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    AscendEX hat den Betrieb per 1. Juli mangels Liquidität und MiCA-Lizenz eingestellt; Nutzer erhalten keine Garantie auf volle Auszahlung.

    AscendEX-Betrieb eingestellt: Auszahlungen ungewiss

    von Redaktion cvj.ch am 9. Juli 2026 News

    AscendEX hat den Betrieb per 1. Juli 2026 eingestellt, weil die Krypto-Börse keine Lizenz nach der EU-Verordnung MiCA erhielt. Laut der offiziellen Mitteilung vom 6. Juli erhalten Nutzer somit keine Garantie auf Zeitpunkt oder volle Höhe ihrer Auszahlung.

    AscendEX ist eine zentralisierte Krypto-Handelsplattform, die Privat- und Firmenkunden das Handeln, Swappen, Staken und Verleihen digitaler Vermögenswerte ermöglichte. Als zentralisierte Börse verwahrte das Unternehmen die Kundengelder selbst, anders als eine dezentrale Plattform, bei der die Nutzer die Kontrolle über ihre Guthaben behalten. Solche Anbieter benötigen unter MiCA (Markets in Crypto-Assets), dem einheitlichen EU-Regelwerk für Krypto-Dienstleistungen, eine Vollzulassung als Crypto-Asset Service Provider, um Kunden in der EU weiter bedienen zu dürfen. George Cao gründete die Plattform 2018 als BitMax, seit März 2021 firmiert sie als AscendEX. Bereits Ende 2021 erlitt die Börse einen Hack über rund 77.7 Mio. USD. Die Verluste verteilten sich auf rund 60 Mio. USD in Ethereum, 9.2 Mio. USD auf der BNB Smart Chain und 8.5 Mio. USD auf Polygon. Alle Betroffenen entschädigte das Unternehmen später vollständig aus eigenen Mitteln. Jetzt stellt die Börse den Betrieb vollständig ein.

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    Fehlende MiCA-Lizenz beendet den AscendEX-Betrieb

    Mit der Betriebseinstellung können Kunden seit dem 1. Juli 2026 keine neuen Konten mehr eröffnen. Auch Einzahlungen, Handel, Swaps, Staking und Lending stehen still, ebenso die Teilnahme an Referral- und Promo-Kampagnen. Bestehende Guthaben verbleiben vorerst auf den Konten, ohne dass Nutzer frei darüber verfügen können. Die Börse begründet den Schritt offiziell mit dem Fehlen einer MiCA-Lizenz. Zudem verweist sie auf umfassendere regulatorische, finanzielle und operative Umstände.

    Rechtlich beruft sich AscendEX auf Artikel 143 Absatz 3 der MiCA-Verordnung, der die Übergangsfrist für bereits aktive Anbieter regelte. Diese Frist erlaubte Bestandsanbietern, den Betrieb bis zum Stichtag ohne finale Zulassung fortzuführen. Sie endete schliesslich am 1. Juli 2026. Ohne Vollzulassung als Crypto-Asset Service Provider darf ein Anbieter seither keine EU-Kunden mehr bedienen. Somit fiel für die Börse die rechtliche Grundlage des Europageschäfts weg.

    Neben dem regulatorischen Druck nennt das Unternehmen einen gescheiterten Finanzierungsversuch. AscendEX hatte nach eigenen Angaben zunächst auf einen koordinierten strategischen Deal gesetzt, der frische Liquidität für die weitere Entwicklung bringen sollte. Die Gegenpartei kam ihren Verpflichtungen jedoch nicht nach. Damit brach eine zentrale Säule des Sanierungsplans weg. Ausserdem deutete die Börse an, möglicherweise ein formelles Insolvenzverfahren einzuleiten. Ein solches Verfahren würde ferner die Verteilung verbliebener Vermögenswerte an Gläubiger gerichtlich ordnen.

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    ZachXBT warnte früh vor leeren Wallets

    Die Liquiditätsprobleme kamen nicht überraschend. Bereits am 26. Juni 2026 warnte der On-Chain-Ermittler ZachXBT, eine der bekanntesten Adressen für die Aufklärung von Krypto-Betrug, öffentlich vor nahezu leeren Hot Wallets der Börse. Hot Wallets sind die permanent online gehaltenen Speicher, aus denen eine Börse ihre laufenden Auszahlungen bedient. Das betraf vor allem die grossen Assets ETH, USDT, USDC und SOL. Gleichzeitig berichteten Nutzer über verzögerte oder unvollständige Auszahlungen. Öffentlich bestätigt hat AscendEX diese Zahlen bis heute nicht.

