Die Ethereum Foundation kürzt ihr Jahresbudget 2026 um rund 40 Prozent und streicht 54 Stellen, was etwa 20 Prozent ihrer Belegschaft entspricht. Damit zieht sich die Stiftung von ihrer Rolle als zentraler Entwicklungsmotor zurück und ordnet sich als schlankes Endowment in fünf Cluster neu.
Die Ethereum Foundation ist eine 2014 im Schweizer Zug gegründete Stiftung, die historisch als primäre Hüterin des Ethereum-Protokolls fungierte. Sie finanzierte Forschung, vergab Grants, koordinierte die Protokoll-Entwicklung und richtete die jährliche Devcon-Konferenz aus. Den Boden für den Umbau bereitete bereits eine Treasury-Policy vom Juni 2025, die einen Gleitpfad der jährlichen Ausgaben von rund 15 auf 5 Prozent des Stiftungsvermögens bis 2030 vorsah. Ein neues, 38-seitiges Mandat vom März 2026 positionierte die Stiftung anschliessend als „eine von mehreren Hüterinnen" statt als alleinige Instanz. Das Stiftungsvermögen wird auf über 820 Mio. USD geschätzt, davon rund 735 Mio. USD in Form von 172'650 ETH. Der Umbau fällt allerdings in ein schwaches Umfeld: Der ETH-Kurs notiert bei rund 1'650 USD und hat seit seinem Höchststand von etwa 4'950 USD im August 2025 rund 67 Prozent verloren.
Fünf Cluster statt zentralem Entwicklungsmotor
Die neue Struktur gliedert die Arbeit der Stiftung in fünf Cluster. Der Protocol Layer bündelt die Kernprotokoll-Entwicklung, Skalierung und Sicherheit, darunter Post-Quanten-Kryptografie, zkEVMs und MEV-Reduktion. Der Access Layer baut Infrastruktur für Nutzer und Software-Agenten und folgt dem Leitprinzip „Zero Option", wonach stets eine glaubwürdige, nicht-vermittelte Alternative bestehen muss. Daneben stehen ein User Layer für Nutzungsforschung ohne eigenes Produktstudio, ein Community Layer für Open-Source-Verbindungen und Datenschutz-Advocacy sowie ein Institutional Layer für die Arbeit mit Banken, Regierungen und Universitäten. Hinzu kommt ein Operations-Cluster für interne Funktionen.
Als gemeinsamen Filter über alle Cluster legte Buterin das sogenannte CROPS-Framework fest, das fünf Prioritäten bündelt: Zensurresistenz, Schutz vor Vereinnahmung, Offenheit, Privatsphäre und Sicherheit. An diesen Kriterien sollen sich künftige Investitionen und Projekte messen lassen. Im Zuge des Umbaus löst die Stiftung zudem die bisher eigenständige Einheit Privacy and Scaling Explorations (PSE) auf, ihren Inkubator für ZK-Proofs, Privacy und Scaling. Die ZK-Arbeit selbst stellt sie jedoch nicht ein, sondern integriert sie direkt in den Protocol und den Access Layer. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der Exploration hin zur Implementierung. Künftig erwartet die Stiftung ferner eine stärkere Spezialisierung der Execution- und Consensus-Clients statt redundanter Parallelimplementierungen, während KI-gestützte Formal Verification Ressourcen für spezialisierte Funktionen freisetzen soll.
Als strategischen Horizont nennt die Stiftung die sogenannte Strawmap, einen Fahrplan, der nahezu jede grössere Protokollkomponente ersetzen oder verbessern soll, von Konsens über Beweise bis zu Accounts und State Management. Vitalik Buterin ordnet dies als dritte grosse Ethereum-Iteration nach Proof-of-Work und The Merge ein. Nach Abschluss der Strawmap soll die Protokollentwicklung langfristig auf Sicherheitskorrekturen und wenige hochwertige Verbesserungen beschränkt bleiben, orientiert an der konservativen Basisschicht von Bitcoin.

Spending-Rate sinkt von 15 auf 5 Prozent bis 2030
Den finanziellen Rahmen liefert die Treasury-Policy vom Juni 2025. Sie legt einen linearen Gleitpfad fest, der die jährliche Spending-Rate von rund 15 Prozent des Stiftungsvermögens auf eine Zielmarke von 5 Prozent bis 2030 absenkt. Die aktuelle Budgetkürzung um 40 Prozent markiert somit einen ersten konkreten Schritt auf diesem Weg. Die Stiftung selbst beschreibt den Übergang als „Subtraction"-Strategie, also als Abkehr vom aktiven Entwicklungsmotor hin zum schlanken Endowment-Geber.
Parallel dazu bewirtschaftet die Stiftung ihr Vermögen aktiver, um Erträge zu erzielen statt es nur zu verbrauchen. Seit Februar 2026 stakt sie 70'000 ETH über die Open-Source-Infrastruktur von Bitwise. Zusätzlich deponierte sie knapp 19 Mio. USD in Morpho Vaults, dem nach Total Value Locked zweitgrössten DeFi-Lending-Protokoll. Eine erste Tranche von rund 11.3 Mio. USD floss im Oktober 2025, eine zweite über 3'400 ETH (etwa 7.5 Mio. USD) folgte im März 2026. Auffällig ist, in welcher Nachbarschaft sich die Stiftung damit bewegt: An Morpho hält der Private-Equity-Riese Apollo Global Management mit einem verwalteten Vermögen von rund 940 Mrd. USD eine Token-Beteiligung von bis zu 9 Prozent. Die EF investiert ihr Endowment somit in eine Infrastruktur, die zunehmend auch institutionelles Kapital anzieht.
Auch die Devcon dürfte den Sparkurs zu spüren bekommen. Die Stiftung plant künftige Ausgaben der Konferenz kleiner, kostengünstiger und mit deutlich geringerem Defizit.
Führungswechsel und Ethlabs als Parallelstruktur
Dem Stellenabbau ging eine Serie von Abgängen voraus. Seit Januar 2026 haben mindestens neun Senior-Führungskräfte und -Forscher die Stiftung verlassen. Co-Executive Director Tomasz Stańczak trat im Februar zurück, Hsiao-Wei Wang gab jüngst nach acht Jahren bei der Stiftung ihren Posten als Co-Executive Director und Board-Mitglied auf. Auch Josh Stark, Trent Van Epps, Tim Beiko, Barnabé Monnot, Carl Beek und Julian Ma gingen. Als amtierender alleiniger Executive Director verbleibt Bastian Aue.
Für die Verbleibenden, die nun gehen, gelten standardisierte Konditionen: Die Abfindung bemisst sich nach dem höheren Wert aus einem Monatsgehalt pro Arbeitsjahr oder dem jeweiligen jurisdiktionalen Mindestbetrag, ergänzt um Karriere-Coaching und kleine Übergangszuschüsse. Auffällig ist daneben das Timing einer Parallelgründung: Einen Tag vor dem Blogpost zur Umstrukturierung riefen fünf ehemalige EF-Forscher Ethlabs ins Leben, ein unabhängiges gemeinnütziges Forschungslabor. Hinter dem Vorhaben von Ansgar Dietrichs, Barnabé Monnot, Caspar Schwarz-Schilling, Josh Rudolf und Julian Ma stehen Joe Lubin sowie über 50 Community-Partner, darunter Bitmine, SharpLink und Anchorage. Damit entsteht ausserhalb der Stiftung eine zweite Instanz für Protokollforschung.








