Strategy (ehemals MicroStrategy) hält inzwischen 738'731 Bitcoin im Wert von rund 55 Milliarden USD. Finanziert hat das Unternehmen einen wachsenden Teil davon über ein Instrument namens STRC, eine ewige Vorzugsaktie mit variabler Dividende. STRC zahlt aktuell 11.5 Prozent pro Jahr, monatlich ausgeschüttet.
Seit dem Launch im Juli 2025 hat Strategy über diesen Kanal rund 3.4 Milliarden USD eingesammelt. Damit kaufte das Unternehmen knapp 34'000 BTC. Kritiker ziehen Parallelen zum Kollaps von Terra-Luna im Mai 2022. Die Befürworter sehen ein innovatives Finanzierungsinstrument. Beide Seiten haben Argumente.
Die MSTR-Aktie notiert bei rund 140 USD, über 70 Prozent unter dem Hoch von 543 USD im November 2024. Der mNAV, das Verhältnis von Marktkapitalisierung zum Wert der gehaltenen Bitcoin, ist auf etwa 1.0x gefallen. Investoren bewerten Strategy folglich nicht mehr höher als die nackten Bitcoin in der Bilanz. Für das Geschäftsmodell ist das ein Problem. Denn einige der Strategy-Mechanismen funktionieren nur dann als Kapitalmaschine, wenn der Markt bereit ist, einen Aufpreis zu zahlen.
Was ist Strategy STRC und wie funktioniert es?
STRC steht für "Stretch" und ist eine sogenannte Perpetual Preferred Stock. Es handelt sich konkret um eine Vorzugsaktie ohne Fälligkeitsdatum mit variabler Dividende. Der Nennwert liegt bei 100 USD pro Aktie. Strategy passt die Dividende monatlich an, um den Kurs nahe an diesem Nennwert zu halten. Das Unternehmen beschreibt STRC als Konkurrenzprodukt zu Geldmarktfonds.
Fällt der STRC-Kurs unter 100 USD, erhöht Strategy die Dividende. Bei einem volumengewichteten Durchschnittskurs (VWAP) zwischen 95 und 99 USD steigt die Dividende um 25 Basispunkte. Fällt der VWAP unter 95 USD, kommen 50 Basispunkte hinzu. Die höhere Rendite soll Käufer anlocken und den Kurs stabilisieren. Handelt STRC bei oder über 100 USD, kann Strategy neue Aktien über ein ATM-Programm (At-the-Market) emittieren. Den Erlös investiert das Unternehmen in Bitcoin.
Seit dem Launch im Juli 2025 mit einer Startdividende von 9 Prozent hat Strategy die Rendite sieben Mal erhöht. Aktuell liegt sie bei 11.5 Prozent. Die Preishistorie zeigt, dass der Mechanismus bisher funktioniert hat. STRC fiel im November 2025 auf 89 USD und im Februar 2026 auf 93 USD, kehrte allerdings jeweils zum Nennwert zurück. Weder eine Bitcoin-Besicherung noch ein FDIC-Schutz stehen hinter dem Instrument. In der Kapitalstruktur rangiert es hinter Unternehmensschulden und der konservativeren Preferred-Aktie STRF.

Strategys Kapitalstruktur: der 84-Milliarden-Plan
STRC ist nur ein Baustein in einem deutlich grösseren Finanzierungsgebäude. Strategy verfolgt den sogenannten 42/42-Plan. Bis Ende 2027 will das Unternehmen insgesamt 84 Milliarden USD aufnehmen, je 42 Milliarden aus Eigenkapital und aus Schuldinstrumenten. Allein 2025 war Strategy der grösste Eigenkapital-Emittent unter allen börsennotierten US-Unternehmen. 25.3 Milliarden USD Kapital flossen in einem einzigen Jahr. Das entspricht 8 Prozent des gesamten US-Eigenkapitalmarkts und 33 Prozent des Preferred-Equity-Markts.
Neben STRC betreibt Strategy vier weitere Aktienklassen. STRK ("Strike") bietet 8 Prozent fixe Dividende mit Konvertierungsoption in MSTR-Stammaktien. STRF ("Strife") zahlt 10 Prozent fix ohne Konvertierung und gilt als konservativste Variante. STRD ("Stride") bietet 10 Prozent fix, ist hingegen nicht kumulativ und daher risikoreicher. Insgesamt bringen die fünf Preferred-Serien rund 7.8 Milliarden USD auf die Bilanz.
Dazu kommen konvertible Anleihen über 8.2 Milliarden USD mit Laufzeiten zwischen 2028 und 2032. Der gewichtete Zinssatz liegt bei nur 0.42 Prozent. Die jährliche Zinslast beträgt somit rund 35 Millionen USD. Die Gesamtverbindlichkeiten aus Schulden und Preferred Stock belaufen sich auf knapp 16 Milliarden USD. Dem steht ein Bitcoin-Bestand im Wert von rund 55 Milliarden USD gegenüber. Das ergibt ein Deckungsverhältnis von etwa 3.4x.
Der Vergleich mit Terra-Luna
Im Mai 2022 kollabierte das Terra-Luna-Ökosystem innerhalb weniger Tage. Rund 45 Milliarden USD gingen dabei verloren. Der algorithmische Stablecoin UST verlor seine Dollar-Bindung, was eine automatische Hyperinflation des LUNA-Tokens auslöste. Kein Mensch konnte den Mechanismus stoppen. Der Vergleich mit STRC drängt sich auf, weil beide Instrumente hohe Renditen bieten. Diese Renditen sollen Kapitalzuflüsse anziehen, die wiederum den Basiswert stützen.
