Binance trifft auf regulatorischen Gegenwind

Die Kryptowährungsbörse Binance ist gemessen am Volumen der grösste Handelsplatz für digitale Assets der Welt. Das ursprünglich chinesische Unternehmen hatte bereits in der Vergangenheit Probleme mit Regulatoren. Jetzt treffen sie international auf Gegenwind.

Vor rund einem halben Jahr verhängte die die Finanzmarktaufsichtsbehörde des Vereinigten Königreichs (FCA) ein Verbot für Krypto-Derivate. Die meisten Börsen mussten so ihre Produkte lokal einschränken. Doch die FCA schien nicht mit den Massnahmen von Binance zufrieden. Letzte Woche stellte der Regulator fest, dass Binance Markets Limited „nicht berechtigt ist, eine regulierte Tätigkeit in Grossbritannien auszuüben“. Das Vorkommnis im Vereinigten Königreich war kein Einzelfall, auch andere Regulierungsbehörden äusserten sich zur global dominantesten Krypto-Börse.

Grossbank Barclays blockiert Binance

Als Reaktion auf die Mitteilung der FCA begann Barclays – die drittgrösste britische Bank – sofort Zahlungen an die Handelsplattform zu blockieren. Dabei sind sie nicht die ersten. Letzten Monat hat die National Westminster Bank (NatWest) ebenfalls ein Limit für tägliche Überweisungen an Kryptowährungsbörsen eingeführt. Dies aufgrund der angeblichen Betrugszahlen, die mit diesen Operationen verbunden sind. Die britische TSB Bank prüft ähnliche Massnahmen.

„Es liegt in unserer Verantwortung, Ihr Geld zu schützen. In diesem Sinne haben wir die Entscheidung getroffen, Zahlungen per Kredit-/Debitkarte an Binance bis auf weiteres zu stoppen. So helfen wir, Ihr Geld sicher zu halten. Für weitere Informationen, lesen Sie die Stellungnahme der FCA.“ Antwort Barclays

Die getroffene Entscheidung von Barclays betrifft weltweit mehr als 24 Millionen Kunden. Diese sind nun nicht mehr in der Lage, ihre Gelder an Binance zu senden, um Kryptowährungen zu kaufen. Da das Unternehmen keine Büros in Grossbritannien hat, verwendet es eine Reihe von Zahlungsprozessoren, um Fiatgeld von seinen Kunden auf die Plattform zu leiten. Diese Partner sind nun nicht mehr in der Lage, diese Zahlungen zu verarbeiten.

Keine Euro-Einzahlungen per SEPA

Die Kryptowährungsbörse wird aufgrund der Geschehnisse vorübergehend Euro-Einzahlungen von einem der wichtigsten europäischen Zahlungsnetzwerke aussetzen. SEPA zielt darauf ab, Euro-Zahlungen in der gesamten Region zu harmonisieren. Es ermöglicht Verbrauchern, ihre Euros kostengünstig in drei Dutzend Länder zu senden. Auch Binance greift dabei typischerweise über Zahlungsvermittler auf SEPA zu.

Das Einstellen von Einzahlungen sei aufgrund von „Ereignissen ausserhalb unserer Kontrolle“ notwendig. Alle Einzahlungen, die in der Zwischenzeit über SEPA getätigt werden, würden laut Binance innerhalb von 7 Werktagen zurücküberwiesen. SEPA-Abhebungen seien von dieser Aussetzung nicht betroffen, sagte Binance gegenüber Reuters.

Binance unter globaler Untersuchung

Binance wurde vor kurzem von den weltweiten Regulierungsbehörden unter die Lupe genommen. In Thailand wurde beispielsweise eine Strafanzeige eingereicht. Laut der thailändischen Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (SEC) hat die Börse keine Berechtigung, dort zu operieren. Ähnliche Warnungen wurden auf den Cayman Islands, in der kanadischen Provinz Ontario, in Südafrika und in Japan ausgesprochen.

Binance wird ausserdem von mehreren Aufsichtsbehörden wegen Geldwäscheverdachts untersucht. Deshalb sei die Börse bestrebt, ihre Systeme zur vollständigen Erfüllung der bestehenden Vorschriften zu stärken. Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass Binance eine der ersten Börsen sein wird, die Traveler einführt. Dabei handelt es sich um ein Tool, das die Einhaltung der Financial Action Task Force (FATF) Travel Rule automatisiert. Ausserdem hat das Unternehmen Ende April mit Brian Brooks einen ehemaligen Top-Regulierer und amtierenden Leiter des U.S. Comptroller of the Currency (OCC) eingestellt.

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