Mastercard kauft BVNK, das Londoner Stablecoin-Infrastruktur-Startup. Der Zahlungsriese gab am 17. März eine definitive Vereinbarung bekannt und zahlt dafür bis zu 1.8 Milliarden Dollar. Davon entfallen 1.5 Milliarden Dollar auf den fixen Kaufpreis. Weitere 300 Millionen Dollar sind an Bedingungen geknüpft.
Die Transaktion ist die grösste Übernahme im Stablecoin-Infrastruktur-Bereich und übertrifft damit Stripes Kauf von Bridge für über 1.1 Milliarden Dollar. Ziel ist der Ausbau von Mastercards Kapazitäten bei digitalen Assets - insbesondere Echtzeit-Zahlungen über Währungen, Netzwerke und Regionen hinweg. BVNK erreichte 2025 ein annualisiertes Transaktionsvolumen von 30 Milliarden Dollar. Für Mastercard mit einer Marktkapitalisierung von 453 Milliarden Dollar entspricht der Maximalpreis allerdings weniger als 0.4 Prozent des Börsenwerts.
Was Mastercard mit dem BVNK-Kauf gewinnt
BVNK wurde 2021 in London gegründet und betreibt einen "stablecoin-powered financial stack" für Unternehmen. Konkret bietet das Startup On- und Off-Ramps zwischen Fiat-Währungen und Stablecoins, Settlement-Infrastruktur sowie eine B2B-Zahlungsplattform. Das Unternehmen arbeitet agnostisch gegenüber einzelnen Stablecoins und integriert gleichzeitig bestehende Systeme wie SWIFT und SEPA. Echtzeit-Settlement funktioniert so auch ausserhalb regulärer Bankzeiten.
Zu den Kunden zählen Zahlungsdienstleister wie Worldpay, Deel, Flywire und Rapyd. Als Bankpartner für Fiat-Anbindungen dienen unter anderem Barclays, BBVA, Deutsche Bank und Santander. Insgesamt gewann BVNK 2025 rund 226 neue Kunden. Das Volumen wuchs entsprechend um den Faktor 2.3 zum Vorjahr.
Besonders stark verlief der US-Markt. Seit dem Launch im Januar 2025 stieg das dortige Volumen von 100 Millionen auf 10 Milliarden Dollar annualisiert. Der annualisierte Umsatz lag zum Zeitpunkt der Series B im Dezember 2024 hingegen bei rund 40 Millionen Dollar. Daraus ergibt sich beim Fixpreis von 1.5 Milliarden Dollar ein Umsatzmultiple von rund 37x.
Coinbase verhandelte zuerst
Mastercard war nicht der erste Interessent. Bereits im Oktober 2025 traten Coinbase und BVNK in Exklusivverhandlungen über eine Übernahme zu rund 2 Milliarden Dollar. Der Deal erreichte das Due-Diligence-Stadium. In dieser Phase durfte BVNK keine Angebote anderer Bieter annehmen, darunter auch Mastercard.
Im November 2025 scheiterten die Gespräche dennoch. Ein Coinbase-Sprecher erklärte lediglich, beide Seiten hätten vereinbart, nicht weiterzumachen. Konkrete Gründe nannten weder Coinbase noch BVNK. So konnte Mastercard rund vier Monate später zuschlagen.
Bemerkenswert ist die Investorenliste. Visa Ventures stieg Anfang 2025 bei BVNK ein, verfolgte aber keine vollständige Übernahme. Citi Ventures investierte anschliessend im Oktober 2025. Haun Ventures führte die Series B im Dezember 2024 bei einer Bewertung von 750 Millionen Dollar an. Coinbase Ventures und Tiger Global waren ebenfalls beteiligt. In weniger als 18 Monaten verdoppelte sich die Bewertung nahezu auf den Fixpreis von 1.5 Milliarden Dollar.
