Bitcoin überholt Gold erstmals als bevorzugte Wertanlage der US-Amerikaner. Laut einem Report des Finanzdienstleisters River besitzen 49.6 Mio. Amerikaner oder 18.6% der Bevölkerung Bitcoin, gegenüber 28.8 Mio. oder 10.8% mit Goldbesitz.
River ist ein auf Bitcoin spezialisierter US-Finanzdienstleister und hat die Zahlen erhoben. Während Gold seit Jahrtausenden als klassischer Wertspeicher gilt, existiert Bitcoin erst seit der Netzwerk-Lancierung im Januar 2009. Den Report mit dem Titel „America is the global Bitcoin superpower" veröffentlichte das Unternehmen Anfang Juli 2026. Das Datum fällt zeitlich mit dem 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit zusammen. Gleichzeitig kletterte die Bitcoin-Eigentumsquote unter US-Erwachsenen von 14.3% Anfang 2026 auf 18.6% Mitte 2026. Zudem halten Amerikaner laut River rund 42% des weltweit zirkulierenden Bitcoin-Bestands, was die Konzentration der Adoption in den USA verdeutlicht.
Bitcoin-Besitz in den USA legt binnen sechs Monaten deutlich zu
Der Vorsprung von Bitcoin gegenüber Gold ist kein statischer Schnappschuss. Die Eigentumsquote unter US-Erwachsenen kletterte binnen rund sechs Monaten von 14.3% auf 18.6%. River führt diese Beschleunigung auf zwei Faktoren zurück. Zunächst ist der Zugang niedrigschwellig, weil Börsen und Mobile Apps die Eintrittsbarrieren senken. Ausserdem verweist der Anbieter auf eine kulturelle Neigung der Amerikaner zu individuellem Investieren, die dem Kauf einzelner Vermögenswerte entgegenkommt. Beide Treiber erklären zusammen, warum die Kurve seit Jahresbeginn vergleichsweise steiler verläuft als beim Edelmetall.

Der Kontrast der Zeithorizonte ist beträchtlich. Gold dient seit rund 5'000 Jahren als Wertspeicher, während Bitcoin erst seit gut 16 Jahren existiert. Dennoch hat das digitale Asset beim Privatbesitz nun vorbeigezogen. Ein früherer River-Report vom Mai 2025 bezifferte den Goldbesitz zunächst auf 36.7 Mio. Amerikaner. Die aktuelle Zahl von 28.8 Mio. spiegelt allerdings keine reale Abnahme wider, sondern eine methodische Neuberechnung der zugrundeliegenden Datenbasis.
Beim Bitcoin-Besitz blieb die Grössenordnung hingegen stabil. Der Report von 2025 nannte rund 50 Mio. Halter, die neue Erhebung 49.6 Mio. Somit verschiebt sich das Verhältnis vor allem, weil Bitcoin weiter zulegt und die Goldschätzung nach unten korrigiert wurde. Für River markiert dieser Punkt den Übergang von Bitcoin zur breiten Anlageklasse, die nicht länger nur ein Nischenpublikum anspricht.
US-Unternehmen halten fast die gesamte Corporate-Bitcoin-Reserve
Die US-Dominanz beschränkt sich nicht auf Privatanleger. US-börsenkotierte Unternehmen halten zusammen 1.24 Mio. BTC. Das entspricht 92.7% aller Bitcoin, die börsenkotierte Firmen weltweit in ihren Bilanzen führen. Diese Konzentration unterstreicht insgesamt, wie stark die Unternehmensadoption in den USA gebündelt ist. Damit sind US-Konzerne zum bestimmenden Käufer am Rand des Bitcoin-Marktes geworden.
