Die von China geführte Krypto-Plattform mBridge hat über 55 Milliarden Dollar an grenzüberschreitenden Transaktionen abgewickelt. Der chinesische Digital Yuan dominiert die Plattform mit einem Anteil von 95 Prozent am Gesamtvolumen.
Seit den ersten Pilottests im Jahr 2022 verzeichnete die Plattform ein Wachstum um das 2'500-fache. Die Zentralbanken Chinas, Hong Kongs, Thailands, der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens testen derzeit die Technologie. Laut Daten des Atlantic Council wurden bis November 2025 über 4'000 Transaktionen abgewickelt. Das kumulative Volumen beträgt 55.5 Milliarden Dollar.
Technologie und Funktionsweise der Plattform
mBridge (Multiple CBDC Bridge) ist eine Plattform für digitale Zentralbankwährungen, die auf Distributed-Ledger-Technologie basiert. Sie ermöglicht Echtzeit-Zahlungen und Währungsumtausch zwischen den teilnehmenden Jurisdiktionen. Kommerzielle Banken wickeln Transaktionen direkt ab, ohne das traditionelle Korrespondenzbankensystem zu nutzen.
Die Plattform entstand 2021 durch eine Zusammenarbeit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS), der Bank of Thailand, der Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate, des Digital Currency Institute der People's Bank of China und der Hong Kong Monetary Authority. Im Juni 2024 trat die Zentralbank Saudi-Arabiens als vollwertiges Mitglied bei. Über 25 Institutionen beobachten das Projekt, darunter Zentralbanken weltweit, die Weltbank und der IWF.
Im November 2025 führten das Finanzministerium der VAE und das Dubai Department of Finance die erste Transaktion einer Regierungsbehörde auf der Plattform durch. Die Transaktion erfolgte mit dem digitalen Dirham. Zudem wickelten die VAE und China im November die erste grenzüberschreitende CBDC-Transaktion auf der Jisr-Plattform ab, die auf mBridge aufbaut. Beide Transaktionen wurden unter Beteiligung von Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan, Vizepräsident der VAE, sowie den Zentralbankchefs Chinas und der VAE durchgeführt.
BIS zieht sich aus geopolitischen Gründen zurück
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich verliess das Projekt im Oktober 2024 unerwartet. BIS-Generaldirektor Agustín Carstens bezeichnete den Schritt auf einer Bankkonferenz in Madrid als "Abschluss" eines vierjährigen Engagements. Die teilnehmenden Zentralbanken könnten das Projekt nun selbstständig weiterführen.
Der Rückzug erfolgte eine Woche nach dem BRICS-Plus-Gipfel in Kazan, bei dem Russlands Präsident Vladimir Putin eine "BRICS Bridge" als alternatives internationales Zahlungssystem vorschlug. Carstens stellte klar: "mBridge ist nicht die BRICS-Brücke." Die BIS könne nicht mit Ländern zusammenarbeiten, die internationalen Sanktionen unterliegen. Sowohl Russland als auch Iran sind BRICS+-Mitglieder. Westliche Politiker hatten vor einem von China entwickelten internationalen Finanzsystem gewarnt. Die Sorge gilt der eingeschränkten Durchsetzbarkeit von Sanktionen. mBridge umgeht das Korrespondenzbankensystem, welches das praktische Instrument für Sanktionsdurchsetzung darstellt.
Die BIS konzentriert sich nun auf Project Agorá, eine konkurrierende Initiative mit sieben westlichen Zentralbanken. Dazu gehören die Federal Reserve Bank of New York, die Bank of England und die Bank of Japan. Über 40 kommerzielle Banken beteiligen sich an dem öffentlich-privaten Projekt. Die erste Phase soll im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden.
Digital Yuan dominiert Transaktionsvolumen
Der chinesische Digital Yuan macht rund 95 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens auf mBridge aus. Die People's Bank of China meldete kürzlich, dass der e-CNY insgesamt über 3.4 Milliarden Transaktionen im Wert von etwa 2.4 Billionen Dollar verarbeitet habe. Dies entspricht einer Steigerung von über 800 Prozent gegenüber 2023.
Das frühe Pilotprojekt im Oktober 2022 wickelte lediglich 160 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 22 Millionen Dollar ab. Das aktuelle Volumen von 55.5 Milliarden Dollar zeigt das exponentielle Wachstum der Plattform nach dem BIS-Ausstieg. Die Aktivität auf der Plattform hat sich seit Oktober 2024 deutlich beschleunigt.
Alisha Chhangani vom Atlantic Council erwartet, dass mBridge sich zunehmend auf Handelsabrechnungen konzentrieren wird. Insbesondere Energie- und Rohstofftransaktionen würden im Fokus stehen, da China bereits eine zentrale kommerzielle Rolle in diesen Sektoren spielt. "Projekt mBridge wird die Dollar-Dominanz wahrscheinlich nicht direkt herausfordern, könnte sie aber schrittweise erodieren", so Chhangani.
Geopolitische Implikationen und technologischer Wandel
Die Entwicklung von mBridge vollzieht sich im Kontext zunehmender technologischer Souveränität. Technologieanbieter aus den teilnehmenden Jurisdiktionen, insbesondere aus China, ersetzten westliche Anbieter. Dies entspricht einem geopolitischen Konsens der Mitglieder, eigene technologische Kapazitäten aufzubauen.
US-Präsident Donald Trump drohte mit massiven Zöllen auf BRICS-Mitglieder, die Zahlungsalternativen zum Dollar nutzen. Südafrika zeigte sich vorsichtig gegenüber Dedollarisierungsbemühungen. China und andere Teilnehmer treiben das Projekt dennoch voran.
Die Plattform stellt keine direkte Herausforderung des Dollar-dominierten Finanzsystems dar. Sie schafft jedoch parallele Abwicklungsinfrastrukturen, die die Abhängigkeit vom bestehenden System reduzieren. Während westliche Zentralbanken mit Project Agorá noch in der Prototypen-Phase stecken, liegt mBridge in der Entwicklung deutlich voraus.
Ausblick auf digitale Zentralbankwährungen
mBridge demonstriert die praktische Machbarkeit grenzüberschreitender CBDC-Zahlungen. Die Technologie ermöglicht schnellere und kostengünstigere Transaktionen als das traditionelle SWIFT-System. Für Handel zwischen den teilnehmenden Ländern bietet die Plattform konkrete Vorteile.
Die weitere Entwicklung dürfte von der Anzahl neuer Teilnehmer abhängen. Mit Saudi-Arabien trat 2024 ein bedeutender Erdölexporteur bei. Weitere Rohstoffexporteure könnten folgen. Die erste Regierungstransaktion der VAE im November 2025 signalisiert zudem eine Ausweitung über kommerzielle Banktransaktionen hinaus.
Das Projekt mBridge zeigt den graduellen Aufbau alternativer Finanzinfrastrukturen durch Zentralbanken. Ob sich die Plattform zu einem globalen Standard entwickelt oder regional begrenzt bleibt, hängt von regulatorischen und geopolitischen Entwicklungen ab. Die Konkurrenzsituation mit dem westlich geführten Project Agorá dürfte die Innovationsgeschwindigkeit in beiden Lagern erhöhen.