"Wir gehen davon aus, dass die meisten Finanzinstitute und Fintechs im Laufe der Zeit digitale Währungsdienstleistungen anbieten werden, sei es mit Stablecoins oder tokenisierten Einlagen. Wir wollen sie und ihre Kunden mit einem erstklassigen, hochkonformen und interoperablen Angebot unterstützen." - Jorn Lambert, Chief Product Officer, Mastercard
Mastercards Krypto-Offensive
Die Übernahme reiht sich in eine breitere Strategie ein. Anfang März 2026 präsentierte Mastercard nämlich ein Crypto Partner Program mit über 85 Digital-Asset-Firmen. Binance, Crypto.com, Bybit, Gemini, Ripple, Circle und PayPal gehören dazu. Über das Multi-Token Network (MTN) ermöglicht der Konzern programmierbare Zahlungsflüsse. Diese umfassen tokenisierte Bankeinlagen, Stablecoins wie USDC, EURC und PYUSD sowie Real-World Assets.
Denn das Unternehmen baut systematisch an einer eigenen Krypto-Infrastruktur. Mit Crypto Credential verfügt Mastercard über eine Compliance- und Identity-Schicht für Blockchain-Transaktionen. Schliesslich brachte die jüngste Partnerschaft mit SoFi den ersten Stablecoin einer US-chartered-und-insured-Bank als Settlement-Option ins Mastercard-Netzwerk. Bereits jetzt können Nutzer Stablecoin-Guthaben bei über 150 Millionen Akzeptanzstellen weltweit ausgeben.
BVNK liefert die fehlende Infrastrukturschicht. Während Mastercard bisher den Konsumenten-Zugang und die Netzwerkanbindung kontrollierte, fehlte die B2B-Brücke zwischen Fiat und Stablecoins. Genau das ist BVNKs Kerngeschäft - Settlement-Infrastruktur für Finanzinstitute, nicht Konsumentenprodukte.
"Trotz aller Fortschritte bei der Vereinfachung der Möglichkeiten digitaler Währungen haben wir erst an der Oberfläche gekratzt. Dieser Deal vereint komplementäre Fähigkeiten, um die Zukunft des Geldes zu gestalten und umzusetzen. Gemeinsam können wir eine beispiellose Infrastruktur für digitale währungsbasierte Finanzdienstleistungen bereitstellen." - Jesse Hemson-Struthers, Co-Founder und CEO, BVNK
Stablecoin-Markt setzt Zahlungsriesen unter Druck
Der globale Stablecoin-Markt erreichte im März 2026 eine Kapitalisierung von rund 320 Milliarden Dollar. Allein 2025 wuchs er um 49 Prozent. Das Transaktionsvolumen lag bei 33 Billionen Dollar - ein Plus von 72 Prozent gegenüber 2024. Damit übertraf das Stablecoin-Volumen sowohl Visas als auch Mastercards kombiniertes Netzwerkvolumen. Tether USDT dominiert dabei mit 58 Prozent Marktanteil und über 176 Milliarden Dollar Kapitalisierung. Circle USDC folgt mit 25 Prozent und über 74 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig investiert die Konkurrenz massiv. Visa betreibt über 130 Stablecoin-verknüpfte Karten-Ausgabeprogramme in über 40 Ländern. Das annualisierte Settlement-Volumen lag bei 3.5 Milliarden Dollar. Laut Schätzungen entfallen über 90 Prozent des On-Chain-Krypto-Karten-Volumens auf Visa. Stripe integrierte nach dem Bridge-Kauf Stablecoin-Funktionalität direkt in seine APIs. PayPal expandierte seinen PYUSD-Stablecoin mit über 1 Milliarde Dollar Umlauf derweil auf Tron und Avalanche.
Regulatorische Klarheit beschleunigt die Entwicklung zusätzlich. Präsident Trump unterzeichnete im Juli 2025 den GENIUS Act. Das Gesetz schafft einen Bundesrahmen für Payment-Stablecoins mit 1:1-Reserve-Anforderungen. Die volle Implementierung steht bis Anfang 2027 an. Stablecoin-Karten-Ausgaben stiegen 2025 auf 4.5 Milliarden Dollar, ein Plus von 673 Prozent. B2B-Zahlungen über Stablecoins wuchsen annualisiert auf 226 Milliarden Dollar. Somit erhalten institutionelle Akteure wie Mastercard mit dem BVNK-Kauf Zugang zu einem der am schnellsten wachsenden Segmente im Zahlungsverkehr. Der Abschluss der Transaktion hängt von regulatorischen Genehmigungen ab. Mastercard erwartet den Vollzug vor Ende 2026.








