Fidelity sieht Potenzial in Bitcoin als aufkommende Wertanlage

Fidelity Digital Assets, die Tochtergesellschaft eines der grössten Vermögensverwalters der Welt, veröffentlichte den ersten Bericht ihrer Bitcoin Anlagethese. Darin wird Bitcoin als aufkommende Wertanlage beschrieben und mit Anlageklassen wie Gold verglichen.

Fidelity Investments ist ein US-amerikanisches Finanzdienstleistungsunternehmen, das momentan über 8 Billionen USD in Vermögenswerten verwaltet. Vor zwei Jahren gründeten sie die Tochtergesellschaft Fidelity Digital Assets, die Verwahrungsdienste und weiteres für digitale Vermögenswerte anbietet. Letzte Woche veröffentlichten sie den ersten Teil ihrer «Bitcoin Investment Thesis».

Für verschiedene Leute kann Bitcoin verschiedene Dinge bedeuten.

Weshalb Bitcoin gekauft und aufbewahrt wird, kann völlig unterschiedliche Gründe haben. Bis heute wird diskutiert ob es sich bei Bitcoin (BTC) um ein Tauschmittel, einen alternativen Vermögenswert, eine Wertanlage oder etwas völlig anderes handelt. Doch eigentlich ist es nicht nötig sich auf eines davon zu begrenzen:

Die Wahrheit ist, dass Bitcoin mit zunehmender Reife des Ökosystems viele Funktionen gleichzeitig erfüllen kann – entweder grundlegend oder durch inkrementelle Schritte. Eines der schönen Dinge an Bitcoin ist, dass dessen Erfolg nicht davon abhängt, dass es einem einzigen Zweck dient.” – Ria Bhutoria, Director of Research

Eine aufkommende Wertanlage

Bitcoin hat laut Fidelity die Eigenschaften einer Wertanlage, doch wird zur Zeit nicht als solche weitgehend anerkannt. Sie vergleichen es mit einer Investition in Facebook als es noch 50 Millionen Nutzer hatte, mit dem Potential zu den heutigen 2 Milliarden Nutzern zu wachsen. Bitcoin hat noch eine relativ tiefe Nachfrage im Vergleich zu globalen Wertanlagen wie Gold. Wenn Privat- und institutionelle Anleger in Zukunft Bitcoin als Wertanlage ansehen, könnte das Aufwärtspotential sehr hoch sein.

Eines der Hauptargumente gegen Bitcoin als Wertanlage ist die Volatilität. Darauf antworten viele Bitcoin Enthusiasten mit folgender Idee: Es ist unwahrscheinlich, dass die Entwicklung einer neuen Anlage (Bitcoin), die kaum wahrgenommen und benutzt wird, zu einer globalen Wertanlage (z.B. Gold), linear verlaufen wird. Ausserdem sind viele Leute nur wegen der Volatilität überhaupt auf Bitcoin gestossen. Erst als sie mehr darüber gelernt haben, entwickelten sich langfristige Pläne.

Besonders Aufwärts-Volatilität zieht auch Investitionen und Innovation an. Die Zyklen beginnen oft mit einem Anstieg vom Preis der digitalen Vermögenswerte, was zu mehr Austausch und Aufmerksamkeit in den (sozialen) Medien führt. Dies zieht wiederum neue Talente und Projekte an. Andererseits wird die Volatilität von Bitcoin vermutlich immer höher sein als bei traditionellen Anlagen, da es sich dabei um einen Nebeneffekt des vollkommen unelastischen Angebots und mehrheitlich unregulierten Markts handelt. Wenn jedoch über die Zeit Bitcoin mehr gebraucht wird und sich Investoren dafür interessieren, sollte diese Volatilität stetig abnehmen.

Was macht Bitcoin als Wertanlage attraktiv?

Das Ziel einer Wertanlage sollte sein, ihre Kaufkraft über längere Zeit zu halten. Die Kaufkraft aufkommender Wertanlagen steigt stetig, bis sie sich schlussendlich stabilisiert. Die wichtigsten Eigenschaften solcher Anlagen sind laut Fidelity Knappheit, Portabilität, Haltbarkeit und Teilbarkeit. Die wichtigste davon ist Knappheit, welche langfristigen Wertverlust verhindert, da es eine klar begrenzte Quantität gibt, es nicht leicht erzeugt werden kann und Fälschung unmöglich ist.

