Robinhood hat an einem Londoner Event sein europäisches Perpetual-Futures-Angebot auf Rohstoffe, Devisen und ETF-Kontrakte ausgeweitet. Gleichzeitig kündigte der Broker den baldigen Krypto-Launch im Vereinigten Königreich an.
Robinhood ist ein US-amerikanischer Broker, der sich ursprünglich mit provisionsfreiem Wertpapierhandel einen Namen machte. Seit 2023 diversifiziert das Unternehmen jedoch weg vom Payment-for-Order-Flow-Modell hin zu internationalen Märkten, Derivaten und Krypto-Produkten. Beim Payment-for-Order-Flow verdient ein Broker an der Weiterleitung von Kundenaufträgen an Market Maker statt an direkten Gebühren. Der Anbieter bedient nach eigenen Angaben mehr als 28 Mio. Kunden in 38 Ländern auf drei Kontinenten. Im ersten Quartal 2026 lag der Transaktionsumsatz allerdings unter den Erwartungen, belastet durch kryptogetriebene Volatilität. Die neuen Kontrakte bieten bis zu 10x Hebel und lassen sich rund um die Uhr handeln. Für den Schritt nach Grossbritannien verfügt Robinhood bereits über eine FCA-Registrierung als Krypto-Asset-Dienstleister.
Vom Krypto-Derivat zum Rohstoff-Kontrakt: was Robinhood jetzt anbietet
Perpetual Futures sind Terminkontrakte ohne Verfallsdatum. Über einen periodischen Funding-Rate-Mechanismus halten sie sich nahe am Spotpreis des Basiswerts. Der Funding-Rate-Mechanismus gleicht dabei periodisch Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen aus und verankert den Kontraktpreis am Markt. Anders als börsengehandelte Terminkontrakte müssen Anleger Positionen somit nicht regelmässig in neue Laufzeiten rollen. Im Krypto-Markt gelten sie zudem als volumenstärkstes Derivat-Instrument, dominiert von Offshore-Plattformen wie Binance, Bybit und OKX. Regulierte westliche Broker haben dieses Instrument hingegen bislang kaum im Angebot geführt.
Neu handelbar sind nun Kontrakte auf Rohstoffe wie Gold, Silber und Rohöl sowie das Devisenpaar EUR/USD. Hinzu kommen ETF-basierte Kontrakte, die ebenso ganze Indexkörbe abbilden und die Basiswerte über Einzelrohstoffe hinaus erweitern. Damit überträgt der Anbieter eine krypto-native Derivat-Logik systematisch auf klassische Anlageklassen. Alle Kontrakte bieten ausserdem bis zu 10x Hebel. Für berechtigte Investoren in ausgewählten europäischen Märkten sind sie rund um die Uhr verfügbar. Für europäische Anleger entsteht so ein einheitlicher Zugang zu gehebelten Positionen über Krypto, Rohstoffe und Devisen hinweg. Zuvor verteilte sich dieser Zugang auf spezialisierte Plattformen.
In den USA ist dieses Instrument hingegen erst seit Kurzem zulässig. Die CFTC genehmigte im Mai 2026 erstmals Perpetual-Futures-Kontrakte an regulierten US-Börsen. Als erstes Produkt erhielt der BTCPERP-Kontrakt von KalshiEX die Zulassung. Ferner veröffentlichte die Behörde ein Policy Statement, das den Rahmen für weitere Anträge absteckt. Die CME Group verklagte die CFTC daraufhin wegen dieser Entscheidung, das Verfahren läuft. Für Robinhood bedeutet das einen regulatorischen Umweg, denn was in den USA umstritten bleibt, lässt sich in europäischen Märkten bereits ausrollen.
FCA-Registrierung als Brücke zum UK-Markt
Den Krypto-Handel im Vereinigten Königreich will Robinhood nach eigenen Angaben „bald" lancieren. Ein konkretes Startdatum nannte das Unternehmen jedoch nicht. Als Grundlage dient eine bestehende FCA-Registrierung als Krypto-Asset-Dienstleister, die den UK-Launch nicht als leeres Versprechen erscheinen lässt. Die FCA baut seit 2024 ausserdem einen eigenen Krypto-Regulierungsrahmen auf, an dem sich Anbieter für das Vereinigte Königreich ausrichten müssen. Auffällig ist dennoch, dass ein konkreter Zeitplan fehlt: Der Anbieter kommuniziert eine Absicht, aber keinen Fahrplan.
