Die Harvard Management Company hat ihre gesamte Position in BlackRocks Ethereum-ETF (iShares Ethereum Trust, ETHA) im Wert von 86.8 Mio. USD verkauft. Gleichzeitig kürzte der Stiftungsverwalter den Bitcoin-ETF-Bestand um 43 Prozent auf rund 117 Mio. USD.
Die Harvard Management Company (HMC) ist die professionelle Investmentgesellschaft, die den Stiftungsfonds der Harvard University verwaltet. Mit 56.9 Mrd. USD per Juni 2025 ist dieser der grösste akademische Stiftungsfonds der Welt. HMC begann zunächst im Q2 2025 mit dem Kauf von Bitcoin-ETF-Anteilen (IBIT). Ethereum-Exposure folgte im Q4 2025 als Harvards erste Ethereum-Investition überhaupt. Laut Bloomberg-Analyst James Seyffart war die Stiftung damit zudem der grösste institutionelle ETHA-Neukäufer des Quartals. Die Filingdaten zeigen jedoch ein anderes Bild für das folgende Quartal. Alle 3.87 Mio. ETHA-Anteile wurden im Q1 2026 verkauft, während der IBIT-Bestand von 5.35 Mio. auf 3'044'612 Anteile fiel. Der verbleibende Krypto-ETF-Bestand entspricht somit unter 0.3 Prozent des Gesamtportfolios.
Harvard liquidiert Ethereum-ETF in einem Quartal vollständig
Im Q4 2025 stieg HMC erstmals in Ethereum ein. Die Stiftung kaufte 3.87 Mio. Anteile des BlackRock iShares Ethereum Trust für 86.8 Mio. USD. Zuvor hatte Harvard kein direktes Ethereum-Exposure über einen US-Spot-ETF gehalten. BlackRock legte ETHA im Juli 2024 auf, und der Fonds zählt seitdem ebenfalls zu den volumenstärksten Ethereum-Spot-Vehikeln am US-Markt.
Bereits ein Quartal später drehte HMC die Position vollständig. Das am 14. Mai 2026 veröffentlichte 13F-Filing (SEC-Referenz 0001193125-26-226658) weist null ETHA-Anteile per 31. März 2026 aus. Solche 13F-Filings müssen institutionelle Investoren mit über 100 Mio. USD in US-börsennotierten Wertpapieren jeweils 45 Tage nach Quartalsende einreichen. Sie zeigen ausschliesslich Long-Positionen in US-Aktien und ETFs, also weder Derivate noch ausländische Wertpapiere oder direktes Krypto-Exposure. Daher bildet das Dokument nur die ETF-Wrapper-Sicht ab, nicht aber etwaige andere Krypto-Engagements der Stiftung.
Der zeitliche Kontext ist ungünstig. Ethereum erreichte sein Allzeithoch von rund 4'953 USD im August 2025, also vor Harvards Einstieg. Bis Ende Dezember 2025 fiel der Kurs auf etwa 3'300 USD zurück. Seither hat Ethereum 2026 weitere 29 Prozent verloren. Der genaue Einstandskurs der Stiftung ist nicht öffentlich. Der Exit fiel jedoch in eine Phase deutlicher Schwäche des Basiswerts.
Bitcoin-Allokation trotz Kürzung weiterhin im Portfolio
Im Q3 2025 erreichte Harvards Bitcoin-Exposure seinen Höchststand mit 6.81 Mio. IBIT-Anteilen im Wert von rund 442 Mio. USD. Damit war der BlackRock iShares Bitcoin Trust zeitweise die wertvollste öffentlich gehaltene Aktienposition der Stiftung überhaupt. Zunächst kürzte HMC diesen Bestand im Q4 2025 um 21.5 Prozent auf 5.35 Mio. Anteile. Schliesslich folgte im Q1 2026 eine weitere Reduktion um 43 Prozent auf 3'044'612 Anteile, mit einem Restwert von rund 117 Mio. USD per 31. März 2026.