Eine der neuen Innovationen von Bitcoin war die digitale Knappheit. Es ist eine der wichtigsten Eigenschaften, wenn es darum geht Bitcoin zu verstehen und zu schätzen. Schon vor Bitcoin gab es viele Versuche digitale Knappheit zu erschaffen, doch wirklich durchsetzen konnte es nur Satoshi Nakamoto. Indem er bereits bekannte Konzepte geschickt zusammensetzte konnte er bisher ungelöste Probleme angehen (z.B. Double Spending).

Da das Angebot von Bitcoin vollkommen unelastisch ist, kann es Angebotsschocks nicht zum Opfer fallen. Wenn die Produktionskapazität als Reaktion auf höhere Nachfrage und somit Preise steigt, wird das Angebot also nicht beeinflusst. Nicht einmal Gold, die langfristige Wertanlage schlechthin, hat ein vollkommen unelastisches Angebot und kann (limitierte) Angebotsschocks erfahren.

Dezentralisierte Gewaltenteilung

Bitcoin hat ein dezentralisiertes Netzwerk von Nodes (= Knoten), die alle Transaktionen speichern und sie unabhängig verifizieren, sodass alle Regeln des Netzwerks befolgt werden. So gibt es keinen zentralen Punkt des Versagens. Nodes, die Transaktionen verifizieren sind getrennt von den Minern, die mit ihrer Rechenleistung Transaktionen verarbeiten. Jeder Computer kann dabei ein Teil des Netzwerkes werden und Bitcoin-Transaktionen verifizeren, momentan gibt es über 10’000 Nodes.

Durch dieses System ist es also praktisch unmöglich Geld zu fälschen, da Transaktionen, die die Regeln des Netzwerks nicht einhalten, von den Nodes abgelehnt werden. So können auch die zentralen Eigenschaften von Bitcoin, wie dem begrenzten Angebot von 21 Millionen, nicht verändert werden. Es hat also keine zentrale Instanz Kontrolle über die Geldpolitik. Dazu müssten nämlich 51% aller Nutzer sich verbünden oder beeinflusst werden, was sehr unwahrscheinlich, wenn nicht schon fast unmöglich ist.

Dazu kommt, dass alle Transaktionen dank dem Algorithmus (Proof of Work) nicht rückgängig gemacht oder verändert werden können. Transaktionen sind also unveränderlich und werden noch sicherer, solange die Blockchain wächst.

Treiber für die Nachfrage

Als Antwort auf die wirtschaftlichen Folgen der Shutdowns aufgrund von COVID-19 haben Zentralbanken und Regierungen auf enorme Konjunkturprogramme zurückgegriffen. Es wurde die Wirtschaft mit rekordtiefen Zinsraten und neuen Dimensionen von Quantitative Easing (QE) stimuliert, um den deflationären Druck zu neutralisieren. Es ist noch nicht klar, was für Folgen diese Massnahmen tatsächlich haben werden, doch falls es zu (versteckter) Inflation führt, könnten viele Investoren sich für eine «undruckbare» Anlage interessieren. Ursprünglich kaufte man dafür Immobilien oder Edelmetalle, vielleicht ist es nun Bitcoins Zeit zu glänzen.

Doch auch langsame, stetige Inflation vermindert die Kaufkraft der meisten Fiat-Währungen über eine lange Zeit. Wenn Leute ihr Vermögen also aufrechterhalten oder vergrössern wollen, müssen sie in Vermögenswerte investieren. Falls Bitcoin also immer mehr als Wertanlage anerkannt wird, könnte laut Fidelity auch die Nachfrage steigen.

Kaufkraft des US-Dollars

Quelle: St. Louis Fed, April 2020

Zuletzt sind auch die jüngeren Generationen (X und vorallem Y), die von der Finanzkrise 2008 stark betroffen waren, gegenüber dem heutigen Finanzsystem eher skeptisch. Da gerade sie auch eher mit der modernen Technik vertraut sind, ist das Interesse an digitalen Vermögenswerten höher als bei den älteren Generationen. Während die Millennials sich also mehr Kapital aneignen, kann auch Bitcoin gut davon profitieren. Die genannten Fakten sieht Fidelity Digital Assets in ihrer Studie als fundierte Argumente, um in Bitcoin zu investieren.

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Redaktion cvj.ch

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