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    Bitcoin Depot meldet Chapter 11 an und schaltet 9'000 Krypto-ATMs ab. Regulatorischer Druck zwingt den Nasdaq-Konzern in die Abwicklung.

    ATM-Anbieter Bitcoin Depot stellt Betrieb ein und meldet Insolvenz an

    von Redaktion cvj.ch am 18. Mai 2026 News

    Nordamerikas grösster Betreiber von Bitcoin-Geldautomaten hat Insolvenz angemeldet und sein gesamtes Kiosknetz abgeschaltet. Dabei reichte die in Atlanta ansässige Bitcoin Depot Inc. (Nasdaq: BTM) die freiwilligen Chapter 11-Petitionen beim U.S. Bankruptcy Court for the Southern District of Texas ein.

    Über 9'000 Kiosk-Standorte in 47 US-Bundesstaaten gingen gleichzeitig vom Netz, hinzu kommt das internationale Geschäft. Das Verfahren zielt auf eine geordnete Abwicklung des Betriebs und den Verkauf der Vermögenswerte unter Gerichtsaufsicht. Das Filing beziffert Aktiva und Passiva jeweils mit 10 bis 50 Mio. USD. Damit endet die Geschichte des bislang grössten börsennotierten Krypto-ATM-Anbieters, der erst 2023 über einen SPAC-Merger an die Nasdaq gelangt war. Es ist der grösste Konkursfall, den diese Branche bislang erlebt hat.

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    Regulatorischer Druck als zentraler Auslöser

    CEO Alex Holmes nennt die regulatorische Verschärfung als Hauptgrund. «Das regulatorische Umfeld für BTM-Betreiber hat sich erheblich verändert. Das aktuelle Geschäftsmodell des Unternehmens ist nicht mehr tragfähig», erklärte er in der Pressemitteilung. In den vergangenen Monaten griffen mehrere US-Bundesstaaten zu harten Mitteln gegen Krypto-Geldautomaten.

    Indiana verbot im März 2026 als erster Staat den Betrieb von Bitcoin-ATMs vollständig, Tennessee zog im April nach, Minnesota folgte. Parallel setzte Connecticut die Money-Transmission-Lizenz von Bitcoin Depot aus und stellte im April eine vorläufige Cease-and-Desist-Verfügung mit dem Ziel des Lizenzentzugs aus. Massachusetts-Generalstaatsanwältin Andrea Campbell reichte im Februar Klage wegen angeblicher Beihilfe zu Kryptobetrug ein. Auch der Generalstaatsanwalt von Iowa zog wegen irreführender Preisgestaltung und Duldung bekannter Betrugsmuster vor Gericht.

    Der Druck hat einen quantifizierbaren Hintergrund. Das FBI registrierte 2025 insgesamt 13'460 Anzeigen wegen Betrug an Krypto-Kiosken. Die gemeldeten Schäden summierten sich auf 389 Mio. USD - ein Anstieg um 58% gegenüber dem Vorjahr. Bitcoin Depots Geschäftsmodell basierte auf hohen Transaktionsgebühren und richtete sich primär an nicht-bankverbundene Bevölkerungsgruppen, also genau jene Klientel, die in der FBI-Statistik überproportional als Opfer auftaucht.

    Finanzielle Erosion in Rekordtempo

    Die Quartalszahlen dokumentieren einen abrupten Zusammenbruch. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 brach auf 83.5 Mio. USD ein, ein Rückgang um 49.2% gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Bruttogewinn fiel von 31.2 auf 4.5 Mio. USD, ein Minus von 85.5%. Aus einem Nettogewinn von 12.2 Mio. USD wurde ein Nettoverlust von 9.5 Mio. USD. Die Betriebskosten stiegen um 32.3%, getrieben durch Rechts- und Compliance-Aufwand.

    Entsprechend rapide verschlechterte sich die Liquiditätslage. Der Kassenbestand sank zwischen Dezember 2025 und März 2026 von 65.6 auf 44.0 Mio. USD. Allein im vierten Quartal 2025 fielen über 20 Mio. USD an Rechtsurteilen und Vergleichskosten an. Ein Hackerangriff im April 2026 entzog dem Unternehmen weitere 3.7 Mio. USD aus seinen Krypto-Wallets. Hinzu kam eine vom Management gemeldete «material weakness» bei der Cash-in-Transit-Abstimmung, weshalb der Q1-Bericht nicht fristgerecht erschien.

