenigen Jahren stets die Unterscheidung zwischen Blockchain-Technologie und Kryptowährungen betonte. Man befürworte erstere, lehne letztere jedoch ab. Diese Trennlinie lässt sich heute allerdings nicht mehr aufrechterhalten.
Gleichzeitig äusserte Ermotti in Davos jedoch Bedenken bezüglich Quantencomputing und dessen potenzielle Auswirkungen auf die Sicherheit von Kryptowährungen. Diese Aussage zeigt: UBS hat die kritische Grundhaltung trotzdem nicht vollständig abgelegt.
Partnermodell statt Eigenentwicklung
UBS plant keinen Aufbau eigener Krypto-Infrastruktur. Stattdessen setzt die Bank auf externe Partner. Dadurch reduzieren sich Entwicklungskosten und Komplexität. Welche Anbieter zum Zug kommen, ist indes noch offen. Sygnum wäre nach der erfolgreichen Zusammenarbeit beim Deposit-Token-Pilot jedenfalls ein naheliegender Kandidat.
Der Start soll zunächst in der Schweiz erfolgen. Anschliessend nennt Bloomberg den asiatisch-pazifischen Raum und die USA als mögliche Expansionsmärkte. Durch den Start im Heimatmarkt will die Bank zunächst operative Prozesse testen und eine enge regulatorische Überwachung gewährleisten.
Signal an die Branche
Der Einstieg der weltweit grössten Vermögensverwalterin würde demnach ein starkes Signal senden. Wenn selbst UBS, jahrelang eine der lautesten Kritikerinnen, Krypto-Handel anbietet, dürfte das die institutionelle Adoption weiter beschleunigen.
Die Ironie dabei ist offensichtlich. Die Bank, die Kunden noch 2021 vor einem Bitcoin-Totalverlust warnte, will nun selbst vom Krypto-Boom profitieren. Bitcoin hat seit diesen Warnungen hunderte Prozent zugelegt. Kunden, die den UBS-Ratschlägen folgten, haben diese Renditen somit verpasst.
Die Frage bleibt dennoch: Kommt UBS rechtzeitig oder zu spät? Die Krypto-Bank Sygnum prognostiziert, dass 2026 zum Jahr der institutionellen Krypto-Adoption wird. UBS positioniert sich entsprechend, um Teil dieser Entwicklung zu sein. Ob die Bank den verlorenen Boden gutmachen kann, wird sich letztlich zeigen.








