Tether International hat den gesamten Anteil von SoftBank an Twenty One Capital (NYSE: XXI) übernommen. Damit sichert sich Tether die alleinige Kontrolle über das börsennotierte Bitcoin-Treasury-Unternehmen. Die japanische Beteiligungsgesellschaft verlässt das Board of Directors gemäss geltendem Aktionärsvertrag.
Zum Kaufpreis schweigen beide Seiten. Die XXI-Aktie reagierte positiv. Im vorbörslichen Handel stieg der Kurs um 5.6% auf 8.05 USD, was Twenty One Capital mit rund 2.64 Mrd. USD bewertet bei einem Free Float von 127.95 Mio. Aktien. Das Unternehmen hält aktuell 43'514 BTC im Gegenwert von rund 3.35 Mrd. USD und rangiert damit hinter Strategy auf Platz zwei der börsennotierten Bitcoin-Halter.
Tether wird zum alleinigen Entscheider bei Twenty One Capital
Mit dem Rückzug von SoftBank entfällt der letzte Minderheitsaktionär aus der Gründungsphase mit eigener Board-Repräsentation. Tether ist nun unbestritten der alleinige strategische Entscheidungsträger. Bei der Gründung im April 2025 hatte SoftBank eine signifikante Minderheitsbeteiligung von rund 25% eingebracht, was etwa 10'500 BTC entsprach. Tether und Bitfinex steuerten gemeinsam rund 31'500 BTC zur Gründungsbilanz bei.
Eine offizielle Begründung für den Exit blieb aus. Tether-CEO Paolo Ardoino würdigte den Beitrag der Japaner zur Aufbauphase und hob die institutionelle Tiefe hervor, die SoftBank dem Bitcoin-nativen Unternehmen in der Frühphase verliehen habe. Ein Vertrauensverlust in die Bitcoin-Strategie ist als Motiv weniger plausibel als eine konzerninterne Neuausrichtung bei SoftBank.
Konsolidierung vor geplanter Dreierfusion
Der Zeitpunkt der Übernahme fügt sich in ein grösseres Konsolidierungsmuster. Bereits am 29. April 2026 hatte Tether Investments einen Fusionsvorschlag bekanntgegeben, der Twenty One Capital mit zwei weiteren Beteiligungen zusammenführen soll. Konkret geplant ist eine Verschmelzung mit Strike, der Bitcoin-Zahlungsplattform von XXI-CEO Jack Mallers. Auch der Bitcoin-Miner Elektron Energy soll in die neue Struktur einfliessen. Ohne SoftBank im Board lassen sich solche Strukturveränderungen schneller durchsetzen.
Seit dem NYSE-Debüt am 9. Dezember 2025 hat die XXI-Aktie rund 84% ihres Wertes verloren. Der Verlust je Aktie über die letzten zwölf Monate liegt bei 4.42 USD. Dass Anleger die vollständige Tether-Kontrolle dennoch als positives Signal werten, deutet auf eine Müdigkeit gegenüber der bisherigen Mehrparteien-Governance hin.

Vom SPAC-Listing zur Bitcoin-Treasury-Strategie
Twenty One Capital wurde am 23. April 2025 von Tether, Bitfinex, SoftBank und Cantor Fitzgerald angekündigt. Die Gesellschaft positionierte sich als erstes ausdrücklich Bitcoin-natives börsennotiertes Unternehmen. Im Gegensatz zu klassischen Treasury-Strategien soll XXI Bitcoin nicht nur halten, sondern aktiv über Mining, Lending, Capital Markets und Finanzdienstleistungen damit wirtschaften. CEO Jack Mallers bringt aus seiner Tätigkeit bei Strike entsprechende Erfahrung mit Bitcoin-Zahlungsinfrastruktur mit.
Die Business Combination mit dem SPAC Cantor Equity Partners schloss am 8. Dezember 2025. Einen Tag später startete der Handel an der NYSE. Bei der ursprünglichen Ankündigung im April 2025 lag der Pro-forma Enterprise Value bei 3.6 Mrd. USD, basierend auf einem 10-Tages-Durchschnitt des Bitcoin-Kurses von 84'863.57 USD. Zur Finanzierung platzierte das Unternehmen 486.5 Mio. USD Senior Convertible Notes und rund 365 Mio. USD Common Equity PIPEs.
Twenty One Capital bleibt deutlich kleiner als der Marktführer. Strategy unter Michael Saylor hält Stand Mai 2026 über 818'000 BTC im Wert von rund 66 bis 67 Mrd. USD und dominiert das Segment mit über 60% aller Bitcoin in börsennotierten Gesellschaften. Mit der vollständigen Tether-Kontrolle und der angekündigten Dreierfusion positioniert sich XXI als operativ orientierter Gegenentwurf zur reinen Treasury-Strategie.








