JPMorgan Chase sieht im Clarity Act den entscheidenden Katalysator für eine Erholung der Kryptomärkte in der zweiten Jahreshälfte 2026. In einer Research Note bezeichnete die US-Grossbank regulatorische Klarheit als "die grösste Einzelbarriere, die institutionelles Kapital am Seitenrand hält."
Die Prognose kommt in einer Phase erheblicher Marktschwäche. Bitcoin notiert rund 50 Prozent unter seinem Allzeithoch von über 126'000 USD aus dem Oktober 2025. Ethereum hat seit Jahresbeginn rund 34 Prozent verloren. Beide Kryptowährungen verzeichnen damit den schlechtesten Jahresstart seit über zehn Jahren.
Clarity Act: Zwei Senate-Entwürfe, ein Kernkonflikt
Der Digital Asset Market Clarity Act passierte im Juli 2025 mit parteiübergreifender Mehrheit das US-Repräsentantenhaus. Das Gesetz würde erstmals die Zuständigkeiten für digitale Assets klar aufteilen. Die CFTC erhielte exklusive Jurisdiktion über Spot-Märkte für Digital Commodities, die SEC behielte die Aufsicht über Investment Contract Assets. So würde die jahrelange Praxis der "Regulation by Enforcement" formal enden.
Im Senat existieren allerdings zwei konkurrierende Entwürfe. Das Senate Banking Committee publizierte am 12. Januar 2026 einen 278-seitigen Draft mit über 100 Änderungsanträgen. Das Senate Agriculture Committee legte am 21. Januar eine eigene Version vor, die "Digital Commodity Intermediaries Act". Anschliessend verabschiedete der Ausschuss den Entwurf am 29. Januar. Beide Versionen müssen noch zusammengeführt werden, bevor der Senat abstimmen kann.
Der grösste Streitpunkt betrifft Stablecoin-Renditen. Konkret geht es um die Frage, ob Krypto-Handelsplattformen wie Coinbase Nutzern Zinsen für das Halten von Stablecoins zahlen dürfen. Der Banking-Committee-Entwurf verbietet solche Zinsen für einfaches Halten, erlaubt jedoch aktivitätsgebundene Rewards. Banken argumentieren, dass Stablecoin-Renditen Einlagen aus dem Bankensystem abziehen und die Finanzstabilität gefährden könnten.
Verhandlungen im Weissen Haus zeigen Fortschritte
Der Konflikt hat hochrangige Vermittlung ausgelöst. Im Februar 2026 fanden drei Treffen im Weissen Haus statt, geleitet von Trump-Krypto-Berater Patrick Witt. Das Weisse Haus favorisiert entsprechend eine Kompromisslösung mit begrenzten Stablecoin-Rewards und hat Banken gedrängt, sich zu bewegen.
Coinbase CEO Brian Armstrong hatte im Januar 2026 seine Unterstützung für den Gesetzesentwurf zurückgezogen. Laut Armstrong tragen nicht einzelne Banken, sondern Banken-Verbände die Verantwortung für den Stillstand. Kleine und mittelgrosse Banken fürchten demnach vor allem Einlagenabflüsse zu Grossbanken, nicht zu Stablecoin-Emittenten. Ende Februar signalisierte Armstrong dennoch, es gebe einen "Weg nach vorn."
JPMorgan verfolgt derweil selbst aktiv den Einstieg ins Krypto-Spot-Trading. Die Grossbank prüft den Handel mit Kryptowährungen und betont gleichzeitig regulatorische Klarheit als Voraussetzung für breiteres institutionelles Engagement.
GENIUS Act als Präzedenzfall
Der Clarity Act wäre nicht das erste regulatorische Rahmenwerk für die Branche. Im Juli 2025 unterzeichnete Präsident Trump den GENIUS Act, das erste umfassende föderale Krypto-Gesetz der US-Geschichte. Der Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act passierte den Senat mit 68 zu 30 Stimmen. Das Repräsentantenhaus stimmte mit 308 zu 122 zu.
Der GENIUS Act schreibt eine 100-Prozent-Reserve-Deckung für Stablecoins vor, entweder mit Bargeld oder kurzfristigen US-Staatsanleihen. Emittenten müssen monatlich ihre Reserven offenlegen. Stablecoin-Halter geniessen Vorrangstellung im Insolvenzfall. Gleichwohl stuft das Gesetz Payment Stablecoins ausdrücklich weder als Wertpapiere noch als Rohstoffe ein.
Die breite parteiübergreifende Unterstützung für den GENIUS Act galt als Signal, dass auch der Clarity Act machbar sei. Der Clarity Act erweist sich allerdings als deutlich komplexer. Das Stablecoin-Transaktionsvolumen hatte 2024 schliesslich jenes von Visa und Mastercard zusammen übertroffen - ein Beleg für die wirtschaftliche Tragweite der Regulierungsfragen.
Zeitdruck durch Midterm-Wahlen
JPMorgan knüpft seine Prognose an eine klare Bedingung - Verabschiedung des Clarity Act bis Jahresmitte 2026. Als Midterm-Wahljahr schliesst sich das legislative Fenster nach August faktisch. Das Markup-Vote des Senate Banking Committee wurde bereits verschoben. Zwei Senate-Entwürfe müssen zusammengeführt, der Stablecoin-Rewards-Kompromiss gefunden und eine Abstimmung in beiden Kammern organisiert werden.
"Wenn verabschiedet, wird es die Marktstruktur umgestalten, indem es regulatorische Klarheit schafft, Regulierung durch Durchsetzung beendet, Tokenisierung fördert und eine grössere institutionelle Beteiligung ermöglicht." - JPMorgan Chase, Research Note
Sollte das Gesetz scheitern oder sich verzögern, entfällt der von JPMorgan skizzierte Katalysator. Für den Krypto-Markt hiesse das, die institutionelle Zurückhaltung, die JPMorgan als grösste Einzelbarriere identifiziert, bliebe bestehen.








