BlackRock hat den iShares Staked Ethereum Trust ETF (ETHB) an der Nasdaq gelistet. Damit bringt der weltgrösste Vermögensverwalter seinen ersten Krypto-ETF mit integrierter Staking-Rendite auf den US-Markt. Unter normalen Bedingungen staket das Produkt 70 bis 95 Prozent der gehaltenen Ether.
Die daraus resultierenden Erträge schüttet es als Dividende an Investoren aus. Die annualisierte Staking-Rendite liegt laut Prospekt bei rund 3 Prozent. ETHB ist BlackRocks drittes Krypto-ETF nach dem Bitcoin-Fonds IBIT und dem Ethereum-Spot-ETF ETHA. Die Sponsor-Gebühr beträgt 0.25 Prozent pro Jahr. Allerdings bietet BlackRock für die ersten zwölf Monate oder bis zu einem Volumen von 2.5 Milliarden USD einen reduzierten Satz von 0.12 Prozent. Coinbase übernimmt sowohl die Verwahrung als auch die Staking-Koordination.
Gebühren und Staking-Mechanismus im Detail
Von den Brutto-Staking-Erträgen fliessen 18 Prozent an BlackRock und Coinbase gemeinsam. Investoren erhalten die verbleibenden 82 Prozent. Konkret verkauft der ETF die erhaltenen Staking-Rewards und schüttet den Erlös mindestens quartalsweise als Dividende aus. Ein Akkumulierungsmodell, bei dem Erträge den Nettoinventarwert erhöhen, kommt also nicht zum Einsatz.
Zwischen 5 und 30 Prozent der ETH-Bestände bleiben bewusst ungestaked. BlackRock bezeichnet diesen Puffer als "Liquidity Sleeve". Er dient der Bedienung von Rücknahmen und laufenden Gebühren. Denn gestakte Ether lassen sich nicht sofort freigeben. Nach einem Exit-Request folgen eine Withdrawability-Verzögerung von rund 27 Stunden sowie eine Withdrawal-Sweep-Phase von 7 bis 10 Tagen. Bei Netzwerk-Überlastung kann der Prozess Wochen oder sogar Monate dauern.
Anfang Februar 2026 betrug die Aktivierungswarteschlange im Ethereum-Netzwerk rund 4 Millionen ETH mit einer geschätzten Wartezeit von 70 Tagen. Liquidität ist entsprechend nicht jederzeit garantiert, und der Liquidity Sleeve bleibt eine zentrale Risikominderung.
Regulatorische Wende ermöglicht Staking-Produkte
Im Juli 2024 lancierte BlackRock den Spot-Ethereum-ETF ETHA. Damals hatte der SEC-Vorsitzende Gary Gensler Staking-Komponenten explizit aus den Anträgen ausschliessen lassen. Die Behörde betrachtete Staking als potenziell registrierungspflichtiges Wertpapiergeschäft.
Der Kurswechsel kam am 29. Mai 2025. Die SEC-Division of Corporation Finance erklärte, dass Standard-Protokoll-Staking keine registrierungspflichtige Wertpapier-Transaktion darstellt. Unter dem neuen SEC-Chef Paul Atkins hat sich die Haltung der Behörde gegenüber Krypto-Staking fundamental verändert. BlackRock reichte daraufhin am 8. Dezember 2025 den S-1-Antrag für ETHB ein. Im Februar 2026 folgte ein aktualisiertes Filing mit den Details zum 18-Prozent-Revenue-Split und der Staking-Quote von 70 bis 95 Prozent.
Andere Anbieter wie VanEck haben ebenfalls überarbeitete Filings eingereicht, um Staking-Komponenten zu integrieren. ETHB ist allerdings das erste genehmigte und gestartete Produkt dieser Art.
Coinbase als zentrale Infrastruktur
Coinbase nimmt bei ETHB eine Doppelrolle ein. Über Coinbase Custody Trust Company fungiert die Börse als Verwahrer der Ether-Bestände. Gleichzeitig agiert sie als Prime Execution Agent für die Staking-Koordination. Beide Funktionen liegen damit bei einem einzigen US-regulierten Anbieter. Figment ist daneben als weiterer institutioneller Validator-Partner bestätigt.
Die Konzentration auf Coinbase wirft Fragen zur Dezentralisierung auf. Coinbase zählt bereits zu den grössten Validator-Betreibern im Ethereum-Netzwerk. Sollte ETHB signifikante Zuflüsse verzeichnen, könnte der Anteil von Coinbase an der gesamten Staking-Kapazität weiter steigen. Ein Teil des 18-Prozent-Revenue-Splits fliesst direkt an Coinbase. Die genaue Aufteilung zwischen BlackRock und Coinbase ist dennoch nicht öffentlich bekannt.
BlackRocks wachsende Krypto-Dominanz
BlackRock verwaltet mittlerweile rund 130 Milliarden USD in Krypto-bezogenen ETPs, tokenisierten Liquiditätsfonds und Stablecoin-Reserve-Management. Der Bitcoin-ETF IBIT hält über 55 Milliarden USD an Assets under Management. ETHA kommt auf rund 6.5 Milliarden USD. Im Jahr 2025 erzielte BlackRock etwa 95 Prozent aller Zuflüsse in digitale Asset-ETPs. Somit ist der Vermögensverwalter der mit Abstand grösste institutionelle Akteur im Krypto-Markt.
ETHB adressiert gezielt eine Lücke. Anleger, die Ether über regulierte Produkte halten wollten, mussten bisher auf die Staking-Rendite verzichten. Direkt-Halter von ETH konnten ihre Coins staken und rund 3 Prozent pro Jahr verdienen, ETF-Investoren hingegen nicht. BlackRock schliesst diese Lücke nun mit ETHB. So entsteht ein zusätzlicher Anreiz für institutionelle Investoren, in das regulierte Produkt zu wechseln.
"Manche Investoren, die ETH bereits direkt halten, haben ihre Coins gestaked und waren nicht bereit, in ein Exchange-Traded Product zu wechseln, weil sie dieses Feature verloren hätten." - Jay Jacobs, U.S. Head of Equity ETFs, BlackRock
Parallel dazu wächst die institutionelle Staking-Infrastruktur. Bitwise akquirierte im November 2024 den Staking-Anbieter Attestant mit rund 4 Milliarden USD an gestakten Assets. Gleichzeitig lancierte das Unternehmen Bitwise Onchain Solutions (BOS). Im Februar 2026 folgte die Übernahme von Chorus One mit weiteren 2.2 Milliarden USD. Auch die Ethereum Foundation nutzt inzwischen BOS-Open-Source-Tools. Sie deployte die Infrastruktur Anfang März 2026 für das Staking von rund 70'000 ETH aus ihrem Treasury im Wert von etwa 140 Millionen USD.







