Die Deutsche Bank steht nach Angaben von Corporate-Bank-Co-Chef Gerald Podobnik nur noch Wochen vor dem Start ihres Krypto-Custody-Dienstes für Firmenkunden. Bereits 2027 will die Bank die Plattform in asiatische Finanzzentren ausweiten.
Custody bedeutet Verwahrung: Die Bank hält für ihre Kunden die Wallets und privaten Schlüssel, damit Unternehmen keine eigene Infrastruktur aufbauen müssen. Die Deutsche Bank ist das grösste Geldhaus des Landes, Podobnik arbeitet seit 23 Jahren für das Institut. Am Rand der IWF- und Weltbank-Tagung in Bangkok bestätigte er gegenüber Reuters den nahen Start. Zuvor hatte die Bank den Dienst für institutionelle Kunden in Europa im September offiziell angekündigt. Der Vorlauf reicht allerdings mehrere Jahre zurück. 2023 beteiligte sie sich etwa am Schweizer Custody-Anbieter Taurus. Der Schritt gehört zur Strategie, das Firmenkundengeschäft bis 2028 jährlich um 8% wachsen zu lassen.
Was die Bank verwahrt und für wen
Der Dienst deckt zwei Funktionen ab. Kunden können digitale Assets bei der Bank verwahren und an Dritte übertragen. Zum Start umfasst das Angebot Bitcoin und Ether sowie die Stablecoins beziehungsweise E-Geld-Token USDC, EURC und EURAU. Weitere Assets kommen je nach Nachfrage und internen Freigabeprozessen hinzu, tokenisierte Finanzinstrumente sind ebenfalls vorgesehen. EURAU stammt aus dem eigenen Konzernumfeld. Den Euro-Stablecoin gibt AllUnity heraus, ein Joint Venture von DWS, dem Vermögensverwalter der Deutschen Bank, mit Galaxy und Flow Traders. Im Juli 2025 erhielt AllUnity von der BaFin eine Lizenz als E-Geld-Institut und darf somit unter MiCA emittieren. Seit Ende Juli 2025 läuft der Token auf Ethereum. Damals machten Euro-Stablecoins rund 0.2% des gesamten Stablecoin-Marktes aus.
Bei der Sicherheit setzt die Bank auf hardwarebasierte Schlüsselerzeugung, Funktionstrennung und Mehrpersonen-Freigaben. Warm Storage und Cold Storage laufen in getrennten Umgebungen, hinzu kommen eine redundante Infrastruktur sowie kontrollierte Backup- und Wiederherstellungsverfahren. Für definierte technische Komponenten greift das Institut jedoch auf externe Technologie- und Infrastrukturanbieter zurück. Deren Namen nennt es nicht.
Zum Start richtet sich der Dienst an Kunden der Corporate Bank und der Investment Bank in Europa. Dazu zählen Unternehmen, Asset Manager, Hedgefonds, Custodians, Broker und staatliche Institutionen. Privatkunden bleiben hingegen aussen vor. Ausserdem weist die Bank darauf hin, dass Krypto-Assets keiner Einlagensicherung wie bei qualifizierten Bankeinlagen unterliegen.
Gestaffelter Start unter regulatorischem Vorbehalt
Der angekündigte Zeitplan steht unter Vorbehalt. Schon in der Mitteilung vom September knüpfte die Bank den Start mit ersten Kunden an den geltenden regulatorischen Zeitplan. Ein Sprecher erklärte damals gegenüber Cointelegraph, die Bank erwarte die Lizenz für das Angebot im Oktober unter MiCA. Der Reuters-Bericht vom Oktober erwähnt hingegen keine Lizenz.
Das Fachportal MiCAwatch meldet einen Eintrag im MiCA-Register der ESMA, der die Deutsche Bank als Krypto-Dienstleister unter BaFin-Aufsicht führt. Er umfasst demnach nur Verwahrung und Transfer und gilt allein für Deutschland. Die Bank selbst hat das bislang nicht bestätigt. Seit Anfang Juli 2026 sind die MiCA-Übergangsfristen abgelaufen. Eine nationale Zulassung lässt sich unter dem Regelwerk zudem im gesamten EWR nutzen. Einen solchen Pass weist der gemeldete Eintrag jedoch nicht aus.
