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    Sie sind hier:Home » Fokus » Legal/Compliance » CFTC-Chef Selig setzt auf Innovation statt Überregulierung
    Die CFTC Innovation Agenda unter Chairman Selig ersetzt Enforcement durch klare Regeln für Krypto, Perpetual Futures und Prediction Markets.

    CFTC-Chef Selig setzt auf Innovation statt Überregulierung

    von Redaktion cvj.ch am 12. Juni 2026 Legal/Compliance

    CFTC-Chairman Michael Selig hat innerhalb von sechs Monaten eine vollständige Kursumkehr eingeleitet und stellt die Behörde mit seiner CFTC Innovation Agenda neu auf. Durchsetzung weicht dabei klaren Regeln für Krypto-Assets, Perpetual Futures und Prediction Markets.

    Die CFTC ist die US-Bundesbehörde für Derivate- und Futures-Märkte. Sie beaufsichtigt Terminkontrakte, Optionen und seit Kurzem bestimmte Krypto-Produkte. Für den Krypto-Spotmarkt ist sie jedoch nicht zuständig, der weiterhin als SEC-Territorium oder rechtlich ungeklärt gilt. Selig wurde im Dezember 2025 als 16. Vorsitzender der Behörde bestätigt. Ursprünglich arbeitete er als Partner bei Willkie Farr & Gallagher und vertrat Krypto-Kunden wie eToro und das VC-Haus Paradigm, zuvor war er Chief Counsel der SEC Crypto Task Force. Seine Vorgänger aus der Biden-Ära hinterliessen allein im Geschäftsjahr 2024 ganze 58 Durchsetzungsmassnahmen. Diesen Kurs brach Selig zunächst in seinem ersten Op-Ed am 20. Januar 2026 mit der „Golden Age"-Vision und der Formel „minimum effective dose of regulation".

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    Selig lanciert CFTC Innovation Agenda mit 35-köpfigem Beratergremium

    In jenem Op-Ed formulierte Selig den Leitsatz seiner Amtszeit: ein Mindestmass an wirksamer Regulierung, nicht mehr und nicht weniger. Scharf kritisierte er den Ansatz der Vorgängeradministration, deren „Policymaking through enforcement" Innovation ins Ausland getrieben und gewöhnliche Anleger geschädigt habe. Die Zahlen stützen diesen Bruch: Die Durchsetzungsmassnahmen sanken von 58 im Geschäftsjahr 2024 auf 11 im Folgejahr. Somit verschob sich der Schwerpunkt der Behörde von nachträglicher Sanktion zu vorab definierten Regeln.

    Begleitet wird dieser Wandel ausserdem durch ein institutionelles Gegengewicht. Bereits am 13. Januar 2026 startete Selig das Innovation Advisory Committee (IAC), das er einen Monat später auf 35 Mitglieder ausbaute. Davon stammen 20 aus der Krypto-Branche und mindestens fünf aus Prediction-Market-Unternehmen. Die Besetzung liest sich ebenso wie ein Who-is-Who der Industrie: Tyler Winklevoss (Gemini), Brad Garlinghouse (Ripple), Anatoly Yakovenko (Solana Labs), Hayden Adams (Uniswap Labs) sowie Tarek Mansour (Kalshi) und Shayne Coplan (Polymarket). Damit signalisiert die Auswahl, dass die neue Agenda kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern den Sektor direkt in die Regelfindung einbindet.

    Project Crypto bringt SEC und CFTC zu gemeinsamer Krypto-Taxonomie

    Jahrelang stritten SEC und CFTC um die Zuständigkeit für digitale Assets. Bitcoin galt als Rohstoff und damit als CFTC-Sache, Ether blieb hingegen strittig, die meisten Altcoins ordnete die SEC als Wertpapiere ein. Dieses Vakuum erzeugte Rechtsunsicherheit für jedes Unternehmen, das in den USA aufbauen wollte. Am 29. Januar 2026 veröffentlichten Selig und SEC-Chairman Paul Atkins daher ein gemeinsames Op-Ed zur Initiative „Project Crypto", das diesen Konflikt erstmals koordiniert adressiert.

    Kern der Initiative ist eine einheitliche Taxonomie. Sie sortiert Krypto-Assets in drei Kategorien: digitale Rohstoffe, Sammlerobjekte und Werkzeuge. Beide Behörden unterzeichneten zudem ein Memorandum of Understanding und klassifizierten zunächst 16 Krypto-Assets als digitale Rohstoffe. Hinzu kommen konkrete Massnahmen: Safe Harbors für Software-Entwickler, Regeln für tokenisierte Sicherheiten und Onshore-Pfade für Perpetual Derivatives. Somit zielt die Initiative darauf ab, die kostspielige Doppelregulierung zwischen den beiden Aufsichtsbehörden abzubauen.