Ziel ist der Aufbau einer All-in-one-Investitionsplattform für die Region, die Aktien, Krypto und Derivate unter einem Dach bündelt. Diese Stossrichtung ergibt sich folglich direkt aus der Ertragslage, die im ersten Quartal 2026 hinter den Erwartungen zurückblieb. Deshalb verfolgt Robinhood eine Diversifizierung der Einnahmen, weg von der Abhängigkeit vom reinen Handelsvolumen. Wiederkehrende Erträge aus Lending, Derivaten und internationalen Gebühren sollen die Schwankungen künftig abfedern.
Die europäischen Perpetual Futures und der geplante UK-Krypto-Launch gehören somit zum selben strukturellen Schritt. Beide zielen darauf, das Geschäft vom US-Retail-Handelsvolumen zu entkoppeln und die Ertragsbasis geografisch breiter aufzustellen.
WonderFi-Übernahme und MAS-Lizenz als globale Brückenköpfe
Bereits im Juni 2026 schloss Robinhood die Übernahme von WonderFi Technologies ab. Der kanadische Betreiber führt mit Bitbuy und Coinsquare zwei der ältesten regulierten Krypto-Börsen des Landes. Über die Transaktion erhält Robinhood Zugang zu rund 300'000 finanzierten Kundenkonten in Kanada. Der Kaufpreis betrug insgesamt 250 Mio. CAD (rund 180 Mio. USD) und erfolgte als reine Bartransaktion zu 0.36 CAD je Aktie. Für kanadische Kunden gilt weiterhin eine Pauschalgebühr von 0.5% pro CAD-Transaktion, wobei bis zum 30. September 2026 keine Handelsgebühren anfallen.
„WonderFi hat umfangreiche Erfahrung im Betrieb regulierter Krypto-Plattformen, die sowohl Einsteiger als auch erfahrene Nutzer ansprechen. Das macht das Unternehmen zum idealen Partner, um Robinhoods Mission in Kanada voranzutreiben." - Johann Kerbrat, SVP und General Manager Crypto & International bei Robinhood
In Singapur erhielt der Anbieter zudem eine Capital Markets Services Licence der Monetary Authority of Singapore. Die MAS-Lizenz erlaubt regulierte Kapitalmarktdienstleistungen in einem der wichtigsten Finanzzentren Asiens. Mit der WonderFi-Übernahme überschritt Robinhood ferner die Marke von 1 Mio. finanzierten internationalen Kundenkonten ausserhalb der USA. Damit baut das Unternehmen gleichzeitig auf drei Kontinenten regulatorische Präsenz auf, in Kanada per Akquisition und in Singapur per Lizenz. Letztlich verschafft ihm diese Präsenz einen Zugang, den rein organisches Wachstum kaum so schnell liefern würde.
Layer-2-Blockchain und Lending-Produkt als Eigenkapital-Hebel
Am selben Londoner Event startete Robinhood das Mainnet seiner eigenen Layer-2-Blockchain, der Robinhood Chain. Eine Layer-2-Blockchain bündelt Transaktionen und wickelt sie ausserhalb der Basiskette ab, was Gebühren und Bestätigungszeiten senkt. Parallel führte der Anbieter tokenisierte Aktien in über 120 Ländern ein. Mit ihnen lassen sich Anteile klassischer Unternehmen als Token abbilden. Mit einer eigenen Protokollebene wird das Unternehmen mehr als ein reiner Broker. Es schafft eine Plattform, die die Nutzung an die eigene Infrastruktur koppelt. Für Robinhood erhöht das die Wertschöpfung pro Kunde, verlagert das operative Risiko allerdings stärker ins eigene Ökosystem.
Für US-Nutzer kommt schliesslich das Lending-Produkt Robinhood Earn hinzu. Kunden verleihen darüber USDG, einen dollar-gedeckten Stablecoin, über ein Self-Custody-Wallet zu rund 7% annualisierter Rendite. Ein Versicherungsschutz gegen Cyberattacken und Smart-Contract-Exploits, arrangiert über Lloyd's of London und RELM, adressiert dabei das Custodial-Risiko. Damit tritt Robinhood in direkte Konkurrenz zu etablierten Krypto-Renditeangeboten, wobei die Absicherung gegen Exploit-Verluste das Angebot von unversicherten Konkurrenzprodukten abhebt.







