Der weltgrösste Vermögensverwalter BlackRock hat einen Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, um den iShares Bitcoin Premium Income ETF aufzulegen. Der Fonds soll Anlegern regelmässige Erträge durch den Verkauf von Call-Optionen auf Bitcoin-Positionen ermöglichen.
Der neue ETF baut auf dem bestehenden iShares Bitcoin Trust (IBIT) auf, der mit über 69 Milliarden USD an verwalteten Vermögen der grösste Bitcoin-Spot-ETF weltweit ist. BlackRock verwaltet insgesamt rund 14 Billionen USD an Kundengeldern. Der Antrag enthält weder einen Tickersymbol noch Angaben zu den Verwaltungsgebühren.
Funktionsweise der Covered-Call-Strategie
Die Covered-Call-Strategie generiert Erträge durch den systematischen Verkauf von Kaufoptionen auf die gehaltenen Bitcoin-Positionen. Der Fonds hält dabei sowohl direkten Bitcoin-Bestand als auch Anteile am bestehenden IBIT-ETF. Durch den Optionsverkauf erhält der Fonds Prämien, die an die Anleger ausgeschüttet werden.
Der Mechanismus funktioniert folgendermassen: BlackRock verkauft einer Gegenpartei das Recht, IBIT-Anteile zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Dafür kassiert der Fonds eine Prämie. Steigt der Bitcoin-Kurs über den Ausübungspreis, profitieren die Anleger jedoch nicht von weiteren Kursgewinnen. Somit tauscht die Strategie Aufwärtspotenzial gegen laufende Erträge ein. Und gerade bei volatilen Basiswerten wie Bitcoin können diese Prämien erheblich ausfallen.
Coinbase übernimmt die Verwahrung der Bitcoin-Bestände. BNY Mellon fungiert als Depotbank für Bargeld und IBIT-Anteile.
Konkurrenz am Markt für Bitcoin-Income-Produkte
BlackRock betritt einen Markt, auf dem bereits mehrere Anbieter aktiv sind. Der Roundhill Bitcoin Covered Call Strategy ETF (YBTC) weist eine Ausschüttungsrendite von 36 Prozent auf. Der NEOS Bitcoin High Income ETF (BTCI) kommt auf 27 Prozent, während der Amplify Bitcoin Max Income Covered Call ETF (BAGY) sogar 37 Prozent erreicht.
Allerdings zeigen die bestehenden Produkte auf den ersten Blick einen entscheidenden Nachteil. YBTC verlor in den vergangenen zwölf Monaten rund 47 Prozent an Kurswert. BTCI büsste etwa 33 Prozent ein. Bitcoin selbst verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 14 Prozent. Diese Kursverluste sind jedoch ohne die Ausschüttungen gerechnet. Berücksichtigt man die erhaltenen Prämien, ergibt sich ein anderes Bild: YBTC erzielte einen Total Return von minus 13 Prozent, BTCI von minus 11 Prozent. Damit schnitten beide Covered-Call-ETFs in diesem Zeitraum leicht besser ab als ein reines Bitcoin-Investment.
Die höheren Gebühren aktiv verwalteter Income-ETFs stellen einen weiteren Kostenfaktor dar. Ein passiver Spot-Bitcoin-ETF wie IBIT verursacht geringere laufende Kosten, da er keine Derivate handelt oder diskretionäre Strategieentscheidungen trifft.
BlackRocks Dominanz im Bitcoin-ETF-Markt
Der iShares Bitcoin Trust hat seit seiner Lancierung im Januar 2024 über 62 Milliarden USD an Nettozuflüssen verzeichnet. Im Jahr 2024 flossen rund 37 Milliarden USD in den Fonds, 2025 kamen weitere 25 Milliarden USD hinzu. Durch Kursgewinne erreichte IBIT die Marke von 70 Milliarden USD an verwaltetem Vermögen in nur 341 Tagen. Kein anderer ETF schaffte das schneller.
Die SEC hatte am 10. Januar 2024 erstmals Spot-Bitcoin-ETFs in den USA genehmigt. Zuvor hatte die Behörde über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren über 20 entsprechende Anträge abgelehnt. Ein Gerichtsurteil im Jahr 2023 zwang die SEC jedoch zum Umdenken. Das Gericht befand, die Behörde habe ihre Ablehnung des Grayscale-Antrags nicht ausreichend begründet.
BlackRock-CEO Larry Fink hat seine Haltung zu Bitcoin in den vergangenen Jahren deutlich geändert. In seinem Aktionärsbrief 2025 warnte er, die US-Staatsverschuldung wachse dreimal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt. Bitcoin könnte als Alternative zum Dollar an Bedeutung gewinnen.
"Krypto-Vermögenswerte oder Gold sind Vermögenswerte der Angst. Man besitzt diese Vermögenswerte, weil man die Entwertung seiner Vermögenswerte fürchtet." - Larry Fink, BlackRock CEO, Future Investment Initiative Konferenz, Riad, Oktober 2025
Regulatorischer Prozess und Ausblick
Die SEC hat eine öffentliche Kommentierungsfrist zum Regeländerungsantrag eröffnet, der die Notierung des ETF an der Nasdaq ermöglichen würde. BlackRock hatte den Trust bereits im September 2025 in Delaware registriert. Der Vermögensverwalter teilte den Regulierungsbehörden mit, das Produkt werde die generischen Listungsstandards erfüllen, die ab dem ersten Quartal 2026 gelten.
Der Markteintritt von BlackRock dürfte den Wettbewerb im Segment der Bitcoin-Income-Produkte intensivieren. Die Marke und Vertriebsstärke des weltgrössten Vermögensverwalters könnten erhebliche Zuflüsse generieren, selbst wenn die Strategie strukturelle Nachteile gegenüber einem reinen Spot-Investment aufweist. Für ertragsorientierte Anleger, die bereits Bitcoin-Exposure haben und laufende Ausschüttungen bevorzugen, bietet das Produkt jedoch eine interessante Ergänzung.







