Uniswap „Stimulus Check“ für DeFi-Nutzer

Uniswap, die momentan grösste dezentrale Börse, hat letzte Woche ihren Token „UNI“ lanciert. Dies feierten sie mit einem Airdrop von 400 Tokens an jeden Nutzer – für eine Zeit lang knapp 3’000 US-Dollar. Wir erklären die letzten Ereignisse rund um Uniswap und dessen Konkurrenten, SushiSwap.

Dezentrale Exchanges (DEX) haben in letzter Zeit zusammen mit dem DeFi-Bereich einen unglaublichen Hype erfahren. Uniswap konnte sich dabei als grösste Plattform durchsetzen. Innerhalb von 90 Tagen ist der gesperrte Gesamtwert (Total Value Locked, TVL) von knapp 50 Millionen USD auf 1.5 Milliarden USD explodiert. Es gab in letzter Zeit unzähle Kopien der Plattform, was zu riesigen Kontroversen führte. Letzte Woche erhielt nun jeder Uniswap-Nutzer von ihren Governance Tokens im Wert von tausenden US-Dollars, was der Community ein Mitspracherecht über die Zukunft des Projekts gibt.

Abbildung 1: Total Value Locked (TVL) Uniswap (8. Sept. 2020)

TVL Uniswap

Quelle: DefiPulse

Wie funktioniert Uniswap

Uniswap ist eine völlig dezentrale Börse (Exchange), die auf Ethereum basiert. Anders als zentralisierte Exchanges (CEX), verfügt Uniswap jedoch nicht über ein Orderbuch, das den Preis eines Token bestimmt. Vielmehr können für alle ERC-20 Token sogenannte Liquiditätspools erstellt werden, denen jede beliebige Person Liquidität zur Verfügung stellen kann. Wenn ein Nutzer nun einen bestimmten Token kauft, beziehungsweise mit einem anderen Token wie Ether austauschen (en.=swap) möchte, wird auf den jeweiligen Liquiditätspool zugegriffen.

Abbildung 2: Swap von Tether (USDT) zu Ether (ETH)

uniswap liquiditätspool

Quelle: CVJ.CH

Der Preis wird also automatisch vom Protokoll – ohne eine Drittpartei – an die Tokenreserven in den Liquiditätspools angepasst. Als Belohnung / Anreiz erhalten Liquiditäts-Provider (LP) die ganzen Gebühren. Uniswap selbst verdient daran nichts. Obwohl alle Prozesse völlig dezentral ablaufen, konnten Nutzer bis letzte Woche nicht wirklich mitbestimmen, in welche Richtung sich das Protokoll entwickelt. Genau hier kommt SushiSwap ins Spiel.

SushiSwap: Neuer Rivale für Uniswap?

Der Erfinder von SushiSwap, bekannt unter dem Pseudonym „Chef Nomi“, hat den Open-Source-Code von Uniswap kopiert (Fork) und ein entscheidendes Feature, den SUSHI Token, hinzugefügt. Nutzer, die den Token auf dem Protokoll halten, bekommen nämlich ein Mitspracherecht (Governance-Rechte) und einen Teil der Gebühren ausbezahlt (in SUSHI). Die Plattform sollte also völlig in die Hände der Community gelegt werden. Eine Idee, die viele DeFi-Fans begeisterte; innerhalb von wenigen Tagen nach dem Launch war der Total Value Locked (TVL) in SushiSwap bereits bei über einer Milliarde USD.

Doch der Hype hatte noch einen weiteren Grund. Chef Nomi startete eine kleine (offensichtlich erfolgreiche) Marketing-Kampagne: Für eine begrenzte Zeit wurden alle SUSHI-Belohnungen verzehnfacht (10x) und alle Liquiditäts-Provider (LP) auf Uniswap erhielten zusätzliche SUSHI, wenn sie ihren Liquiditätspool-Anteil an SushiSwap übergeben würden – sogenanntes „Zombie Mining“. Getrieben von Gier begann also jeder wie wild SUSHI zu „farmen“ und sich an den SUSHI-Liquiditätspools auf Uniswap zu beteiligen. Das war übrigens auch der Grund für den exponentiellen Anstieg im Uniswap TVL in Abbildung 2.