    Die Aktie reagierte entsprechend. BTM verlor in den sechs Monaten vor der Insolvenzanmeldung 79.5% an Wert. Nach dem Schlusskurs von 2.93 USD am Freitag rutschte der Kurs im Premarket-Handel auf rund 0.77 USD ab, ein Minus von 74%. Die Marktkapitalisierung lag zum Zeitpunkt der Insolvenz bei lediglich rund 9.73 Mio. USD.

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    Strukturierter Wind-Down ohne DIP-Finanzierung

    Mehrere Tochtergesellschaften gehören zum Verfahren, darunter BCD Merger Sub LLC, BitAccess Inc., Bitcoin Depot Operating LLC und BT HoldCo LLC. Auch die kanadischen Einheiten gliedert das Gericht in den US-Prozess ein. Weitere internationale Gesellschaften wickeln sich hingegen nach lokalem Recht ab. Die Insolvenzanmeldung löste einen Default unter dem bestehenden Term-Loan-Kreditvertrag aus. Vollstreckungsmassnahmen der Gläubiger sind durch das Insolvenzrecht jedoch automatisch ausgesetzt.

    Bemerkenswert ist das Fehlen einer Debtor-in-Possession-Finanzierung. Bitcoin Depot kommunizierte keine externe Liquiditätsbrücke. Vieles deutet darauf hin, dass der Verkaufsprozess aus den vorhandenen 44 Mio. USD Kassenbestand laufen soll. Zur Steuerung des Verfahrens berief das Unternehmen Ivona Smith in das Restructuring Committee, mit einer Vergütung von 30'000 USD pro Monat zuzüglich Tagessätzen. Vinson & Elkins LLP fungiert als Rechtsbeistand, Portage Point Partners als Restrukturierungsberater, Kroll Restructuring Administration übernimmt die Forderungsverwaltung.

    Sämtliche Mitarbeitende erhielten WARN-Act-Kündigungsbenachrichtigungen. Die Entlassungen der Führungsebene werden zum 17. Juli 2026 wirksam, entsprechend der gesetzlichen 60-Tage-Frist. Holmes selbst hatte den CEO-Posten erst im März 2026 übernommen - mitten in der Eskalationsphase der regulatorischen Auseinandersetzungen.

    Konsolidierung im Krypto-ATM-Sektor

    Bitcoin Depot entstand 2016 in Atlanta und galt mit deutlichem Abstand als Marktführer. Der zweitgrösste Anbieter CoinFlip betreibt rund 5'289 ATMs und kommt auf einen Weltmarktanteil von 13.6%. In den USA standen Anfang 2025 noch rund 29'851 Bitcoin-ATMs, die globale Marktgrösse lag bei rund 356 Mio. USD. Mit dem Wegfall von über 9'000 Standorten verändert sich die Branchenstruktur erheblich.

    Der Fall reiht sich in eine längere Insolvenzserie ein. Coin Cloud, ein weiterer US-Krypto-ATM-Betreiber, hatte bereits 2023 Insolvenz angemeldet. Pikant: Bitcoin Depot kaufte im zweiten Quartal 2025 noch Treasury-Bitcoin und überschritt mit Käufen von 51 und 11 BTC die Marke von 100 BTC. Die Krise spitzte sich also innerhalb weniger Quartale dramatisch zu - getrieben weniger durch operative Fehlentscheidungen als durch eine koordinierte regulatorische Welle auf bundesstaatlicher Ebene.

    Für die verbleibenden Anbieter wirkt der Fall als Warnsignal. Die regulatorische Argumentation der Bundesstaaten zielt direkt auf das Kerngeschäftsmodell: hohe Gebühren bei Bargeld-zu-Krypto-Tausch, kombiniert mit Compliance-Lücken in Geldwäscheprävention und Betrugsschutz. Solange das FBI weiter steigende Betrugsschäden ausweist und Bundesstaaten Verbote sowie Lizenzentzüge als Werkzeug nutzen, bleibt das Bargeld-Kiosk-Modell unter strukturellem Druck. Am 17. Juli 2026 markiert die Wirksamkeit der WARN-Act-Kündigungen das formale Ende von Bitcoin Depot.

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    Redaktion cvj.ch

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