Das Kauftempo ist dabei bemerkenswert. In den vergangenen zwölf Monaten erwarben US-Firmen zudem 510'000 BTC. Diese Menge übersteigt das Dreifache der im selben Zeitraum neu geschürften Bitcoin. Der Markt absorbiert somit deutlich mehr Angebot, als das Netzwerk überhaupt produziert. Dieser Nachfrageüberhang verschärft die strukturelle Knappheit, die dem Protokoll ohnehin eingeschrieben ist.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Bild leicht verschoben. Der frühere River-Report wies einen US-Anteil von 94.8% bei zusammen 733'000 BTC aus. Die absolute Menge ist seither gestiegen, der relative US-Anteil jedoch leicht gesunken. Dieser Rückgang deutet folglich auf eine wachsende internationale Corporate-Nachfrage hin. Als grösster bekannter Halter gilt weiterhin Strategy, das vormalige MicroStrategy, mit rund 569'000 BTC. Dahinter folgen laut früheren River-Daten US-Mining-Unternehmen mit rund 96'000 BTC sowie weitere Firmen mit rund 68'000 BTC.
US-Regierung sitzt auf grösstem staatlichen Bitcoin-Bestand
Auch der Staat selbst zählt zu den grossen Haltern. Die US-Regierung verwaltet 328'372 BTC, überwiegend aus Beschlagnahmungen. Der Staat erwarb diese Bitcoin allerdings nicht am Markt, sondern zog sie ein. Ursprünglich bezifferte River den Wert auf über 23 Mrd. USD, inzwischen entspricht der Bestand rund 21.6 Mrd. USD. Damit hält Washington fast dreimal so viel Bitcoin wie alle anderen Regierungen weltweit zusammen.
Politisch steht die Frage einer formellen Reserve daher bereits auf dem Tisch. Im US-Kongress liegen Gesetzesvorschläge für eine strategische Bitcoin-Reserve vor. Diese zielen auf eine Akkumulation von bis zu 1 Mio. BTC ab, sind bislang jedoch nicht verabschiedet. Eine Verabschiedung würde die bestehenden Bestände von einer Zufallsposition in ein strategisches Instrument überführen. Laut dem Thinktank „Stand with Crypto" ist eine parteiübergreifende Mehrheit der Politiker in Washington Bitcoin-freundlich eingestellt.
In der Bevölkerung findet der Gedanke ebenfalls Anklang. Vier von fünf Amerikanern befürworteten in einer früheren Umfrage eine teilweise Umwandlung der US-Goldreserven in Bitcoin. Jüngere Befragte favorisierten dabei eine Konversion von bis zu 30%. Folglich verläuft die Verschiebung von Gold zu Bitcoin nicht nur im Privatbesitz, sondern zunehmend auch in der politischen Debatte um die Staatsreserven.
Mining-Hashrate und Unternehmensdichte festigen die US-Dominanz
Ferner ruht die Führungsrolle der USA auf physischer Infrastruktur. 37.5% der globalen Bitcoin-Hashrate laufen in den Vereinigten Staaten. Das ist mehr als die nächsten fünf Länder zusammen. Ein derart hoher Anteil bedeutet daher, dass ein grosser Teil der Transaktionsvalidierung auf US-Boden stattfindet. Für konkurrierende Länder wird ein Aufholen letztlich mit jedem neuen Rechenzentrum schwieriger.

Ebenso ist die Unternehmensdichte ausgeprägt. Über 150 Bitcoin-Firmen haben ihren Hauptsitz in den USA. Darunter befinden sich mehr als 50 Mining-Standorte mit je über 10 Megawatt Leistungsaufnahme. Diese Standorte bündeln einen erheblichen Teil der weltweiten Rechenkapazität in wenigen US-Bundesstaaten. Die strukturelle Verankerung macht die Adoption schwerer umkehrbar als reine Besitzquoten, die sich mit dem Marktzyklus verändern können.
River selbst deutet die Entwicklung kulturell. „Es ist kein Zufall, dass das Land, das auf individuellen Rechten und freien Märkten gegründet wurde, auch dort ist, wo die Bitcoin-Adoption am stärksten ist", heisst es im Report. Insgesamt zeichnen die Daten das Bild einer Anlageklasse, die in den USA vom Privatdepot über die Unternehmensbilanz bis zur Staatskasse Fuss gefasst hat.







