Ren Protocol: Interview mit COO Michael Burgess

Decentralized Finance (DeFi) zählt zum expansivsten Sektor im Kryptoraum. Ein wichtiger DeFi Baustein bilden sogenannte „wrapped Token“. Sie erlauben Blockchainübergreifende Transaktionen. In diesem Bereich ist das Interoperabilitäts-Projekt Ren tätig.

Ren ist ein öffentliches Protokoll, das den reibungslosen Transfer von Werten zwischen Blockchains ermöglicht (Interoperabilität). Das Kernprodukt, RenVM, bringt Interoperabilität in die dezentrale Finanzwelt (DeFi). Ren wurde im Jahr 2017 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Singapur. Eine Finanzierungsrunde über $34 Mio. wurde im Februar 2018 abgeschlossen, ein Jahr später folgte die Mitbegründung von WBTC.

Der REN-Token wird als Anleihe verwendet, um einen Node im Netzwerk zu betreiben zu können. Diese Nodes treiben das sMPC-Protokoll (RenVM) an. Nutzer benötigen 100’000 REN, um einen Node zu betreuen. Als Entlohung für ihren Beitrag zum Netzwerk dienen verschiedene Kryptowährungen (BTC, ETH, ZEC, DOGE, etc.).  Mehr Informationen über den Betrieb eines Nodes ist hier ersichtlich.

Ein Gespräch mit Michael Burgess, COO des Interoperabilitäts-Projekts Ren, über Herausforderungen und Zukunft im Bereich der dezentralen Finanzen.

CVJ.CH: Der DeFi-Bereich bekommt im Moment eine Menge Aufmerksamkeit, was sind Ihre Gedanken zu den jüngsten Entwicklungen?

Michael Burgess: Vor 2020 war DeFi eher ein Experiment, doch seit dem Sommer 2020 hat DeFi begonnen, mehr Nutzen und nachhaltige Renditen zu generieren als traditionelle Finanzprodukte. Das ist meiner Meinung nach der Katalysator und das, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt hat.

Angesichts der globalen Reichweite und der Kompositionsfähigkeit (der Fähigkeit, Finanzprodukte zu kombinieren und „übereinander zu stapeln“) hat die Funktionalität von DeFi die traditionelle Finanzwelt nun wirklich in den Schatten gestellt. Dies eröffnet eine neue Ära für das gesamte Finanzwesen.

Welche Rolle spielt Ren im aktuellen Krypto-Ökosystem?

RenVM dient als eine Art Adapter, der es ermöglicht, Liquidität (Werte, Token, digitale Vermögenswerte, etc.) frei zwischen Blockchains zu bewegen. So kann nun fast jede Blockchain dezentrale Finanzanwendungen nutzen, nicht nur Ethereum-basierte Vermögenswerte. Der offensichtlichste Fall ist BTC.

Können Sie erklären, was ein „wrapped Token“ ist?

Im Wesentlichen konvertiert er das ursprüngliche Format des Token in das Format einer anderen Blockchain (z.B. macht er Bitcoin kompatibel mit Ethereum). Das beste Beispiel ist $renBTC, im Grunde $BTC aber „wrapped“, um in das Token-Format von Ethereum (d.h. ERC-20) zu passen.

Wie erklären Sie sich den jüngsten Boom für tokenisierte Bitcoin (z.B. renBTC & WBTC)?

Es ist ganz einfach, wir geben Bitcoin einen grösseren Nutzen, indem wir dem Anwender die Möglichkeit geben, in DeFi zu investieren und somit Renditen, Zinsen, Handelsgebühren, etc. zu verdienen. Zuvor konnte man Bitcoin eigentlich nur halten und den Preisbewegungen ausgesetzt sein. Jetzt kann man beides tun; das Geld arbeiten lassen und gleichzeitig vom Preisanstieg profitieren.

Wodurch unterscheidet sich Ren von Interoperabilitäts-Projekten wie Polkadot?

RenVM bringt Interoperabilität zu existierenden Plattformen und Infrastrukturen (z.B. Ethereum). Andere Projekte hingegen müssen neue Applikationen auf dem eigenen Protokoll aufbauen. Angesichts der Kompositionsfähigkeit von RenVM (die Fähigkeit, sich in bestehende Anwendungen einzufügen) bietet es einen sehr einzigartigen Vorteil, den meines Wissens kein anderes Protokoll mit sich bringt.

Glauben Sie, dass Regulierung in Zukunft eine Herausforderung sein könnte und wie gehen Sie im Moment damit um?

Mehr Regulierung ist in irgendeiner Form unvermeidlich und wahrscheinlich positiv für die Branche. Da Ren eine Infrastrukturebene ist (wie z.B. Ethereum, Bitcoin, etc.), glauben wir, dass die Last eher auf die Endnutzer-Anwendungen oder Fiat-On/Off-Ramps fallen wird. Diese auf arbeiten schliesslich auf juristischer Ebene.

Wird die alte und neue Finanzwelt in Zukunft „verschmelzen“?

Ja, sie werden sicherlich fusionieren. Es ist nur eine Frage der Zeit und hängt von dem Zeitrahmen ab, in dem man gesellschaftliche Veränderungen sieht.

Wo sehen Sie DeFi in zwei Jahren und welche Rolle spielt Ren?

Wenn alles gut geht, sollte DeFi als Grundlage für einen neuen globalen Finanzmarkt dienen. Dort können Werte und Produkte frei und unabhängig von Ihrem Standort zirkulieren. Was Ren betrifft, so ist die Erleichterung des reibungslosen Werteflusses, unabhängig von der Blockchain, unser Kernauftrag. Wir hoffen also, als Autobahn zu dienen, auf der all diese Infrastrukturen letztlich miteinander verbunden werden.

Wo können unsere Leser mehr erfahren?

Folgen Sie uns auf Twitter, dort werden alle wichtigten Updates veröffentlicht.


Michael Burgess, Ren COOMichael Burgess ist der COO von Ren, einem Interoperabilitätsprotokoll, das Blockchainübergreiffende Vermögenswerte in DeFi integriert. Er arbeitet auch mit Branchenverbänden zusammen, um das Feld weiter voranzubringen und sich für eine vernünftige Politik auf internationalem Level einzusetzen. Michael ist formal ausgebildeter Wirtschaftswissenschaftler und hat vor seiner Tätigkeit bei Ren für eine internationale Akkreditierungsstelle politische und regulatorische Rahmenbedingungen entworfen.

Share.

Über den Autor

Redaktion cvj.ch

Die CVJ Redaktion besteht aus einem Team von Blockchain Experten und informiert täglich und unabhängig über die spannendsten Neuigkeiten.

dobalance