    Die volle rechtliche Grundlage fehlt allerdings noch. Erst der Clarity Act würde der CFTC formell die Aufsicht über den Spotmarkt für digitale Rohstoffe übertragen. Der Gesetzentwurf kommt weiterhin mit breiter überparteilicher Unterstützung voran. Er gilt folglich als entscheidende Brücke zu einem Markt, der mittlerweile über 3 Bio. USD umfasst.

    „Finanzregulierung muss präzise sein, nicht strafend. Die Zukunft des Finanzwesens wird irgendwo gebaut, und wir sorgen dafür, dass es hier gebaut wird." - Michael Selig (CFTC) und Paul Atkins (SEC), gemeinsames Op-Ed

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    Perpetual Futures und Prediction Markets als neue Fronten

    Die erste konkrete Produktkategorie betrifft Perpetual Futures, also Terminkontrakte ohne festes Verfallsdatum. Diese werden derzeit fast ausschliesslich auf Offshore-Börsen gehandelt, ausserhalb jeder US-Regulierung. In einem Fox-Business-Interview im Juni 2026 kündigte Selig allerdings an, diese Produkte unter einem erstklassigen Regulierungsrahmen zurück in die Vereinigten Staaten zu holen. Damit würde ein bislang vollständig abgewanderter Markt erstmals unter heimische Aufsicht fallen.

    Die zweite Front öffnet sich bei den Prediction Markets, auf denen Anleger über den Ausgang künftiger Ereignisse handeln. Im Juni 2026 veröffentlichte die Behörde dazu einen Advanced Notice of Proposed Rulemaking, den ersten förmlichen Regelvorschlag für diese Anlageklasse. Das laut 267-seitige Dokument führt einen dreistufigen Prüfrahmen ein: die Qualifikation als Event Contract, die Zugehörigkeit zu gesetzlich definierten Verbotskategorien wie Terrorismus, Mord oder illegalen Handlungen sowie eine formale Entscheidung gegen das öffentliche Interesse. Sportwetten-Kontrakte stuft der Entwurf hingegen grundsätzlich als im öffentlichen Interesse ein. Gleichzeitig zog die Behörde den 2024 unter Biden vorgeschlagenen Verbotsentwurf zurück, der politische und sportbezogene Event Contracts untersagt hätte.

    Für beide Felder läuft nun das formelle Verfahren an. Nach der Veröffentlichung im Federal Register beginnt schliesslich eine 45-tägige Kommentarfrist, in der Marktteilnehmer Stellung beziehen können.

    Personalumbau mit Widerspruch aus dem Kongress

    Parallel zur inhaltlichen Neuausrichtung baut Selig den Apparat der Behörde um. Seit 2025 hat rund ein Viertel der CFTC-Belegschaft die Behörde verlassen, getrieben durch die Sparauflagen der Trump-Administration. Ein neues Buyout-Angebot erlaubt Mitarbeitern ab dem 1. Juli 2026 den Wechsel in den Administrativurlaub bei vollem Lohn bis zum Jahresende. Zudem plant Selig, bis Ende 2026 bis zu 100 neue Stellen mit Profilen für den Krypto-Bereich und Prediction Markets zu besetzen, während KI-Tools nach seinen Angaben einen Teil des Personalabbaus kompensieren sollen.

    Dieser Umbau bleibt jedoch nicht unwidersprochen. Senatorin Elizabeth Warren forderte Selig auf, bis zum 18. Juni 2026 Dokumente zu Personalabgängen und Branchenkontakten vorzulegen. Sie verweist dabei auf einen Bericht der New York Times, der die Behörde als von der Industrie vereinnahmt beschreibt. Ferner wirft sie Selig vor, die Gemini-Strafe über 5 Mio. USD ohne Begründung aufgehoben zu haben, kurz nachdem die Winklevoss-Zwillinge je 1 Mio. USD für Trumps Wahlkampf gespendet hätten. Der Rückgang der Durchsetzungsmassnahmen von 58 auf 11 untermauert letztlich ihre Kritik an einer zu industrienahen Linie.

    Hinter dem Streit steht ferner ein internationaler Wettbewerb um Standortvorteile. Die EU hat mit MiCA bereits einen verbindlichen Rahmen geschaffen, ebenso zogen Singapur, Dubai und Hongkong mit klaren Krypto-Regeln Unternehmen an. Genau auf diesen Standortwettbewerb stützt Selig sein zentrales Argument, wonach die USA ohne eigene klare Regeln weiter Marktanteile verlieren.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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