Die Position bleibt damit zwar bestehen, jedoch im Verhältnis zum Gesamtvermögen klein. Der kombinierte Krypto-ETF-Bestand lag Ende 2025 noch bei 352.6 Mio. USD. Bis Ende März 2026 schrumpfte er auf unter 0.3 Prozent des 56.9 Mrd. USD schweren Portfolios. Harvards US-Aktienportfolio umfasst ohnehin nur 16 öffentliche Beteiligungen. Rund 72 Prozent des Stiftungsfonds fliessen ferner in Private Equity und Hedge Funds. IBIT zählt deshalb weiterhin zu den wenigen sichtbaren Wetten der Stiftung im börsennotierten Bereich.
Auffällig ist die Selektivität der Bewegung. Ethereum gab HMC komplett ab, Bitcoin hingegen verkleinerte die Stiftung lediglich. Daraus ergibt sich keine generelle Krypto-Abkehr, sondern ein gezielter Rückzug aus dem ETH-Engagement bei gleichzeitiger Bestätigung von Bitcoin als Portfolio-Baustein.
Mubadala stockt auf: institutionelles Bild gespalten
Während Harvard abbaut, zeigen andere Grossinvestoren die gegenteilige Bewegung. Mubadala Investment Company aus Abu Dhabi hielt per 31. März 2026 insgesamt 14.7 Mio. IBIT-Anteile im Wert von rund 565.6 Mio. USD. Der Staatsfonds hat damit das siebte Quartal in Folge aufgestockt, mit einem Zuwachs von 16 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der kombinierte Bitcoin-Bestand des Fonds überschritt Ende 2025 bereits die Marke von 1 Mrd. USD. Das illustriert den unterschiedlichen Anlagehorizont eines souveränen Vermögensverwalters gegenüber einem Hochschul-Stiftungsfonds.

Andere US-Universitätsstiftungen halten ihre Positionen vergleichsweise stabil. Dartmouth meldete 201'531 IBIT-Anteile sowie 304'803 Anteile am Bitwise Solana-ETF. Brown University hielt unverändert 212'500 Anteile eines Blockchain-ETFs, Emory University ebenfalls stabil 1'354'148 Anteile am Grayscale Bitcoin Mini Trust. Insgesamt ergibt sich daraus kein Exodus akademischer Investoren aus Krypto-Vehikeln, sondern ein Bild stabiler Mini-Allokationen mit Harvard als prominentem Ausreisser.
Der ETHA-Fonds selbst spiegelt die schwächere institutionelle Nachfrage. Das Nettovermögen fiel von einem Höchststand von rund 10.3 Mrd. USD Ende 2025 auf 6.38 Mrd. USD per 31. März 2026. Das entspricht einem Minus von rund 38 Prozent. Harvard war zuvor noch der grösste Q4-Neukäufer und ist nun vollständig draussen, was den Druck auf die ETH-Spot-ETF-Kategorie zusätzlich verdeutlicht.
Narvekar-Abgang und politischer Druck als Hintergrundfaktoren
N.P. „Narv" Narvekar leitet HMC seit Dezember 2016 und gilt branchenintern als Architekt der jüngeren Krypto-Allokation. Laut einem Bericht des Wall Street Journal soll er gegenüber dem Board Ende 2027 als möglichen Pensionierungstermin genannt haben. Eine formelle Ankündigung steht weiterhin aus. Dennoch ist die Aussicht auf einen Führungswechsel relevant für die Allokation. Eine künftige HMC-Leitung könnte andere Asset-Klassen-Prioritäten setzen, und die laufenden Anpassungen markieren womöglich bereits eine vorgezogene Neujustierung.
Hinzu kommt der politische Hintergrund. Harvard steht seit Frühjahr 2025 unter Druck der US-Regierung, die Bundesgelder im Kontext hochschulpolitischer Konflikte gekürzt hat. Solche Mittelkürzungen können die Kapitalplanung einer Stiftung beeinflussen, allerdings lässt sich der Effekt nicht direkt aus den 13F-Daten ableiten. HMC kommentiert Portfolioentscheidungen grundsätzlich nicht und lehnte auch zu dieser Transaktion eine Stellungnahme ab. Der nächste belastbare Datenpunkt folgt somit erst mit dem Q2-13F-Filing im August 2026.








