Bitcoin notiert bei rund 87'800 Dollar und hat damit im Wochenverlauf einen Grossteil seiner Jahresgewinne wieder abgegeben. Die grösste Kryptowährung verlor in den vergangenen 24 Stunden etwa 1.5 Prozent, während Ethereum bei rund 2'930 Dollar handelt.
Auslöser der Schwäche: politische Unsicherheit in Washington, die bevorstehende Fed-Sitzung und ein Goldpreis, der erstmals die Marke von 5'000 Dollar pro Unze durchbrochen hat. Der Rückgang setzt sich seit Mitte Januar fort. Am 21. Januar hatte ein Einbruch auf 89'000 Dollar Liquidationen von über einer Milliarde Dollar ausgelöst. Allein in den letzten 24 Stunden wurden laut CoinGlass weitere 224 Millionen Dollar an Long-Positionen liquidiert, davon 68 Millionen in Bitcoin-Futures und 45 Millionen in Ether-Futures. Bitcoin handelt damit rund 30 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126'210 Dollar, das am 6. Oktober 2025 erreicht wurde.

US-Haushaltsstreit verschärft Nervosität
Die aktuelle Finanzierung der US-Bundesbehörden läuft am 30. Januar aus. Ohne Einigung im Kongress droht ein partieller Government Shutdown, der vierte innerhalb von zwei Jahren. Der längste Shutdown der US-Geschichte endete erst am 12. November 2025 nach 43 Tagen. Polymarket-Daten zeigten zeitweise eine Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent für einen erneuten Stillstand. Nach der Verabschiedung eines 1'059 Seiten starken Haushaltspakets durch das Repräsentantenhaus sank diese Quote auf unter zehn Prozent.
Jedoch bleibt die Lage angespannt. Demokratische Senatoren drohen mit einer Blockade der Finanzierung für das Heimatschutzministerium (DHS), nachdem ein ICE-Beamter in Minneapolis eine unbewaffnete Frau erschossen hat. Der Senat stimmt am Montag ab. Ein Wintersturm könnte die Rückkehr mehrerer Senatoren nach Washington verzögern und die Abstimmung gefährden.
Für die Krypto-Märkte bedeutet politische Unsicherheit in der Regel erhöhte Volatilität. Während manche Anleger Bitcoin als Absicherung gegen fiskalische Dysfunktion betrachten, zeigt die aktuelle Preisbewegung das Gegenteil: Investoren flüchten in traditionelle sichere Häfen wie Gold.
Gold durchbricht 5'000 Dollar, Bitcoin hinkt hinterher
Die Divergenz zwischen Bitcoin und Gold hat sich in den letzten Wochen deutlich verschärft. Gold erreichte am Montag erstmals in der Geschichte die Marke von 5'000 Dollar pro Unze. Der Anstieg von rund 4'600 Dollar Anfang Januar auf den aktuellen Rekordstand reflektiert die Suche nach Sicherheit inmitten geopolitischer Spannungen, Inflationssorgen und Unsicherheit über die Unabhängigkeit der Federal Reserve.

Bitcoin hingegen konnte von diesem Umfeld nicht profitieren. On-Chain-Daten zeigen, dass ältere Halter in Rallys verkaufen, während neuere Käufer Verluste realisieren. Ein erheblicher Angebotsüberhang begrenzt Bewegungen in Richtung 100'000 Dollar. Denn die Narrative vom "digitalen Gold" und dem "Inflationsschutz" greift derzeit nicht. Händler auf Polymarket sehen eine 45-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Gold sowohl Bitcoin als auch den S&P 500 im Jahr 2026 übertrifft. Bitcoin liegt bei 36 Prozent.
Fed-Entscheidung am Mittwoch: Zinspause erwartet
Die Federal Reserve tagt am 28. und 29. Januar. Nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte 2025 liegt der Leitzins aktuell bei 3.5 bis 3.75 Prozent. Der CME FedWatch-Tool zeigt nur eine 16-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine weitere Senkung im Januar. Die breite Erwartung: Jerome Powell und seine Kollegen werden abwarten.
Mit dem Jahreswechsel hat sich die Zusammensetzung des FOMC verändert. Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed und ehemalige Goldman-Sachs-Managerin, gehört nun zu den stimmberechtigten Mitgliedern. Sie gilt als hawkish und hat öffentlich erklärt, Zinssenkungen bis mindestens Frühjahr 2026 abzulehnen.
Cleveland Fed-Chefin Hammack argumentiert, die aktuelle Geldpolitik sei "kaum restriktiv, wenn überhaupt". Sie erwartet, dass die Inflation bis Ende 2026 bei rund drei Prozent verharrt, bevor sie zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehrt. Und sie steht mit dieser Einschätzung nicht allein: Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan und Minneapolis-Fed-Präsident Neel Kashkari, beide ebenfalls neue FOMC-Stimmberechtigte, teilen die Skepsis gegenüber weiteren Lockerungen.
ETF-Zuflüsse bleiben robust, aber Dynamik lässt nach
Die Bitcoin-Spot-ETFs in den USA verwalten mittlerweile rund 128 Milliarden Dollar und halten etwa 606'000 BTC, was rund drei Prozent aller jemals geschürften Bitcoin entspricht. Der Januar begann stark: Allein am ersten Handelstag 2026 flossen 471 Millionen Dollar in die Produkte. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) führte mit 287 Millionen Dollar, gefolgt von Fidelitys FBTC mit 88 Millionen.
Zwischen dem 13. und 15. Januar verzeichneten die ETFs Nettozuflüsse von 1.71 Milliarden Dollar, angeführt von IBIT mit 648 Millionen an einem einzigen Tag. Dennoch: Die Abflüsse der vergangenen Woche und das schwache Wochenendvolumen deuten auf nachlassenden institutionellen Appetit hin. Institutionelle Anleger beobachten mehrere Faktoren gleichzeitig: mögliche Interventionen am japanischen Yen-Markt, die US-Haushaltskrise und eine schwere Berichtswoche mit Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Tesla und Apple. Diese Konstellation erhöht die Unsicherheit und drückt auf riskante Anlageklassen.
Ausblick: Schlüsselwoche für Bitcoin
Die kommenden Tage werden zeigen, ob Bitcoin die Unterstützung bei 87'000 Dollar halten kann. Ein Government Shutdown würde kurzfristig für zusätzliche Volatilität sorgen, wobei historisch gesehen Shutdowns nur begrenzte Auswirkungen auf die Krypto-Märkte hatten. Wichtiger dürfte der Ton der Fed-Kommunikation am Mittwoch sein.
Sollte Powell hawkisher auftreten als erwartet, könnte Bitcoin weiter unter Druck geraten. Bei einer dovisheren Überraschung hingegen wäre Raum für eine Erholung. Zudem könnten starke Quartalszahlen der Tech-Giganten die allgemeine Risikobereitschaft stützen. Denn der Krypto-Markt bleibt eng mit dem Nasdaq korreliert.
Langfristig orientierte Anleger verweisen auf ein bekanntes Muster: Wenn Gold aggressiv ansteigt, während Bitcoin seitwärts handelt, folgt Bitcoin oft mit verzögerter, aber kräftiger Aufwärtsbewegung. Ob sich dieses Muster auch 2026 wiederholt, wird sich zeigen.