Die Kritiker verweisen auf eine selbstbezügliche Logik. STRC-Emissionen finanzieren BTC-Käufe, steigende BTC-Preise stützen den MSTR-Kurs, ein höherer MSTR-Kurs generiert Nachfrage nach STRC. Solange der Kreislauf läuft, profitieren alle Beteiligten. Fällt Bitcoin jedoch, dreht sich die Spirale um. Weniger Nachfrage nach STRC, höhere Dividenden nötig, steigende Kosten, mehr Druck auf die Bilanz. Das Muster ähnelt Terra-Luna zumindest oberflächlich.
Dennoch bestehen fundamentale Unterschiede. Bei Terra löste ein Kursverfall automatisch und unbegrenzt neue LUNA-Token aus. Kein Board, kein CEO konnte eingreifen. Bei STRC trifft das Management die Entscheidung über Dividendenanpassungen. Strategy kann die Dividende auch kürzen oder ganz aussetzen. Hinter STRC stehen ausserdem 738'731 Bitcoin mit einem Marktwert von rund 55 Milliarden USD als reales, liquides Asset. Terra-Luna war ein rein algorithmischer Kreislauf ohne exogenes Sicherheitsnetz.
Auch die Zeitskala unterscheidet sich grundlegend. Ein Terra-Kollaps dauerte Tage. Ein STRC-Stressszenario würde sich über Monate oder Jahre erstrecken und Raum für Gegensteuerung lassen. Für jeden USD STRC-Emission kauft Strategy zusätzlich rund 3 USD BTC, da parallel MSTR-Aktien-Emissionen den Hebel verstärken. Der Kapitalkreislauf beschränkt sich also nicht rein auf STRC.
Die Risiken im Detail
Strategy steht unter Druck. Im vierten Quartal 2025 verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 12.4 Milliarden USD. Davon entfielen 17.4 Milliarden USD auf unrealisierte BTC-Bewertungsverluste durch die neue FASB-Fair-Value-Bilanzierung. Die MSTR-Aktie verlor acht Monate in Folge. Und die Dividendenverpflichtungen für Preferred Stocks steigen von geschätzten 217 Millionen USD (2025) auf 904 Millionen USD im laufenden Jahr.
Das grösste strukturelle Risiko liegt im mNAV-Kollaps. Bei einem mNAV unter 1.0x kann Strategy keine wertsteigernden ATM-Emissionen mehr durchführen. Genau dieser Zustand ist im März 2026 eingetreten. Das Kerngeschäftsmodell, nämlich Kapital aufnehmen, Bitcoin kaufen und den BTC-pro-Aktie-Wert steigern, funktioniert in dieser Phase nicht. Parallel erodieren Nachahmer den Premium. Zahlreiche börsennotierte Unternehmen kopieren inzwischen das Saylor-Modell, was den mNAV-Aufschlag für Strategy weiter drückt.

Analysten skizzieren daneben ein "Slow Burn"-Szenario. Bitcoin bleibt unter der Kostenbasis von rund 76'000 USD. Die STRC-Dividende klettert Richtung 15 Prozent oder höher. Die Cashreserven von 2.25 Milliarden USD schmelzen ab. Nach etwa 28 Monaten müsste Strategy beginnen, Bitcoin zu verkaufen, geschätzt 200 Millionen USD pro Monat. Solche Verkäufe würden den BTC-Preis weiter drücken und ein verstärkendes Feedback erzeugen. Kein algorithmischer Kollaps, sondern ein schleichendes Erosionsszenario.
Zwischen 2028 und 2030 werden konvertible Anleihen über 8.2 Milliarden USD fällig. CEO Phong Le bestätigte im Februar 2026, dass rund 6 Milliarden USD davon in Eigenkapital umgewandelt werden sollen. Gelingt das nicht, droht eine Cash-Refinanzierung zu ungünstigen Bedingungen.
Die Stärken der Struktur
Die Gegenseite hat ebenfalls gewichtige Argumente. Alle 738'731 Bitcoin sind vollständig unbelastet. Kein Pfand, kein Collateral, keine automatischen Margin Calls. Im Gegensatz zu gehebelten Krypto-Unternehmen wie Celsius oder Three Arrows Capital gibt es keinen Mechanismus, der einen Zwangsverkauf auslösen könnte.
Die Anleihen enthalten nur Standard-Klauseln für "Fundamental Change" und "Cross Default". Kein BTC-Preis-Trigger kann eine vorzeitige Rückzahlung erzwingen. Die erste Put-Option über 1.01 Milliarden USD wird erst im September 2027 fällig. Laut einer Bitwise-Analyse müsste Strategy selbst bei einem BTC-Preis von 30'000 USD nur rund 7 Prozent der Bitcoin-Bestände verkaufen. Schon das reichte, um die 2027-Fälligkeit zu bedienen. Die echte Solvenz-Grenze liegt laut Analysten bei einem Bitcoin-Kurs zwischen 3'000 und 5'000 USD.
"Wenn Bitcoin vier Jahre lang 90% fällt, werden wir die Schulden refinanzieren. Wir strecken sie einfach weiter aus." - Michael Saylor, Executive Chairman, Strategy (CNBC, Februar 2026)
Die Verwässerung der Stammaktien von 76 Millionen auf rund 320 Millionen Stück ist real. Trotzdem erzielte Strategy 2025 einen "Bitcoin Yield" von 22.8 Prozent. Der BTC-Bestand pro Aktie wuchs also trotz massiver Kapitalerhöhungen. Solange dieser Mechanismus funktioniert, profitieren auch bestehende Aktionäre. Schliesslich generiert das Software-Geschäft weiterhin rund 123 Millionen USD Quartalsumsatz und bildet eine operative Basis abseits der Bitcoin-Strategie.