Inhaltlich führt die Bank die Dienste gestaffelt ein. Zunächst geht es um die Verwahrung grosser Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether. Später sollen Dienste folgen, mit denen Kunden Geld in gängige Stablecoins und wieder heraus bewegen können. Die Verwahrung von USDC, EURC und EURAU gehört somit zum Start, die Ein- und Auszahlung über diese Token erst zu einer späteren Stufe. Auf der Liste stehen ausserdem tokenisierte Einlagen und Hilfe bei der Emission blockchainbasierter Wertpapiere wie digitaler Anleihen. Laut Podobnik entwickelt die Bank den Service entlang von Kundennachfrage, regulatorischen Anforderungen und eigener Risikobereitschaft weiter.
Vier deutsche Banken waren schneller
Für die Deutsche Bank ist es der erste eigene Custody-Dienst für Kunden, nicht das erste Krypto-Engagement. Ursprünglich machte sie Ambitionen in der Krypto-Verwahrung schon 2020 öffentlich. Im Februar 2023 beteiligte sie sich an der Series-B-Runde von Taurus über 65 Mio. USD. Sieben Monate später folgte eine Partnerschaft mit dem Anbieter für Custody und Tokenisierung. Ende 2024 tauchten Berichte über einen eigenen Ethereum-Layer-2 auf Basis von ZKsync auf. Im Juni 2025 erwog Sabih Behzad, Leiter Digital Assets, einen Einstieg in Stablecoins bis hin zu einem eigenen Token. Bloomberg berichtete im Juli 2025 unter Berufung auf anonyme Quellen, die Bank entwickle den Custody-Dienst für 2026 mit der Technologie-Einheit von Bitpanda. Taurus sei ebenfalls beteiligt. Bitpanda wollte das weder bestätigen noch dementieren. Die offizielle Mitteilung von 2026 nennt dagegen keinen Partner.
Im Heimmarkt kommt das Institut damit vergleichsweise spät. Die Commerzbank erhielt bereits im November 2023 eine Kryptoverwahrlizenz der BaFin. Seit April 2024 bietet die LBBW Krypto-Custody auf Basis der Bitpanda-Plattform an. Im Dezember 2025 erhielt die DZ Bank die MiCA-Zulassung für ihre Plattform meinKrypto. Ebenso hält die DekaBank eine BaFin-Verwahrlizenz und baut den Krypto-Handel für Sparkassen-Kunden auf. Gemäss Bloomberg war dessen Start bis Sommer 2026 geplant. Folglich trifft die Deutsche Bank auf Konkurrenten, die bereits eine Lizenz halten oder am Markt sind.
Auffällig ist eine Lücke beim Euro-Stablecoin. Das Bankenkonsortium Qivalis mit Sitz in Amsterdam hat bei der niederländischen Zentralbank eine E-Geld-Lizenz beantragt. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem BNP Paribas, ING, UniCredit, DZ Bank und DekaBank. Die Deutsche Bank gehört nicht dazu, wenngleich ihr Vermögensverwalter DWS über AllUnity einen eigenen Euro-Stablecoin mitträgt.
Asien-Expansion ohne festen Fahrplan
Nach dem Start in Deutschland soll die Plattform 2027 in asiatische Finanzzentren expandieren. Welche Städte die Bank anvisiert, ist nicht bekannt. Einen Zeitplan für lokale Zulassungen hat sie ebenso wenig vorgelegt. Der Asien-Plan ist deshalb vorerst ein Ziel und kein fester Termin. Strategisch gehört er zum Wachstumsprogramm der Corporate Bank. Als Quelle neuer Wertpools nennt Podobnik dabei die Stablecoin-Bestände von Hunderten Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig positioniert er die Blockchain-Angebote als Ergänzung zum bestehenden Geschäft. Auch die Mitteilung vom September beschreibt die Lösung als Ergänzung des traditionellen Finanzsystems. Das heutige Geschäft sollen die neuen Angebote laut Podobnik "nicht zwingend" ersetzen.
"Ich glaube, dass wir als Finanzsystem unseren Kunden tokenisierte oder Blockchain-Lösungen als zusätzliche Dienstleistungen neben unseren traditionellen anbieten müssen." - Gerald Podobnik, Co-Head Corporate Bank, Deutsche Bank








