Nasdaq und Payward, die Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken, entwickeln gemeinsam ein sogenanntes Equities Transformation Gateway. Das System soll tokenisierte Aktien nahtlos zwischen regulierten Börsenplätzen und offenen Blockchain-Netzwerken transferierbar machen.
Payward übernimmt dabei das KYC- und AML-Onboarding über die Kraken-Plattform. Parallel dazu kündigt Nasdaq ein eigenes Equity Token Design an. Emittenten können damit Eigentümerrechte, Corporate Governance und Proxy Voting direkt auf der Blockchain programmieren. Der operative Start beider Initiativen ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant. Das Gateway steht Nutzern in berechtigten Jurisdiktionen offen, allerdings nicht in den USA und Grossbritannien.
Wie das Gateway funktioniert
Das Equities Transformation Gateway verbindet zwei Welten. Auf der einen Seite stehen permissioned, regulierte Aktienmärkte, auf der anderen permissionless DeFi-Ökosysteme. Tokenisierte Aktien sollen sich zwischen beiden Sphären bewegen können, ohne ihre rechtliche Gültigkeit zu verlieren. Denn Nasdaq stellt sicher, dass Token-Transfers echte Übertragungen der zugrundeliegenden Wertpapiere darstellen. Die Abwicklung läuft weiterhin über die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC). Tokenisierte und konventionelle Aktienanteile bleiben auf Nasdaq austauschbar.
Das Equity Token Design stellt Emittenten ins Zentrum. Blockchain-Einträge fliessen direkt in die offiziellen Aktienregister ein. Das Programm bleibt freiwillig und unterliegt regulatorischer Prüfung. Die Initiative stützt sich auf das SEC Staff Statement on Tokenized Securities aus dem Jahr 2026. Dieses behandelt tokenisierte Aktien gleichrangig mit konventionellen Wertpapieren unter Bundesrecht. Nasdaq hatte bereits im September 2025 einen entsprechenden Tokenisierungsvorschlag bei der SEC eingereicht.
"Tokenisierung hat das Potenzial, die Vorteile eines Always-on-Finanzökosystems zu erschliessen und zu verbessern, wie Investoren auf Märkte zugreifen und wie Emittenten mit Aktionären interagieren." - Tal Cohen, Präsident, Nasdaq
Krakens xStocks als Fundament
Die Partnerschaft baut auf einer bestehenden Infrastruktur auf. Krakens tokenisiertes Aktienprodukt xStocks erreichte seit dem Launch Mitte 2025 ein Gesamttransaktionsvolumen von 25 Milliarden USD. Davon entfielen 4 Milliarden auf On-chain-Transaktionen. Mehr als 85'000 einzigartige Halter nutzen das Angebot über verschiedene Blockchain-Netzwerke. On-chain befinden sich tokenisierte Aktiva im Wert von über 225 Millionen USD.
Das Angebot umfasst mittlerweile über 70 tokenisierte Aktien und ETFs. Jeder Token ist 1:1 durch den jeweiligen Basiswert gedeckt, wobei Bruchteilsanteile ab 1 USD verfügbar sind. Der Handel läuft 24/5 auf Kraken und rund um die Uhr direkt on-chain. Dividenden fliessen automatisch als zusätzliche Token zurück. Darauf fallen beim Kauf mit USDG oder USD keine Handelsgebühren an.
Im Dezember 2025 akquirierte Kraken Backed Finance, den Schweizer Emittenten hinter xStocks. So vertiefte das Unternehmen die vertikale Integration in der Tokenisierungs-Wertschöpfungskette. Backed Assets (JE) Limited aus Jersey bleibt dennoch der Herausgeber der Token. Die Distribution erfolgt über Payward Digital Solutions Ltd. (Bermuda) und Payward Europe Digital Solutions (Zypern), reguliert unter MiFID II.
"Für internationale Kunden erweitert dies den Zugang zu öffentlichen Märkten, wo die traditionelle Distribution bisher begrenzt war." - Arjun Sethi, Co-CEO, Payward und Kraken
Wettbewerb um die Tokenisierungs-Infrastruktur
Der Nasdaq-Kraken-Deal steht nicht im Vakuum. ICE, der Betreiber der New Yorker Börse (NYSE), tätigte parallel eine strategische Investition in die Krypto-Börse OKX. Damit entsteht ein direktes Konkurrenzprojekt zur Nasdaq-Kraken-Allianz. Traditionelle Börsenbetreiber positionieren sich folglich zunehmend im Markt für tokenisierte Vermögenswerte.
Gleichzeitig baut Nasdaq seine Präsenz in Europa aus. Am selben Tag verkündete der Börsenbetreiber eine separate Partnerschaft mit Seturion, der pan-europäischen Abwicklungsplattform der Boerse Stuttgart Group. Nasdaq verbindet seine europäischen Handelsplätze mit Seturion, zunächst mit Fokus auf strukturierte Produkte. Seturion besitzt BX Digital, die erste FINMA-lizenzierte DLT-Handelsplattform der Schweiz. Die Plattform startete im September 2025 mit dem Ziel, Abwicklungskosten um bis zu 90 Prozent zu senken. Schon 2024 kam Seturion in den EZB-Blockchain-Trials zu Wholesale-Settlement-Mechanismen zum Einsatz.
In Europa wächst derweil der politische Druck. Acht EU-regulierte Digital-Asset-Firmen warnen, dass die EU im Tokenisierungs-Rennen gegenüber den USA zurückfalle. Das EU-DLT-Pilot-Regime sei zu restriktiv. Die Boerse Stuttgart Group reagiert offensiv und plant die Fusion ihrer Digital-Einheit mit Tradias. Ziel ist ein europäischer Krypto-Champion mit einer Bewertung von über 500 Millionen Euro.
Die zugrunde liegende Expansionsstrategie
Kraken treibt die Tokenisierung auf mehreren Ebenen voran. Im Februar 2026 expandierte das Unternehmen xStocks auf die 360X-Plattform der Deutschen Börse Group. Kurz darauf folgte die Nasdaq-Partnerschaft. Ebenfalls Ende 2025 lancierte Kraken die weltweit ersten regulierten tokenisierten Aktien-Perpetual-Futures. Diese bieten bis zu 20-fachen Hebel für nicht-US-Kunden in über 110 Ländern.
xChange, Krakens On-chain-Trading-Engine, ermöglicht den direkten Tausch von über 70 tokenisierten Aktien auf Ethereum und Solana. So entsteht ein vollständiges Ökosystem von der Emission über den Handel bis zur DeFi-Integration. Die Partnerschaft mit Nasdaq verleiht dieser Infrastruktur nun die Anbindung an einen der grössten Börsenbetreiber der Welt.
"Tokenisierung verbessert die Marktinfrastruktur auf der Asset-Ebene, indem sie Aktien als interoperable Instrumente über regulierte Finanzsysteme und offene Blockchain-Netzwerke hinweg ermöglicht." - Arjun Sethi, Co-CEO, Payward und Kraken
Der operative Start des Nasdaq Equity Token Programs und des Gateways ist für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen. Das Programm unterliegt weiterhin regulatorischer Prüfung und bleibt für Emittenten freiwillig.








