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    CME und ICE drängen CFTC und Kongress, Hyperliquid unter Aufsicht zu stellen. Streitpunkt: 700 Mio. USD tägliches Öl-Perpetual-Volumen.

    CME und ICE drängen US-Regulatoren zu Vorgehen gegen Hyperliquid

    von Redaktion cvj.ch am 16. Mai 2026 Legal/Compliance

    Die CME Group und Intercontinental Exchange haben in Washington Lobbyarbeit aufgenommen. Konkret wollen die beiden Konzerne, zu denen auch die New York Stock Exchange gehört, die dezentrale Derivate-Plattform Hyperliquid unter US-Aufsicht stellen.

    Wie Bloomberg berichtete, führten sie Gespräche mit Beamten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) sowie mit Abgeordneten des Kongresses. Gefordert wird eine Registrierungspflicht, die Kundenidentifikation (KYC), Handelsüberwachung und vollständige Marktaufsicht einschliesst. Im Zentrum der Vorwürfe steht das Geschäft mit Öl-Perpetuals. Der tägliche Umsatz in diesem Segment lag auf Hyperliquid im April 2026 bei durchschnittlich über 700 Mio. USD. Vor Beginn des Ukraine-Russland-Konflikts bewegten sich die Volumina noch im einstelligen Millionenbereich pro Tag. CME und ICE argumentieren, dass diese Grössenordnung globale Ölbenchmarks beeinflussen könnte. Daneben verweisen sie auf zwei weitere Risiken: die Umgehung von US-Sanktionen durch pseudonymen Handel sowie Insider-Handel ohne Überwachungsinstanz.

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    Marktanteil als Treiber der Eskalation

    Hyperliquid kontrolliert nach Daten von April 2026 rund 70 Prozent des On-Chain-Perpetual-Futures-Volumens. Bei den Gebühren im dezentralen Derivate-Sektor liegt der Anteil im Mai bei 53 Prozent, das Open Interest erreichte zuletzt mit 2.45 Mrd. USD ein Allzeithoch. Zwischen August 2025 und Januar 2026 verarbeitete die Plattform ein kumuliertes Handelsvolumen von 1.59 Bio. USD. Damit ist Hyperliquid die erste dezentrale Börse unter den zehn grössten Perpetual-Marktplätzen weltweit.

    Der DEX-Anteil am globalen Perpetual-Futures-Markt ist von 2.0 auf 10.2 Prozent gestiegen. Jeder zehnte Dollar im Krypto-Perpetual-Handel fliesst durch dezentrale Infrastruktur. Hyperliquid betreibt dafür eine eigene Layer-1-Blockchain mit nach eigenen Angaben über 200'000 Transaktionen pro Sekunde und Sub-Sekunden-Finalität. US-Nutzer schliesst die Plattform offiziell aus. Die regulatorische Argumentation der traditionellen Börsen hat das nicht entschärft.

    Während Hyperliquid auf einen Jahresgewinn von über 1 Mrd. USD zusteuert, erwirtschafteten ICE und CME im Vorjahr zusammen mehr als 5 Mrd. USD. Bei Cerebras-Premarket-Kontrakten verzeichnete Hyperliquid zuletzt ein tägliches Volumen von 230 Mio. USD. Der Nasdaq-Premarket lag im Vergleich bei rund 30 Mio. USD.

    Interessenkonflikt im Hintergrund

    Das Vorgehen der beiden Konzerne fällt in eine Phase, in der beide selbst Krypto-Derivate-Produkte auf den Markt bringen. CME plant für den 1. Juni den Start von Bitcoin Volatility Futures. Am 8. Juni folgen die Nasdaq CME Crypto Index Futures. Die etablierten Anbieter treten damit direkt in jenes Segment ein, in dem Hyperliquid dominiert. Kritiker werten die Lobbying-Initiative entsprechend als Versuch, einen unbequemen Wettbewerber regulatorisch zurückzudrängen.

    CFTC-Vorsitzender Michael Selig nahm den Vorstoss öffentlich auf. Er erklärte, On-Chain-Handelsaktivität auf dieser Skala könne den Spot- oder Futures-Preis auf regulierten Plattformen beeinflussen. ICE-Manager Trabue Bland, Senior Vice President für Futures, sieht die Integrität der Benchmarks gefährdet, wenn ein Markt dieser Grösse vollständig ausserhalb jeder Aufsicht operiere.

    Hyperliquid wies die Vorwürfe als unbegründet zurück. Sprecher George Godsal verwies darauf, dass jeder Trade, jede Liquidierung und jede Funding-Zahlung öffentlich überprüfbar seien. Diese Transparenz könne keine traditionelle Börse leisten. Der HYPE-Token reagierte dennoch deutlich auf den Bloomberg-Bericht und fiel um rund 6 Prozent, von über 45 USD auf unter 43 USD. Zuvor hatte der Token in derselben Woche 20 Prozent zugelegt, nachdem Coinbase und Circle Partnerschaften angekündigt hatten.

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    Hyperliquid baut eigene Lobby-Infrastruktur in Washington

    Bereits am 18. Februar 2026 gründete Hyperliquid in Washington D.C. das Hyperliquid Policy Center. An der Spitze steht Jake Chervinsky, ein in der Krypto-Branche bekannter Anwalt. Die Finanzierung erfolgte mit 1 Mio. HYPE-Token, zum Zeitpunkt der Bekanntmachung rund 29 Mio. USD wert. Das Zentrum reichte am 30. April einen umfangreichen Kommentarbrief bei der CFTC ein, im Rahmen des Advance Notice of Proposed Rulemaking zu Vorhersagemärkten. Hyperliquid positioniert sich damit frühzeitig als Gesprächspartner für die DeFi-Derivate-Regulierung, nicht nur als Ziel von Aufsichtsmassnahmen.

    Parallel ordnet das Unternehmen sein operatives Setup neu. Den hauseigenen Stablecoin USDH, gestartet im September 2025, stellt die Plattform nach sieben Monaten Betrieb ein. Als Nachfolger dient USDC mit Coinbase als Treasury-Partner. Die Anlehnung an einen US-regulierten Stablecoin und einen börsennotierten US-Partner stärkt die Argumentationsbasis gegen pauschale Vorwürfe der Sanktionsumgehung.

    Regulatorisch fällt der Konflikt in eine offene Phase. Der US Digital Asset Market Clarity Act, über den der Kongress 2026 berät, soll die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC neu ordnen. DeFi-Derivate adressiert der Entwurf allerdings noch nicht abschliessend. Bis dahin bleibt die Frage offen, nach welchen Kriterien eine on-chain operierende Perpetual-Plattform überhaupt unter CFTC-Aufsicht fallen könnte. Die nächsten regulatorischen Wegmarken setzen die CME-Produktstarts am 1. und 8. Juni.

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    Redaktion cvj.ch

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