Die Prediction-Market-Plattform Polymarket führt derzeit Gespräche mit Investoren über eine neue Finanzierungsrunde von 400 Millionen Dollar. Dabei strebt das Unternehmen eine Bewertung von rund 15 Milliarden Dollar an.
Das berichtet The Information unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen. Noch im Oktober 2025 lag die Polymarket Bewertung bei 9 Milliarden Dollar. Sechs Monate später: ein Anstieg von 67 Prozent. Hinter dem Sprung steht vor allem ein Name - Intercontinental Exchange (ICE), Muttergesellschaft der New York Stock Exchange. Seitdem hat ICE insgesamt rund 1.6 Milliarden Dollar in Polymarket investiert. Laut Berichten könnte die neue Runde sogar 1 Milliarde Dollar erreichen, falls weitere Geldgeber neben ICE einsteigen.
ICE setzt auf Prediction-Daten als institutionelle Infrastruktur
ICE stieg zunächst im Oktober 2025 mit einer Investition von 1 Milliarde Dollar ein. Danach folgte am 27. März 2026 eine zweite Zahlung von 600 Millionen Dollar. Hinzu kommt der geplante Kauf von bis zu 40 Millionen Dollar in Polymarket-Anteilen von bestehenden Eignern. Insgesamt beläuft sich das Investment auf mindestens 1.64 Milliarden Dollar. ICE-CEO Jeffrey Sprecher stellt das deshalb bewusst nicht als Venture-Wette dar, sondern als Datenstrategie.
"Wir sind kein Venture-Fonds. Wir werden belohnt, wenn wir die zugrundeliegenden Technologien in unsere Arbeitsabläufe integrieren und unsere Umsatzerlöse steigern können." - Jeffrey Sprecher, CEO Intercontinental Exchange
Im Februar 2026 lancierte ICE deshalb das Tool "Polymarket Signals and Sentiment". Damit speist ein Echtzeit-Feed Daten aus Polymarket-Märkten direkt in Terminals ein - neben Bond-Renditen und S&P-500-Futures. Folglich werden Prediction-Market-Daten so zur eigenen Klasse für Händler. Für ICE ist das also keine Wette auf den Prediction-Market-Sektor. Vielmehr ist es eine Erweiterung des eigenen Datengeschäfts.
Polymarket-Bewertung im Vergleich: Kalshi liegt bei 22 Milliarden
Polymarket ist allerdings nicht die einzige Plattform mit hoher Bewertung. Denn Konkurrent Kalshi schloss im März 2026 ebenfalls eine Runde über 1 Milliarde Dollar ab, angeführt von Coatue Management. Die Bewertung: 22 Milliarden Dollar. Somit haben beide Plattformen ihre Bewertungen innerhalb weniger Monate verdoppelt.
Dabei fällt der Unterschied im Geschäftsmodell auf. Kalshi operiert nämlich als CFTC-regulierter US-Exchange und erzielte 2025 einen Umsatz von 263.5 Millionen Dollar aus Gebühren. Polymarket hingegen führte erst im Februar 2026 überhaupt Handelsgebühren ein - das Umsatzmodell ist wenige Monate alt. Seit der Einführung liegen die täglichen Einnahmen laut Berichten bei rund 1 Million Dollar.
Dennoch relativiert die Take Rate das Bild. Denn bei einem täglichen Volumen von 478 Millionen Dollar im März 2026 und Einnahmen von 1 Million Dollar beträgt sie nur rund 0.2 Prozent. Daher setzt die 15-Milliarden-Bewertung voraus, dass Polymarket entweder das Volumen massiv steigert oder die Gebühren erhöht. Zwar liegen beide Plattformen beim Volumen nahezu gleichauf - Kalshis Wochenvolumen betrug im Februar 2026 rund 2.59 Milliarden Dollar, Polymarkets im März 1.9 Milliarden. Jedoch klafft beim Umsatz eine Lücke.
Prediction Markets wachsen um den Faktor 16 in einem Jahr
Der gesamte Sektor erlebt derweil einen starken Boom. Laut TRM Labs stiegen die monatlichen Volumen aller Prediction Markets von 1.2 Milliarden Dollar Anfang 2025 auf über 20 Milliarden Dollar im Januar 2026 - also ein Wachstum um den Faktor 16. Zusammen kontrollieren Polymarket und Kalshi rund 79 Prozent dieses Marktes.
Zudem expandiert Polymarket über Politik hinaus. Beispielsweise ernannte die Major League Baseball (MLB) im März 2026 die Plattform zum "Official Prediction Market Exchange Partner". Die Partnerschaft umfasst dabei Zugang zu Ligadaten über Sportradar sowie einen Schutzrahmen mit der CFTC. Ausserdem kaufte Polymarket das DeFi-Startup Brahma, um die eigene Technik zu vereinfachen. Gleichzeitig entsteht mit Palantir und TWG AI ein System gegen Marktbetrug.
Trotzdem formiert sich die Konkurrenz schnell. Denn Coinbase und Robinhood haben eigene Prediction-Market-Produkte lanciert. Ebenso prüfen Nasdaq und Cboe "Binary Bets"-Angebote. Der Wettbewerb wird also intensiver, gerade weil der Sektor Gewinn abzuwerfen scheint.
Regulatorische Risiken und offene Fragen
Polymarket operiert als Krypto-Plattform auf dem Polygon-Netzwerk mit USDC-Zahlungen. Shayne Coplan gründete das Unternehmen 2020 in New York. Infolge eines CFTC-Vergleichs 2022 musste Polymarket US-Nutzer zeitweise ausschliessen. Erst 2025 kehrte die Plattform dann in den US-Markt zurück. Zur Absicherung hat das Unternehmen deshalb eine lizenzierte Exchange und ein Clearinghouse gekauft - Details sind allerdings nicht bekannt.
Das Risiko durch Regulierung betrifft indes den gesamten Sektor. So hat Arizona Anklage gegen Kalshi wegen Glücksspiels erhoben. Insgesamt steht der Konkurrent mehr als 20 Klagen gegenüber. Für Polymarket, das weniger streng reguliert ist, könnten daher ähnliche Verfahren folgen.
Für die Bewertung der 15-Milliarden-Marke fehlen dennoch wichtige Zahlen. Denn Polymarket legt keine geprüften Finanzdaten offen. Weder ein Umsatz-Vielfaches noch ein Vergleichswert lässt sich daher berechnen. Klar ist jedoch: ICE sieht das Investment als Teil der eigenen Daten-Struktur, nicht als Venture Capital. Die 400-Millionen-Dollar-Runde ist Stand April 2026 noch nicht fertig. Auch die Investoren neben ICE sind bislang nicht bekannt.








