Bitcoin fiel am Montag um bis zu 2.4 Prozent auf 65'633 USD. Die grösste Kryptowährung markierte damit ein neues 7-Tages-Tief, während Brent Crude auf 118.73 USD pro Barrel kletterte - den höchsten Stand seit Juni 2022.
Seit seinem Allzeithoch von über 126'000 USD im Oktober 2025 hat Bitcoin fast die Hälfte seines Wertes verloren. Fünf aufeinanderfolgende rote Monate zeichnen ein klares Bild. Der Ausverkauf betrifft den gesamten Krypto-Markt. Die Gesamtkapitalisierung sank um 3.4 Prozent auf 2.33 Billionen USD. Ethereum verlor bis zu 4.75 Prozent, Solana 4.4 Prozent, XRP 2.67 Prozent. Liquidationen summierten sich innerhalb von 24 Stunden auf über 302 Millionen USD. Der Fear & Greed Index steht bei 8, dem Bereich extremer Angst.

Hormuz-Blockade treibt Ölpreise auf Krisenniveau
Auslöser der Marktturbulenzen sind die gemeinsamen US-israelischen Angriffe auf Iran, die am 28. Februar begannen. Seitdem stiegen die Rohölpreise um rund 50 Prozent. Brent Crude durchbrach erstmals seit der russischen Invasion der Ukraine 2022 die Marke von 100 USD pro Barrel.

Iran hat den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormuz faktisch zum Erliegen gebracht. Rund ein Fünftel der globalen Ölversorgung - etwa 20 Millionen Barrel täglich - fällt dadurch aus. Irak, die VAE und Kuwait reduzierten ihre Produktion, da sich ein Barrelstau bildete. Saudi Aramcos Ras-Tanura-Raffinerie und Exportterminal schlossen ebenfalls.
Katar rief höhere Gewalt bei Gasexporten aus, nachdem iranische Drohnenangriffe die Infrastruktur trafen. Eine Rückkehr zur Normalproduktion dauert laut Angaben mindestens einen Monat. Denn Katar liefert rund 20 Prozent des weltweiten LNG. Der katarische Energieminister warnte vor Preisen von 150 USD pro Barrel, falls die regionalen Störungen anhalten.
Bitcoin verhält sich als Risiko-Asset, nicht als sicherer Hafen
Die 30-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 liegt bei 0.55. Bitcoin bewegt sich damit im Gleichschritt mit traditionellen Risikoanlagen. Von der Erzählung eines digitalen Goldes, das in geopolitischen Krisen profitiert, ist derzeit wenig zu sehen. Stattdessen fliesst Kapital in physisches Gold. Gold-ETFs verzeichneten in den vergangenen drei Monaten Zuflüsse von 16 Milliarden USD.
An den asiatischen Aktienmärkten fiel der südkoreanische Kospi um 8.1 Prozent. Der japanische Nikkei 225 verlor 7 Prozent, der Hang Seng in Hongkong 3 Prozent. Die US-Futures zeigten ebenfalls nach unten. S&P-500-Futures sanken um 1.7 Prozent, Nasdaq-Futures um 1.9 Prozent. Gleichzeitig stieg der US-Dollar gegenüber fast allen Währungen.
Dennoch deutet gerade dieser moderate Rückgang darauf hin, dass spekulative Positionen bereits weitgehend abgebaut sind. Nach fünf Verlustmonaten in Folge fehlt schlicht die Hebelwirkung, die einen Kaskaden-Crash auslösen könnte.
ETF-Abflüsse beschleunigen die Abwärtsbewegung
Institutionelle Anleger ziehen sich seit Monaten systematisch aus Bitcoin zurück. US-gelistete Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten seit November fast 6 Milliarden USD an Netto-Abflüssen. Allein November und Dezember 2025 brachten Abflüsse von 4.57 Milliarden USD, die schlechteste Zwei-Monats-Periode in der ETF-Geschichte.
Im Jahr 2026 setzte sich der Trend fort. Bis zum 22. Februar flossen weitere 4.5 Milliarden USD über sechs aufeinanderfolgende Abflusswochen ab. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) verlor über 2.1 Milliarden USD in fünf Wochen. Fidelitys Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC) verzeichnete Abflüsse von über 954 Millionen USD.
Gegen den Strom schwimmen einzelne Akteure aus dem Nahen Osten. Mubadala Investment Company und Al Warda Investments, beide aus Abu Dhabi, bauten Mitte Februar Spot-Bitcoin-ETF-Positionen auf. Es handelt sich allerdings um vergleichsweise kleine Gegenbewegungen zum breiten institutionellen Rückzug.
Inflation, Fed und die makroökonomische Falle
Der Ölpreis-Schock verschärft ein bestehendes Dilemma der US-Notenbank. Laut IWF bewirkt jeder nachhaltige Anstieg des Ölpreises um 10 Prozent einen Inflationsanstieg von 0.4 Prozentpunkten. Das globale Wirtschaftswachstum sinkt dann um 0.15 Prozentpunkte. Bei einem Preisanstieg von 50 Prozent seit Kriegsbeginn sind die Auswirkungen erheblich.
US-Benzinpreise stiegen auf durchschnittlich 3.45 USD pro Gallone, ein Plus von 16 Prozent gegenüber der Vorwoche. Diesel erreichte 4.51 USD pro Gallone. Für die Krypto-Märkte bedeutet ölgetriebene Inflation, dass die Fed Zinsen kaum senken kann, selbst wenn die Konjunktur schwächelt. Parallel dazu steigt der Dollar, was Dollar-denominierte Assets wie Bitcoin zusätzlich unter Druck setzt.
Europa steht derweil durch die gestiegenen Energiepreise am Rand einer Rezession. Somit verschlechtert sich das globale Umfeld für Risikoanlagen auf breiter Front. Der Markt positioniert sich entsprechend defensiv - Kapitalflüsse weg von Aktien und Krypto, hin zu Gold und US-Staatsanleihen. Die US-10-Jahres-Renditen drehten für das laufende Jahr ins Plus.








