Illegale Aktivitäten mit Kryptowährungen nehmen ab

Zwei zuverlässige Marktforschungsberichte über die illegale Nutzung von Kryptowährungen belegen einen deutlichen Rückgang des Phänomens im Jahr 2020 – im Vergleich zu 2019 – aber auch neue besorgniserregende Trends in den Bereichen Ransomware und DeFi.

Die neuesten Marktinformationen zur illegalen Nutzung von Kryptowährungen, die im Februar 2021 von Chainalysis und CipherTrace zur Verfügung gestellt wurden, werden wie folgt zusammengefasst.

Rückgang der illegalen Nutzung von Kryptowährungen

Das Jahr 2020 verzeichnete einen Transaktionswert von 10 Mrd. USD im Zusammenhang mit illegalen Aktivitäten. Diese Zahl entspricht 0.34 % des Gesamtwerts aller Kryptowährungstransaktionen. Ein Jahr zuvor, im Jahr 2019, lag der gleiche Wert bei 21.5 Mrd. USD. Dies entsprach 2.1% des Gesamtwerts aller Kryptowährungstransaktionen.

Während der prozentuale Rückgang im Vergleich zum Vorjahr offensichtlich durch den Anstieg der gesamten Kryptowährungsaktivitäten im Jahr 2020 beeinflusst wird, zeigen die absoluten Zahlen, dass der Rückgang von 2019 auf 2020 erheblich war. Während Kryptowährungen im Jahr 2020 weiterhin attraktiv für Kriminelle waren, deutet der Rückgang der Kryptowährungskriminalität im Jahr 2020 darauf hin, dass illegale Aktivitäten mit Kryptowährungen im Einklang mit einer Zunahme der legitimen Nutzung und der Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen zurückgeht.

Betrug, Darknet und Ransomware

Sowohl 2019 als auch 2020 waren die beiden dominantesten Kategorien in Bezug auf illegale Nutzung von Kryptowährungen Betrug und Darknet-Märkte. Im Jahr 2020 gab es jedoch eine wichtige Neuerung: Ein 311-prozentiger Anstieg gegenüber 2019 in der Kategorie „Ransomware“ (von 85 Mio. USD auf 350 Mio. USD). Diese Kategorie ist besonders besorgniserregend, da Ransomware-Angriffe lokale Regierungen und Unternehmen, wie z. B. Krankenhäuser, wochenlang beeinträchtigen können.

Aus geografischer Sicht stellte sich heraus, dass Russland den grössten Anteil an Darknet-Geldern erhält; China erhält den grössten Anteil an Geldern, die mit gestohlenen Geldern und Ransomware in Verbindung stehen; und die USA erhalten den grössten Anteil an Geldern, die aus Betrug und gestohlenen Konten stammen.

Die aufkommenden Trends des Jahres 2020:
  • Die meisten Geldwäschetätigkeiten werden von einer kleinen Gruppe von Anbietern bedient. Dabei handelt es sich in der Regel um Drittanbieterdienste, die in eine oder mehrere grössere Börsen eingebettet sind und die Liquidität und Handelspaare dieser Börsen anzapfen.
  • Der grösste Teil des Wachstums im Darknet-Markt kann dem Marktplatz Hydra zugeschrieben werden – einem Anbieter, der ausschliesslich russischsprachige Länder bedient. Hydra ist bei weitem der grösste Darknet-Markt der Welt und machte im Jahr 2020 über 75% des weltweiten Darknet-Marktumsatzes aus.
  • DeFi-Plattformen scheinen zunehmend Angriffsvektoren für Betrug und Geldwäsche zu sein. Sie sind eher anfällig für Hackerangriffe und Peer-to-Peer-Transaktionen eignen sich für Geldwäsche. Dieses Phänomen war in allen vorherigen Jahren praktisch vernachlässigbar, da DeFi selbst vernachlässigbar war.

Die einzigartige Eigenschaft von Bitcoin, gleichzeitig eine öffentliche Blockchain zu sein und anonyme Nutzeradressen zu gewähren, macht dasa Netzwerk für anonyme und dennoch nachvollziehbare digitale Zahlungen geeignet. Im Jahr 2018 wurde in einer Studie anhand einer Stichprobe von Nutzern – die bekanntermassen illegalen Aktivitäten nachgingen – hochgerechnet, dass etwa ein Viertel der weltweiten Bitcoin-Nutzer in illegale Aktivitäten verwickelt waren.

Internationale Krypto-Regulierung

Im Juli 2018 beauftragten die G20 die FATF, sich mit der Anonymität von Kryptowährungszahlungen zu befassen. Die FATF schloss ihre Arbeit am 21. Juni 2019 ab und veröffentlichte eine Leitlinie, die die Anwendung der Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf VA und VASP klarstellt. Am 25. Februar 2021 bekräftigte die FATF erneut die strategische Bedeutung der Minderung von Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsrisiken bei VA und stellte eine Aktualisierung der Leitlinien in Aussicht, um die Umsetzung zu erleichtern und die Risiken in DeFi zu bekämpfen.

Die Befürchtungen der Regulierungsbehörden bleiben jedoch so stark wie eh und je. Zur Veranschaulichung: Im Februar hat das US-Finanzministerium erneut die Sorge geäussert, dass Kryptowährungen hauptsächlich für illegale Zwecke genutzt werden könnten und dies als „wachsendes Problem“ bezeichnet.

Die Vereinten Nationen schätzten die Menge des weltweit gewaschenen Geldes in einem Jahr auf 2 bis 5% des globalen Bruttoinlandsprodukts, also 800 Milliarden bis 2 Billionen US-Dollar. Die oben zusammengefassten Berichte legen nahe, dass die Rolle von illegalen Aktivitäten im Zusammenhang mit Kryptowährungen im globalen Kontext relativ gering ist. Die zusammengefassten Beweise bestätigen auch, dass – obwohl Kryptowährungstransaktionen sich für anonyme Transaktionen eignen – solche Transaktionen besser für Untersuchungen geeignet sind als traditionelle Finanztransaktionen.

Für die Zukunft erwarten wir, dass die Regulierungsbehörden den Fokus auf Know-Your-Customer (KYC) bei Krypto-Börsen verstärken, eine flächendeckende Umsetzung der FATF-Richtlinien im gesamten Kryptobereich anstreben und sich auf die Umsetzung von KYC- und Anti-Geldwäsche-Praktiken (AML) bei DeFi-Anwendungen konzentrieren. Zusammen mit einem stetigen Wachstum von Kryptowährungstransaktionen sollten diese regulatorischen Massnahmen zu einem weiteren Rückgang der illegalen Nutzung von Kryptowährungen führen.

Konklusion

Wie Transaktionen mit Papiergeld und Münzen eignen sich auch Kryptowährungstransaktionen für anonyme Zahlungen. Im Vergleich zu Fiat-Transaktionen sind Kryptowährungen jedoch auf der Blockchain transparent nachvollziehbar.

Marktforschungen zeigen, dass die Kombination aus verschärften regulatorischen Anforderungen rund um VA und VASP und einem stetigen Wachstum von Kryptowährungstransaktionen zu einem Rückgang des relativen und absoluten Werts der illegalen Nutzung von Kryptowährungen führt.

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Über den Autor

Yves Longchamp ist Head Research bei SEBA Bank. Zuvor war er tätig bei Ethenea Independent Investor, Pictet & Cie, UBS und der Schweizerischen Nationalbank. Marktfinanzierung und Makroökonomie sind die Forschungsthemen, die seine Karriere auszeichnen, die ihn von der SNB zu Grossbanken und Vermögensverwaltern in die Welt der digitalen Assets führte

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