Wells Fargo hat beim U.S. Patent and Trademark Office (USPTO) eine Markenanmeldung für den Namen "WFUSD" eingereicht. Die Anmeldung fällt unter die International Class 036 für Finanzdienstleistungen.
Die Wells Fargo-Marke deckt ein breites Spektrum ab: Kryptowährungs-Handelsdienstleistungen, digitale Asset-Übertragung, Zahlungsabwicklung, Verifizierung von Blockchain-Transaktionen, digitale Wallet-Dienste sowie Settlement via Distributed-Ledger-Technologie. Das "USD"-Suffix folgt der Namenskonvention etablierter Stablecoins wie USDC und USDT. Marktbeobachter interpretieren die Anmeldung deshalb als Vorbereitung auf einen Dollar-gepeggten Stablecoin. Wells Fargo selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu den Plänen geäussert. Die viertgrösste US-Bank nach Bilanzsumme wäre damit eines der ersten traditionellen Finanzinstitute mit einem eigenen, öffentlich vermarkteten Stablecoin-Produkt.
Grossbanken positionieren sich im Stablecoin-Markt
Die WFUSD-Anmeldung reiht sich in eine breitere Offensive der grössten US-Banken ein. Wells Fargo gehört neben JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup zu einer Gruppe von Instituten, die ein gemeinsames Stablecoin-Projekt prüfen. An den Gesprächen beteiligen sich ebenfalls Early Warning Services, der Betreiber des Zahlungssystems Zelle, sowie The Clearing House. Laut dem Wall Street Journal befindet sich das gemeinsame Vorhaben allerdings noch in einer frühen Explorationsphase.
Parallel verfolgen einzelne Institute eigene Strategien. JPMorgan betreibt mit Kinexys Digital Payments (früher JPMCoin) bereits eine interne Distributed-Ledger-Plattform für B2B-Transaktionen. Wells Fargos Markenanmeldung geht über das hinaus, was Konkurrenten bisher zeigen. Die abgedeckten Dienstleistungen umfassen nicht nur den Stablecoin selbst, sondern ein vollständiges Ökosystem: Krypto-Handel, Wallets, Zahlungsverkehr und Blockchain-basiertes Settlement. Die Bank positioniert sich so als potenzieller Full-Service-Anbieter im digitalen Zahlungsverkehr.
GENIUS Act schafft erstmals regulatorischen Rahmen
Der regulatorische Rahmen steht erstmals bereit. Präsident Trump unterzeichnete am 18. Juli 2025 den GENIUS Act. Das Gesetz schafft den ersten bundesrechtlichen Rahmen für Payment-Stablecoins in den USA. Es verpflichtet Emittenten zu einer vollständigen 1:1-Deckung durch Reserveassets: US-Dollar, Fed-Noten, kurzfristige Treasuries oder Geldmarktfonds.
Gleichzeitig verbietet das Gesetz Stablecoin-Emittenten, Zinsen oder Renditen an Halter auszuzahlen. Der Gesetzgeber grenzt Stablecoins so klar von verzinslichen Bankeinlagen ab. Für Banken wie Wells Fargo heisst das konkret: Ein Stablecoin-Produkt konkurriert nicht mit dem eigenen Einlagengeschäft, sondern ergänzt es als Zahlungsinstrument.
Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) veröffentlichte am 2. März 2026 eine Proposed Rulemaking zur Implementierung des GENIUS Act. Die Kommentarfrist läuft bis zum 1. Mai 2026. Finale Regulierungen müssen gemäss Gesetz bis zum 18. Juli 2026 stehen. Danach können Banken unter klar definierten Bedingungen Stablecoins emittieren. Genau in dieses Zeitfenster fällt Wells Fargos Markenanmeldung. Branchenüblich gehen solche Registrierungen einem Produktlaunch um 12 bis 18 Monate voraus. Die WFUSD-Anmeldung datiert auf den 15. Januar 2025, also noch vor der Unterzeichnung des GENIUS Act. Wells Fargo leistete demnach bereits vor der regulatorischen Klarheit Vorarbeit.
Blockchain-Erfahrung seit 2019
Für Wells Fargo ist Blockchain-Technologie kein Neuland. Im September 2019 stellte die Bank "Wells Fargo Digital Cash" vor. Der interne Stablecoin lief auf der R3 Corda Enterprise Blockchain. Das System ermöglichte Cross-Border-Settlements zwischen US-amerikanischen und kanadischen Niederlassungen. Es funktionierte ohne Drittpartei-Intermediäre und ausserhalb regulärer Betriebszeiten.
Darauf folgten weitere Pilotprojekte. Gemeinsam mit HSBC setzte Wells Fargo Blockchain-Technologie für das Settlement grenzüberschreitender Forex-Transaktionen in USD, CAD, GBP und EUR ein. Zusätzlich nahm die Bank am Regulated Liability Network teil, einem Pilotprojekt der New York Fed. Citi, HSBC und weitere Institute testeten dort digitale Währungen auf einer gemeinsamen Plattform.
WFUSD wäre folglich keine Kursänderung, sondern die konsequente Weiterentwicklung bestehender Infrastruktur. Wells Fargo Digital Cash war ausschliesslich für interne Zwecke konzipiert. Die WFUSD-Markenanmeldung hingegen deutet auf ein kundenseitiges Produkt hin. Digitale Wallet-Dienste und Zahlungsabwicklung richten sich nicht an Back-Office-Abteilungen. Sie zielen auf Endkunden und Geschäftspartner.








