Die Ankündigung eines US-Iran-Friedensabkommens hat die geopolitische Risikoprämie aus den globalen Märkten gezogen und damit eine Bitcoin-Rally ausgelöst. Bitcoin stieg um 2.4% auf 65'793 USD, während die Rohölpreise gleichzeitig kräftig nachgaben.
Im Zentrum der Bewegung steht die Strasse von Hormuz, einer der wichtigsten Öltransit-Korridore weltweit. Rund 20% des globalen Rohölhandels passiert diesen Meereskanal. Seit dem 28. Dezember 2025, als die USA und Israel Militäroperationen gegen Iran begannen, war die Route weitgehend gesperrt und trieb die Rohölpreise auf mehrjährige Hochs. Iran bestätigte das Abkommen durch den stellvertretenden Aussenminister Kazem Gharibabadi, der zugleich den abgeschlossenen Vertragstext für das Memorandum of Understanding bekanntgab. Die Unterzeichnung ist für den 19. Juni in der Schweiz geplant. Entsprechend einheitlich fiel die Marktreaktion aus: WTI Crude verlor 4.84% auf 80.77 USD je Barrel, der Nikkei 225 legte 4.89% zu und der südkoreanische Kospi sprang 5.63% nach oben.
Bitcoin-Rally: Warum das Abkommen die Risikoprämie aus Krypto-Märkten zieht
Bitcoin handelte zuletzt bei 65'793 USD und damit 2.4% höher, nachdem die Kryptowährung am Wochenende noch bis auf rund 63'600 USD gefallen war. Die Aufwärtsbewegung erfasste zudem den gesamten Markt: Ethereum gewann 2.8% auf 1'720 USD, XRP stieg 3.5% auf 1.19 USD und Solana legte mit 4.2% auf 71.11 USD am stärksten zu. Allerdings folgte keiner dieser Anstiege einem krypto-internen Signal, sondern dem breiteren Risikoappetit nach der Abkommens-Ankündigung. Dass der Markt am Wochenende zunächst auf rund 63'600 USD nachgegeben hatte und dann binnen Stunden drehte, unterstreicht die enge Kopplung an die geopolitische Nachrichtenlage.

Die Rally begann unmittelbar nach Trumps Kommentar zu einem US-Iran-Rahmenabkommen, das die Risikoprämie aus dem Rohölmarkt zog. Verstärkt wurde der Ausschlag durch die dünne Wochenend-Liquidität, in der schon moderate Orderströme grössere Kursbewegungen auslösen. Laut einigen Stimmen war die Erholung vor allem durch eine Kompression der makroökonomischen Risikoprämie getrieben, die gleichzeitig Öl nach unten und asiatische Märkte nach oben zog.
Hormuz-Öffnung treibt Rohöl auf tiefsten Stand seit drei Monaten
Der Ölpreis-Einbruch bildete das erste und deutlichste Barometer der Risikoentlastung. WTI Crude fiel um 4.84% auf 80.77 USD je Barrel und damit auf den tiefsten Stand seit über drei Monaten. Brent Crude gab ebenfalls nach und verlor 4.33% auf 83.53 USD je Barrel. Trump veröffentlichte zudem auf Social Media die Aussage, das Öl werde nach der Unterzeichnung wieder durch die Strasse von Hormuz fliessen. Genau diese Aussicht auf zusätzliches Angebot setzte die Notierungen unter Druck.
Die Bedeutung dieses Korridors erklärt das Ausmass der Reaktion. Seit dem 28. Dezember 2025 war die Strasse von Hormuz weitgehend gesperrt, durch die normalerweise rund 20% des weltweiten Rohölhandels laufen. Die Schliessung hatte die Notierungen seit Jahresende auf mehrjährige Hochs getrieben und den globalen Energiemärkten eine anhaltende Prämie aufgezwungen. Iran darf während der 60-tägigen Waffenruhe seine Rohöl-Exporte wieder aufnehmen, was zusätzliches Angebot in Aussicht stellt.
Vermittelt wurde das Abkommen durch Katar, Pakistan, Saudi-Arabien und die Türkei, unterstützt von Grossbritanniens Premier Starmer und Frankreichs Präsident Macron. Es sieht eine dauerhafte Einstellung der Militäroperationen auf allen Fronten vor, einschliesslich im Libanon. Die Unterzeichnungszeremonie ist für den 19. Juni in der Schweiz angesetzt, und Trump autorisierte die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade nach der Unterzeichnung. Allerdings folgt danach erst eine 60-tägige Verhandlungsphase über die Aufhebung der Sanktionen und Irans Nuklearprogramm. Trump warnte zugleich, die USA könnten die Operationen neu starten, falls die Vereinbarung scheitere. Somit ist das Abkommen noch nicht final ratifiziert, und ein Teil der Risikoprämie könnte zurückkehren, falls der Vollzug stockt.
Fed-Sitzung unter Warsh als nächster Taktgeber für die Bitcoin-Rally
Der nächste Makro-Event folgt unmittelbar mit der FOMC-Sitzung vom 16. bis 17. Juni. Es ist die erste Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh, der am 22. Mai vereidigt wurde. Warsh gilt als skeptisch gegenüber Forward Guidance und der Dot-Plot-Praxis und bevorzugt einen datengetriebenen Ansatz ohne langfristige Festlegungen. Der Leitzins dürfte zudem voraussichtlich unverändert in der Spanne von 3.50% bis 3.75% bleiben, die Ankündigung erfolgt am 17. Juni um 14:00 Uhr ET. Die anschliessende Pressekonferenz ist für 14:30 Uhr ET angesetzt.
Über den Inflationskanal verbindet sich die Geopolitik direkt mit der Geldpolitik. Die Hormuz-Schliessung hatte die US-Inflation auf ein Drei-Jahres-Hoch getrieben, weshalb die nun erwartete Öffnung den Preisdruck mindern könnte. J.P. Morgan erwartet allerdings, dass die neue Summary of Economic Projections eine höhere Inflation und einen leicht höheren Zinspfad zeigen dürfte. Damit stünde der entlastende Effekt der Ölpreise einer womöglich strafferen Notenbank-Kommunikation gegenüber. Zusätzlichen Datendruck liefern die US-Einzelhandelsumsätze für Mai, die am Mittwoch veröffentlicht werden.
Die geplante Unterzeichnung am 19. Juni fällt zudem auf den Juneteenth, an dem die US-Märkte geschlossen bleiben. Somit trifft das Ereignis auf einen Handelstag ohne US-Aktivität, was die unmittelbare Kursreaktion in den regulären US-Handel verschieben dürfte. Die anschliessende 60-tägige Verhandlungsphase hält die Unsicherheit aufrecht, weshalb das Fundament der Rally vom tatsächlichen Vollzug des Abkommens abhängig bleibt.








