Ripple hat laut Bloomberg ein neues Aktienrückkauf-Programm über bis zu 750 Mio. USD lanciert. Das sogenannte Tender Offer richtet sich an bestehende Investoren und Mitarbeiter des Unternehmens. Die zugrunde gelegte Bewertung beträgt 50 Mrd. USD.
Damit liegt die Bewertung rund 25 Prozent über der letzten Finanzierungsrunde vom November 2025. Damals sammelte Ripple 500 Mio. USD bei einer Bewertung von 40 Mrd. USD ein. Zu den Investoren zählten Citadel Securities, Fortress Investment Group, Pantera Capital, Galaxy Digital, Brevan Howard und Marshall Wace. Ripple selbst hat den aktuellen Rückkauf bislang nicht offiziell bestätigt. Sämtliche Angaben stammen von anonymen Quellen.
Liquidität ohne Börsengang
Ein Aktienrückkauf dieser Grössenordnung ist für private Technologieunternehmen ungewöhnlich, jedoch nicht beispiellos. Hochbewertete Spät-Phasen-Startups nutzen ein Tender Offer als Ventil. Mitarbeiter und Frühinvestoren können so Anteile zu Geld machen, ohne dass das Unternehmen an die Börse gehen muss.
Ripple hat dieses Instrument in den vergangenen zwei Jahren wiederholt eingesetzt. Im Januar 2024 kaufte das Unternehmen Aktien im Wert von 285 Mio. USD zurück, damals bei einer Bewertung von 11.3 Mrd. USD. Im Juni 2025 folgte ein Tender Offer über 700 Mio. USD zu einem Preis von 175 USD pro Aktie. Im September 2025 versuchte Ripple dann einen Rückkauf von rund 1 Mrd. USD bei einer Bewertung von 40 Mrd. USD. Allerdings fiel die Beteiligung so gering aus wie bei keinem vorherigen Angebot. Viele Mitarbeiter wollten ihre Anteile schlicht nicht verkaufen.
Das aktuelle Tender Offer läuft laut Bloomberg bis April 2026. Die Bewertung ist seit dem letzten gescheiterten Versuch um 25 Prozent gestiegen, was den Verkaufsanreiz erhöhen dürfte. Insgesamt hat Ripple seit Anfang 2024 Rückkaufprogramme im Volumen von über 2.7 Mrd. USD aufgelegt.
Akquisitionen über 2.4 Milliarden USD
Der Rückkauf fällt in eine Phase aggressiver Expansion. Ripple schloss 2025 Übernahmen im Gesamtwert von rund 2.45 Mrd. USD ab. Den grössten Posten bildete die Akquisition von Hidden Road, einem Prime Brokerage, für 1.25 Mrd. USD im April 2025. Es war die grösste Übernahme in der Krypto-Branche und übertraf Stripes 1.1-Mrd.-USD-Deal mit Bridge.
Hidden Road verarbeitet jährlich über 3 Bio. USD und betreut mehr als 300 institutionelle Kunden. Nach dem formellen Abschluss im Oktober 2025 firmiert das Geschäft unter dem Namen Ripple Prime. Seitdem hat sich das Volumen verdreifacht. Ripple ist damit das erste Krypto-Unternehmen, das einen globalen Multi-Asset-Prime-Broker besitzt und betreibt.
Daneben übernahm Ripple die Treasury-Management-Firma GTreasury für 1 Mrd. USD sowie die Stablecoin-Zahlungsplattform Rail für 200 Mio. USD. Anfang März 2026 verkündete das Unternehmen, insgesamt über 100 Mrd. USD an Transaktionen verarbeitet zu haben. Der hauseigene Stablecoin RLUSD, lanciert im Dezember 2024, erreicht mittlerweile eine Marktkapitalisierung von 1.57 Mrd. USD. Er soll künftig als Sicherheit im Prime-Brokerage-Geschäft dienen.
50 Milliarden Firmenwert, 84 Milliarden Token-Marktkapitalisierung
Während Ripple als Unternehmen neue Bewertungsrekorde aufstellt, zeigt der zugehörige Token XRP ein anderes Bild. Der Kurs liegt bei rund 1.39 USD. Seit dem Allzeithoch von etwa 3.56 USD im Juli 2025 hat er über 60 Prozent verloren. Auffällig ist das Verhältnis der beiden Bewertungen. Die Marktkapitalisierung von XRP liegt derzeit bei rund 84 Mrd. USD. Ripples Unternehmensbewertung von 50 Mrd. USD nähert sich dieser Marke zunehmend an. Ein erheblicher Teil von Ripples Firmenwert basiert auf den XRP-Beständen des Unternehmens. Ripple hält Milliarden von Token, einen grossen Teil davon in einem Escrow-Mechanismus, der monatlich Tranchen freigibt.

Diese Konstellation legt eine strukturelle Asymmetrie zwischen Equity und Token offen. Aktionäre profitieren indirekt vom Wert der XRP-Reserven, während Token-Halter keine Ansprüche an das Unternehmen haben. Es gibt weder rechtliche Klarheit über das Verhältnis beider Anlageklassen noch eine Rechenschaftspflicht gegenüber Token-Inhabern. Ripple kann Aktien zurückkaufen, Dividenden zahlen oder Übernahmen tätigen. XRP-Halter haben auf diese Entscheidungen keinen Einfluss, obwohl der Token-Preis direkt davon betroffen ist.
Die Diskrepanz zwischen steigender Unternehmensbewertung und fallendem Token-Preis verdeutlicht diese Schieflage. Ripples Geschäftsmodell stützt sich nämlich zunehmend auf institutionelle Finanzdienstleistungen wie Prime Brokerage und Treasury-Management. Der XRP-Token spielt dabei eine nachgeordnete Rolle. Die Akquisitionsstrategie verlagert den Schwerpunkt konsequent in Richtung traditioneller Finanzinfrastruktur.
Von der SEC-Klage zur 50-Milliarden-Bewertung
Ripples Aufstieg verlief nicht gradlinig. Die SEC verklagte das 2012 gegründete Unternehmen im Dezember 2020 wegen eines angeblich illegalen Wertpapierangebots. Das Verfahren belastete Ripples Geschäft und Reputation über Jahre. Erst 2025 stellte die SEC die Klage ein, was dem Unternehmen den Weg für die aggressive Expansionsstrategie ebnete. Der regulatorische Rückenwind in den USA ermutigt Krypto-Firmen zunehmend, traditionelle Finanzinfrastruktur zu übernehmen. Ripple nutzt dieses Umfeld konsequenter als die meisten Wettbewerber. Entsprechend listet CBInsights das Unternehmen unter den weltweiten Top-10-IPO-Kandidaten.
Dennoch plant Ripple keinen Börsengang in nächster Zukunft. Präsidentin Monica Long schloss aktuelle IPO-Pläne aus. CEO Garlinghouse formulierte es differenzierter. Ein Börsengang sei "keine grosse Priorität", aber das Unternehmen befinde sich in einem Stadium, in dem es dies "in Betracht ziehen könnte". Solange die wiederkehrenden Tender Offers die Liquiditätsbedürfnisse der Anteilseigner befriedigen, bleibt der Druck für einen Börsengang gering. Das aktuelle Programm läuft bis April 2026.