Gründer verkauft seine SUSHI Token

Das Endziel dieser Marketing-Aktion war eine Migration der Liquiditätspools aller SushiSwap-Nutzer vom Rivalen Uniswap auf das eigene Protokoll. Doch als das Projekt immer mehr Aufmerksamkeit bekam, entschied sich Chef Nomi plötzlich dazu, alle seine SUSHI-Token (aus dem Developer-Pool) für insgesamt 14 Millionen USD auf dem Markt zu verkaufen. Das Ganze ähnelte sehr stark einem Exit Scam und der SUSHI-Preis stürzte um 75% ab. Der anonyme Entwickler beteuerte, dass er das Ganze für die Sushi-Community tat und weiterhin am Projekt arbeiten werde. Dies bezweifelte die Community jedoch stark.

Nach langem Hin und Her entschied sich Chef Nomi schliesslich, die Kontrolle an FTX CEO und Sushi-Investor Sam Bankman-Fried zu übergeben. Dieser verzögerte die Migration und transferierte die Admin-Schlüssel zu einem Multisignature Wallet, auf das insgesamt neun Leute Zugriff haben. Über die Kandidaten wurde von den SUSHI-Nutzern abgestimmt. Von nun an konnten nur noch Änderungen am Protokoll vorgenommen werden, wenn 6/9 Administratoren der Transaktion zustimmen. Chef Nomi hat keinen Zugriff mehr.

Erfolgreiche Migration

Unter dem neuen Team wurde die Migration der Liquiditätspools vom Konkurrenten Uniswap auf SushiSwap nach wenigen Tagen erfolgreich durchgeführt. Es flossen also innerhalb von einem Tag 1.2 Milliarden USD in Liquidität weg von Uniswap zum „Neuling“, SushiSwap. Am gleichen Tag schrieb Chef Nomi eine enorme Tweet-Kette, in der er sich bei allen Beteiligten für seine Handlungen entschuldigte. Zudem schickte er die 14 Millionen USD in Ether zurück an den Developer-Pool von SushiSwap:

Nach der erfolgreichen Migration war nun allmählich auch die Zeitperiode, in der die SUSHI-Belohnungen verzehnfacht wurden, vorbei. Die Belohnungen pro Block für Liquiditäts-Provider (LP) wurden also von 1’000 SUSHI wieder auf 100 herabgesetzt. Anscheinend war die Governance-Funktion des SUSHI-Token für die Meisten doch nicht so wichtig, denn kurz danach fiel die Liquidität auf SushiSwap um fast die Hälfte und wurde wieder von Uniswap überholt.

Abbildung 3: Total Value Locked (TVL) Uniswap vs. SushiSwap (14. Sept. 2020)

uniswap sushiswap tvl

Quelle: CVJ.CH, DefiPulse, SushiSwap.vision

Uniswap lanciert einen eigenen Token

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn weniger als eine Woche später kündigte Uniswap ihren eigenen Governance Token an: UNI. Und zwar wurde jedem Nutzer, der vor dem 1. September mindestens einmal mit dem Protokoll interagiert hat, in einem Airdrop 400 UNI zugeschickt. Beim Release waren das ungefähr 1’200 USD und durch den folgenden Preisanstieg kurzzeitig über 3’000 USD. Liquiditäts-Provider (LP) erhielten sogar noch mehr. Im Moment wurden schon über 100 Millionen Uni-Tokens verteilt – ein Zehntel des Gesamtangebots.

Da nun der letzte Vorteil von SushiSwap gegenüber Uniswap weg war, floss eine Unmenge an Liquidität zurück zu Uniswap, der TVL liegt zur Zeit (21.09.) bei einem neuen Höchstwert von knapp 2 Milliarden USD. SushiSwap hingegen verliert konstant Liquidität und Volumen.

Abbildung 4: Uniswap TVL (21. Sept. 2020)

Quelle: DefiPulse

Ob dieser Token-Launch schon vor der Sushi-Achterbahnfahrt geplant war, oder es sich um eine Reaktion darauf handelte, ist unklar. Die Community war aber auf jeden Fall sehr erfreut darüber; die Ankündigung auf Twitter hatte fast 6’000 Likes. Fast alle bekannten Leute in der Krypto-Szene, wie zum Beispiel der CEO von Binance „CZ“, äusserten sich auch positiv darüber.

 

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Redaktion cvj.ch

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