Das Office of Information and Regulatory Affairs (OIRA) hat am 24. März seine Überprüfung eines Regelvorschlags des US-Arbeitsministeriums abgeschlossen. Die Regelung trägt den Titel "Fiduciary Duties in Selecting Designated Investment Alternatives".
Diese soll Kryptowährungen und andere alternative Anlagen in amerikanischen 401(k)-Altersvorsorgeplänen ermöglichen. Der grösste private Altersvorsorge-Markt der Welt rückt damit einen Schritt näher an digitale Assets. Knapp 14 Billionen USD stecken im 401(k)-System. Über 90 Millionen Amerikaner in sogenannten Defined-Contribution-Plänen haben bislang keinen Zugang zu alternativen Anlagen - weder zu Krypto noch zu Private Equity oder Venture Capital. Das Department of Labor (DOL) kann den Vorschlag nun in den kommenden Wochen zur öffentlichen Kommentierung veröffentlichen.
Regulatorischer Safe Harbor für Arbeitgeber
Kernstück des Regelvorschlags ist ein regulatorischer "Safe Harbor". Er soll Arbeitgeber vor Klagen wegen Treuepflichtverletzung schützen, wenn sie alternative Anlagen in ihre 401(k)-Pläne aufnehmen. Denn genau diese fehlende Rechtssicherheit war bislang das grösste Hemmnis. Arbeitgeber fürchteten Haftungsrisiken bei Underperformance oder hohen Gebühren alternativer Produkte.
Das ERISA-Gesetz von 1974 verpflichtet Treuhänder zu strengen Sorgfaltspflichten gegenüber Planteilnehmern. Ohne klaren regulatorischen Rahmen mieden Planverwalter komplexere Anlageklassen. Der Safe Harbor würde dieses Risiko erheblich reduzieren und Arbeitgebern erstmals einen definierten rechtlichen Rahmen für Krypto-Assets, Private Credit, Immobilien und Infrastrukturprojekte geben.
Bei 401(k)-Plänen kommt ein strukturelles Problem hinzu. Anders als professionell verwaltete Defined-Benefit-Pläne sind sie teilnehmergesteuert und erfordern eine tägliche Bewertung. Illiquide Positionen wie Private Equity oder bestimmte Krypto-Anlagen stellen daher besondere Anforderungen an die Produktstruktur.
Executive Order als Ausgangspunkt
Präsident Trump unterzeichnete am 7. August 2025 eine Executive Order mit dem Titel "Democratizing Access to Alternative Assets for 401(k) Investors". Sie wies das Arbeitsministerium an, innerhalb von 180 Tagen die ERISA-Richtlinien für alternative Anlagen zu überprüfen. Die Frist lief am 3. Februar 2026 ab.
Bereits im August 2025 hob das DOL ein verschärfendes Supplementary Statement aus Dezember 2021 auf. Am 13. Januar 2026 reichte die zuständige Unterabteilung EBSA den Regelvorschlag beim OIRA ein. Dessen Prüfung dauerte anschliessend gut zwei Monate.
Auffällig ist die Breite der anvisierten Anlageklassen. Die Executive Order nennt neben Kryptowährungen und digitalen Assets auch Private Equity, Venture Capital, Private Credit, Rohstoffe und Lebensversicherungsstrategien. Krypto ist somit nur ein Baustein einer umfassenden Öffnung.
Was ein Prozent bedeuten würde

Selbst eine marginale Allokation innerhalb des 14-Billionen-Dollar-Markts würde erhebliche Kapitalzuflüsse in digitale Assets bedeuten. Ein Prozent entspräche rund 140 Milliarden USD. Zum Vergleich: Die gesamten Nettomittelzuflüsse in US-Bitcoin-Spot-ETFs seit deren Lancierung im Januar 2024 liegen mit rund 60 Mrd. USD deutlich darunter.
Der Weg zur tatsächlichen Umsetzung ist allerdings noch lang. Nach der Veröffentlichung des Regelvorschlags folgt zunächst eine öffentliche Kommentierungsfrist von 30 bis 90 Tagen. Erst danach kann das DOL eine finale Regelung erlassen. Einen gesetzlichen Zeitrahmen für diesen letzten Schritt gibt es nicht.
Parallel verhandelt der Supreme Court seit Januar 2026 den Fall Anderson v. Intel Corp. Dieser könnte Massstäbe für die Zulässigkeit von Private Equity in Defined-Contribution-Plänen setzen. Das Urteil dürfte die Ausgestaltung der finalen Regelung direkt beeinflussen.
Breiterer regulatorischer Kontext in den USA
Die 401(k)-Öffnung reiht sich in eine Serie krypto-freundlicher Regulierungsinitiativen der Trump-Administration ein. Parallel schreitet der CLARITY Act leicht voran - Senatoren Thom Tillis und Angela Alsobrooks erzielten eine vorläufige Einigung mit dem Weissen Haus. Die Senatskammer muss allerdings noch abstimmen und sowohl Coinbase als auch die Bankenvereinigungen stellen sich nach wie vor quer.
SEC-Vorsitzender Paul Atkins positionierte sich bereits im Januar 2026 positiv zur Öffnung von Altersvorsorgeplänen für digitale Assets. Er halte den Zeitpunkt für richtig, solange Schutzmechanismen für Rentensparer gewährleistet seien. Die Koordination zwischen SEC und DOL deutet auf einen übergreifenden regulatorischen Kurs hin.
Für die Krypto-Industrie wäre der Zugang zum 401k-Markt eine strukturelle Verschiebung. Institutionelle Kapitalströme aus der Altersvorsorge unterscheiden sich nämlich fundamental von Retail-Zuflüssen: langfristig orientiert, regelmässig, weniger volatilitätsgetrieben. Das DOL muss seinen Regelvorschlag in den kommenden Wochen veröffentlichen, bevor die öffentliche Kommentierungsphase beginnt.