    Daten von Arkham Intelligence untermauerten den Befund. Der Analysedienst wertet öffentlich einsehbare Blockchain-Bewegungen aus. Demnach hielten AscendEX-zugeordnete Adressen rund 13.5 Mio. USD, wovon über 12 Mio. USD auf den börseneigenen ASD- sowie den UNITE-Token entfielen. Beide Token sind kaum handelbar. Daher standen für Auszahlungen in gängigen Kryptowährungen fast keine verwertbaren Reserven bereit. Ob zusätzliche Mittel in Cold Storage oder bei Drittverwahrern liegen, bleibt allerdings öffentlich nicht nachweisbar.

    Zuvor war die Reservenbasis bereits spürbar geschrumpft. Am 20. Juni 2026 gingen die Reserven um rund 240 Mio. USD zurück. Knapp zwei Monate früher war eine ähnlich grosse Liquiditätsspritze erfolgt. Der Abfluss schmälerte die verfügbare Deckung kurz vor der Betriebseinstellung erheblich. Am 2. Juli bekräftigte ZachXBT, dass Auszahlungen weiterhin nicht bearbeitet würden, während Einzahlungen technisch noch möglich blieben.

    I recommend your team answers the following questions for the community:

    1) Why are AscendEX users reporting delayed or incomplete withdrawals?

    2) Why do the AscendEX hot wallets currently not have any liquid assets?

    No one should deposit funds to this CEX. pic.twitter.com/tXDSm3bo2E

    — ZachXBT (@zachxbt) June 26, 2026

    Nutzer warten auf ungewisse Auszahlungen

    Für betroffene Kunden hat die Betriebseinstellung zunächst unmittelbare Folgen. Seit dem 6. Juli 2026 hat die Börse automatische Auszahlungen ausgesetzt. Stattdessen unterliegt jede Auszahlungsanfrage einer manuellen Prüfung inklusive KYC- und AML-Checks, also der Identitäts- und Geldwäscheprüfung jedes einzelnen Kontos. Einen Zeitpunkt oder eine garantierte Höhe nennt AscendEX nicht.

    „Wir sind heute nicht in der Lage, Zusicherungen zu Zeitpunkt oder Höhe der Auszahlungen zu geben." - Offizielle Mitteilung, AscendEX

    ZachXBT riet betroffenen Nutzern, Anzeige bei Strafverfolgungsbehörden und Regulatoren zu erstatten. Er verwies zudem auf einen Fall, in dem ein Nutzer mit grösserem Schaden keine Antwort von Mitgründer George Jing Cao erhalten habe. Für viele Betroffene bleibt weiterhin unklar, ob und wann sie ihr Guthaben wiedersehen. Daher verschiebt sich der Konflikt zunehmend auf die rechtliche Ebene.

    AscendEX-Aus wird zum ersten MiCA-Stresstest

    Der Fall reicht über eine einzelne Börse hinaus. Der 1. Juli 2026 markierte das endgültige Ende der MiCA-Übergangsfrist in der gesamten EU. Ursprünglich sollte das Regelwerk einheitliche Standards schaffen und den Anlegerschutz in der gesamten Union stärken. Seither benötigt jeder Anbieter von Krypto-Dienstleistungen eine vollständige Zulassung. Diese ist ebenfalls an laufende Kapital-, Governance- und Transparenzpflichten geknüpft. Andernfalls muss ein Anbieter das Geschäft mit EU-Kunden sofort einstellen.

    Zum Stichtag hatten erst 14 Handelsplätze eine solche Vollzulassung erhalten. Das Register der EU-Wertpapieraufsicht ESMA führte insgesamt rund 210 Vollzulassungen, worunter auch Verwahrer und Broker fallen. Nicht jeder Marktaustritt verlief dabei chaotisch. Binance zog seinen MiCA-Antrag in Griechenland am 24. Juni 2026 zurück. Das EU-Geschäft beendete der Marktführer hingegen geordnet zum 1. Juli, ohne gemeldete Liquiditätsprobleme.

    AscendEX steht damit für das andere Szenario. Während die Börse einen Hack 2021 noch vollständig aus eigenen Mitteln deckte, steht heute nicht einmal die Rückzahlung reiner Kundenguthaben fest. Der AscendEX-Fall gilt als erster grösserer Test dafür, wie EU-Regulatoren mit einem ungeordneten Marktaustritt unter MiCA umgehen. Dabei sind die Kundengelder möglicherweise nicht vollständig gedeckt. Der weitere Umgang der Behörden dürfte folglich als Referenz für künftige Fälle dienen.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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