Am 14. April 2026 reichte Kevin Warsh ein 69-seitiges Financial Disclosure mit namhaften Krypto-Beteiligungen beim U.S. Office of Government Ethics ein. Präsident Donald Trump hatte ihn im März 2026 als Nachfolger von Jerome Powell an die Spitze der US-Notenbank nominiert.
Das Dokument weist ein geschätztes Nettovermögen zwischen USD 131 Mio. und USD 209 Mio. aus und dokumentiert eine ungewöhnlich breite Palette an Krypto- und AI-Beteiligungen. Bei einer Bestätigung durch den Senat müsste Warsh diese vollständig abstossen. Zu den offengelegten Positionen zählen das Ethereum-Layer-2 Blast, der Spot-Bitcoin-ETF-Anbieter Bitwise Asset Management und das Bitcoin-Lightning-Startup Flashnet. Dazu kommen Beteiligungen am Prediction-Market Polymarket und am Krypto-fokussierten Venture-Fonds Electric Capital.
Struktur der Offenlegung und Divestment-Pflicht
Das Gesamtportfolio verteilt sich auf zwei Hauptvehikel. Zwei Positionen im Juggernaut Fund LP bringen es jeweils auf über USD 50 Mio., zusammen also über USD 100 Mio. Exposure. Hinzu kommen rund 24 Einzelpositionen über die Struktur THSDFS LLC, jede mit einem Wert von bis zu USD 5 Mio. Separat weist Warsh ein Beratungshonorar von USD 10.2 Mio. vom Investment Office Stanley Druckenmillers aus, dem Duquesne Family Office.
OGE-Analystin Heather Jones genehmigte das Filing mit einem Vermerk: Compliance sei erst nach Abschluss der Divestituren gegeben. Warsh verpflichtet sich konkret, sowohl die Juggernaut-Positionen als auch die THSDFS-Holdings bei einer Senatsbestätigung aufzulösen. Die Fed-Ethikregeln von 2022 verbieten FOMC-Mitgliedern und Senior Officials ausdrücklich das Halten von Kryptowährungen, Einzelaktien, Sektor-Fonds, Rohstoffen und Derivaten. Neue Amtsträger haben sechs Monate Zeit, um Compliance herzustellen.
Auf der Passivseite stehen eine Hypothek über USD 5 Mio. bei JPMorgan Chase zu 2.75% sowie eine Kreditlinie über USD 5 Mio. bei der PNC Bank zu rund 6%. Warshs Ehefrau Jane Lauder, Erbin des Estée-Lauder-Konzerns, verfügt laut Forbes über ein separates Vermögen von etwa USD 1.9 Mrd.
Von Wall Street Krypto bis zu DeFi-Yield
Auffällig ist die Breite der Krypto-Positionen. Mit Bitwise Asset Management hält Warsh eine Beteiligung am Anbieter hinter einem der regulierten Spot-Bitcoin-ETFs, einem klassischen Wall-Street-Vehikel für institutionellen Krypto-Zugang. Flashnet hingegen operiert am Bitcoin-Lightning-Netzwerk und adressiert Zahlungsinfrastruktur. Polymarket setzt auf Prediction-Märkte, Tenderly liefert Entwicklungswerkzeuge für Ethereum und Web3. Lemon Cash und Stashfin decken Krypto-Finanzdienstleistungen und Lending ab.
Bemerkenswert ist die Position in Blast. Das Ethereum-Layer-2 generiert nativen Yield für ETH (4%) und Stablecoins (5%). Gebridgetes ETH bleibt auf dem Mainnet gestaked, und Erträge aus Real-World-Asset-Protokollen wie T-Bills fliessen zurück. Ein yield-generierendes L2 ist strukturell kein passives Spot-Exposure, sondern aktives DeFi-Engagement. Das signalisiert Vertrautheit mit On-Chain-Mechanismen. In der US-Finanzelite wird so etwas selten offen dokumentiert.
Dazu kommen Beteiligungen an AI-Firmen wie Recraft, Volt, 11x und Delphi AI sowie eine Direktbeteiligung an SpaceX. Das Profil ähnelt eher jenem eines TradFi-nahen Tech-Investors als dem eines klassischen Zentralbankers. Dass ein Fed-Chair-Kandidat überhaupt solche Positionen hält, dokumentiert einen Statuswandel: Krypto gilt in weiten Teilen der US-Finanzelite inzwischen als legitime Asset-Klasse.
Politischer Zeitdruck und Ethik-Präzedenzfälle
Der Zeitplan ist eng. Powells Amtszeit als Fed-Chair endet am 15. Mai 2026. Warshs Anhörung vor dem Senate Banking Committee war ursprünglich für den 16. April angesetzt, wurde aber wegen ausstehender Unterlagen auf die Woche ab dem 21. April verschoben. Die Einreichung der OGE-Offenlegung entsperrte den Prozess. Das Committee ist 13 zu 11 entlang der Parteilinien besetzt, ein einziger Überläufer könnte die Bestätigung somit verzögern.
Senator Thom Tillis (R-NC) droht zusätzlich, jede Fed-Nominierung zu blockieren, solange die DOJ-Untersuchung gegen Powell nicht abgeschlossen ist. "Ich werde die Bestätigung jedes Federal-Reserve-Nominierten ablehnen, auch jene für den Chairman-Posten, bis die DOJ-Untersuchung gegen Chairman Powell vollständig und transparent abgeschlossen ist", teilte Tillis mit. Dennoch rechnen Beobachter mit einer knappen Bestätigung vor Powells Terminende.
Die heute geltenden Fed-Ethikregeln gehen direkt auf die Handelsskandale von 2020 zurück. Damals handelten Boston-Fed-Präsident Eric Rosengren und Dallas-Fed-Präsident Robert Kaplan während der COVID-19-Interventionen Aktien und traten in der Folge zurück. Powell selbst initiierte die verschärften Regeln 2022, unter anderem mit dem expliziten Krypto-Verbot für Senior Officials. Nach einer Bestätigung muss Warsh binnen sechs Monaten alle betroffenen Positionen auflösen. Zur Rolle von Bitcoin äusserte sich Warsh bereits früher: Er verglich die Kryptowährung mit Gold als Wertaufbewahrungsmittel, hielt aber fest, sie sei kein Ersatz für den US-Dollar.








