EZB startet digitales Euro-Projekt

Der EZB-Rat hat beschlossen, eine Untersuchungsphase des digitalen Euro-Projekts (CBDC) zu starten, welche voraussichtlich 24 Monate dauern wird. Der Entscheid wurde getroffen, nachdem in der vorläufigen Erprobungsphase keine technischen Hindernisse festgestellt worden waren.

In einer Pressemitteilung liess die EZB konkrete Schritte zur Einführung eines digitalen Euro verlauten.

  • Untersuchungsphase des digitalen CBDC Euro-Projekts soll 24 Monate dauern
  • Die Gestaltung soll auf den Vorlieben der Nutzer und der technischen Beratung durch Handel und Intermediäre beruhen
  • Bis anhin wurden keine technischen Hindernisse während der vorläufigen Erprobungsphase identifiziert

„Es ist neun Monate her, als wir unseren Bericht über einen digitalen Euro veröffentlicht haben. In dieser Zeit haben wir weitere Analysen durchgeführt, Beiträge von Bürgern und Fachleuten eingeholt und einige Experimente durchgeführt – mit ermutigenden Ergebnissen. All dies hat uns dazu veranlasst, einen Gang höher zu schalten und das Projekt des digitalen Euro zu starten. Mit unserer Arbeit wollen wir sicherstellen, dass Bürger und Unternehmen auch im digitalen Zeitalter Zugang zur sichersten Form des Geldes, dem Zentralbankgeld, haben.“ – Christine Lagarde, EZB-Präsidentin.

Untersuchungsphase

Die Untersuchungsphase wird 24 Monate dauern und zielt darauf ab, Schlüsselfragen zur Gestaltung und Verteilung zu klären. Ein digitaler Euro muss in der Lage sein, die Bedürfnisse der Europäer zu erfüllen und gleichzeitig dazu beitragen, illegale Aktivitäten zu verhindern und unerwünschte Auswirkungen auf die Finanzstabilität und die Geldpolitik zu vermeiden. Dies greift einer künftigen Entscheidung über die mögliche Ausgabe eines digitalen Euro nicht vor. In jedem Fall würde ein digitaler Euro das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen.

„Wir werden mit dem Europäischen Parlament und anderen europäischen Entscheidungsträgern zusammenarbeiten und sie regelmässig über unsere Ergebnisse informieren. Bürger, Händler und die Zahlungsverkehrsbranche werden ebenfalls miteinbezogen.“ – EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta, Vorsitzender der hochrangigen Task Force für einen digitalen Euro.

Während der Untersuchungsphase des Projekts wird sich das Eurosystem auf ein mögliches funktionales Design konzentrieren, das sich an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert. Es wird Fokusgruppen, Prototyping und konzeptionelle Arbeit beinhalten. In der Untersuchungsphase werden die Anwendungsfälle untersucht, die ein digitaler Euro vorrangig bieten sollte: eine risikolose, zugängliche und effiziente Form von digitalem Zentralbankgeld.

EU-Rechtsrahmen

Das Projekt wird auch Aufschluss darüber geben, welche Änderungen des EU-Rechtsrahmens erforderlich sein könnten, die mit den europäischen Mitgesetzgebern diskutiert und von diesen beschlossen werden sollen. Die EZB wird während der gesamten Untersuchungsphase des Projekts weiterhin mit dem Europäischen Parlament und anderen europäischen Entscheidungsträgern zusammenarbeiten. Auch die technische Arbeit am digitalen Euro mit der Europäischen Kommission wird intensiviert werden.

Schliesslich werden in der Untersuchungsphase auch die möglichen Auswirkungen eines digitalen Euro auf den Markt bewertet. Ebenso sollen Gestaltungsoptionen zur Gewährleistung des Datenschutzes und zur Vermeidung von Risiken für die Bürger des Euroraums, die Intermediäre und die Gesamtwirtschaft identifiziert werden. Zudem wird sie auch ein Geschäftsmodell für beaufsichtigte Intermediäre innerhalb des digitalen Euro-Ökosystems definieren. Während der Untersuchungsphase soll eine beratende Marktgruppe die Ansichten der potenziellen Nutzer und Händler über einen digitalen Euro berücksichtigen. Diese Ansichten werden auch im Euro-Retail Payments Board diskutiert werden.

Erkenntnisse

Die Untersuchungsphase wird von der experimentellen Arbeit profitieren, die von der EZB und den nationalen Zentralbanken des Euroraums in den letzten neun Monaten durchgeführt wurde und an der Teilnehmer aus der Wissenschaft und dem privaten Sektor beteiligt waren.

Die Experimente wurden in den folgenden vier Bereichen durchgeführt:

  • Der digitale „Euro-Ledger“
  • Datenschutz und Geldwäschebekämpfung
  • Begrenzung des digitalen Euro-Umlaufs
  • Zugang für Endnutzer, die nicht mit dem Internet verbunden sind, sowie die Erleichterung der Inklusion durch geeignete Geräte.

Es wurden keine grösseren technischen Hindernisse für eine der bewerteten Gestaltungsoptionen festgestellt.

Sowohl das TARGET Instant Payment Settlement (TIPS) des Eurosystems als auch Alternativen wie die Blockchain erwiesen sich als fähig, mehr als 40.000 Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten. Die Experimente legten auch nahe, dass Architekturen, die zentrale und dezentrale Elemente kombinieren, möglich sind.

Diesen Experimenten zufolge wäre eine digitale Euro-Kerninfrastruktur umweltfreundlich: Bei den getesteten Architekturen ist der Stromverbrauch für Zehntausende von Transaktionen pro Sekunde vernachlässigbar im Vergleich zum Energieverbrauch von Krypto-Assets wie Bitcoin.

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