Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Das Frankfurter Joint Venture Allunity hat mit dem CHFAU den ersten MiCAR-konformen Franken-Stablecoin lanciert – getragen von der DWS Group, Flow Traders und Galaxy Digital. Dass ein Schweizer-Franken-Produkt aus Deutschland kommt, hat einen regulatorischen Grund: Die FINMA verlangt seit 2024, dass die Identität sämtlicher Stablecoin-Halter überprüft wird, inklusive Zwischenhalter. Keine andere grosse Jurisdiktion fordert Vergleichbares, was Emissionen aus der Schweiz faktisch verunmöglicht. Allunity nutzt stattdessen den EU-Rahmen und kann mit einer BaFin-Lizenz den Token grenzüberschreitend vertreiben. Die Swiss Blockchain Federation kritisiert die FINMA-Anforderungen als wettbewerbsfeindlich. Der Bundesrat arbeitet zwar an einer Gesetzesanpassung, doch vier Branchenverbände und die Bankiervereinigung bemängeln den Entwurf als zu restriktiv. Das Crypto Valley gerät unter Zugzwang.
Allunity lanciert mit CHFAU den ersten MiCAR-konformen Franken Stablecoin – emittiert aus Frankfurt, nicht aus der Schweiz.
Clarity Act als Schlüssel zur Krypto-Erholung
Die US-Grossbank JPMorgan Chase prognostiziert eine Erholung der Kryptomärkte in der zweiten Jahreshälfte 2026 – vorausgesetzt, der Clarity Act wird bis zum Sommer verabschiedet. In einer Research Note bezeichnete die Bank regulatorische Klarheit als grösste Einzelbarriere für institutionelles Kapital. Die Prognose fällt in eine Phase erheblicher Marktschwäche: Bitcoin notiert rund 50 Prozent unter seinem Allzeithoch von über 126’000 USD, Ethereum hat seit Jahresbeginn rund 34 Prozent verloren. Im Senat blockieren derzeit zwei konkurrierende Entwürfe den Fortschritt, wobei die Frage der Stablecoin-Renditen den grössten Streitpunkt darstellt. Das Weisse Haus vermittelt aktiv zwischen Krypto-Branche und Bankenlobby. Als Midterm-Wahljahr schliesst sich das legislative Fenster nach August faktisch – der Zeitdruck ist also erheblich.
JPMorgan Chase sieht im Clarity Act den entscheidenden Katalysator für eine Erholung der Kryptomärkte in…
Meta gibt Stablecoins nicht auf
Meta bereitet die Integration von Stablecoin-Zahlungen in Facebook, Instagram und WhatsApp vor – vier Jahre nach dem Scheitern des Diem-Projekts. Der Konzern hat Insidern zufolge ein Request for Proposal an Drittanbieter verschickt, wobei Stripe als wahrscheinlichster Partner gilt. Der Kontrast zu 2019 ist markant: Statt selbst als Emittent aufzutreten, lagert Meta die gesamte Zahlungsinfrastruktur an regulierte Partner aus. Stripes Tochterunternehmen Bridge erhielt im Februar eine bedingte OCC-Genehmigung für eine National Trust Bank. Der GENIUS Act, das erste föderale Stablecoin-Gesetz der USA, schafft zusätzlich die Rechtssicherheit, die beim Libra-Vorstoss noch fehlte. Mit über 3 Milliarden Nutzern verfügt Meta über den grössten Nutzerpool im entstehenden Wettbewerb der Super-Apps um Krypto-Zahlungen.
Meta plant ein Stablecoin-Comeback in der zweiten Jahreshälfte 2026, vier Jahre nach dem Scheitern von Diem (ehemals Libra).
Tiefe Probleme im DeFi-Sektor
Das DeFi-Kreditprotokoll Aave steht vor einer grundlegenden Eigentumsfrage: Wem gehört der wirtschaftliche Wert eines dezentralen Protokolls, wenn Marke und Benutzeroberfläche bei einem privaten Betreiber liegen? Aave Labs veröffentlichte im Februar das „Aave Will Win Framework“, das 100 Prozent der Produkteinnahmen an die DAO weiterleiten soll. Der Teufel steckt allerdings im Detail – „Einnahmen“ werden als Bruttozuflüsse abzüglich mehrerer Abzugskategorien definiert, deren Kontrolle bei Aave Labs verbleibt. Delegierte kritisieren zudem die Bündelung von Einnahmen-Alignment, V4-Ratifizierung und einem erheblichen Finanzierungsantrag in einer Alles-oder-Nichts-Abstimmung. Der Fall geht über Aave hinaus: Die meisten DeFi-Protokolle basieren stillschweigend auf derselben fragilen Aufteilung zwischen DAO und privatem Betreiber.
Das Aave-Governance-Drama dreht sich nicht um eine Abstimmung, sondern um einen tiefgreifenden Disput innerhalb der DeFi-Community.
Pi Network: 70 Millionen Nutzer, 93 Prozent Kursverlust
Ausserdem: Das Smartphone-Mining-Projekt Pi Network zählt über 70 Millionen registrierte Nutzer, doch der PI-Token hat seit seinem Allzeithoch von 2.99 USD rund 93 Prozent an Wert verloren und pendelt Anfang 2026 zwischen 0.15 und 0.26 USD. Die Kritik am Projekt ist fundamental: Sämtliche Validatoren werden zentral vom Core Team betrieben, Community-Nodes haben keinen Einfluss auf den Konsens. Das Referral-System, bei dem höhere Belohnungen an die Grösse des persönlichen Netzwerks gekoppelt sind, ähnelt einer Multi-Level-Marketing-Struktur – chinesische Behörden kategorisierten Pi bereits 2023 als Pyramidensystem. Von den 70 Millionen Registrierungen haben lediglich 16 Millionen die Mainnet-Migration abgeschlossen. Es fehlen Fiat-On- und -Off-Ramps, ein umfassendes Whitepaper sowie öffentliche Smart-Contract-Audits. Dennoch kann das Projekt eine markante Rteail-Aufmerksamkeit aufrechterhalten.
Pi Network verspricht Krypto-Mining per Smartphone: 70 Mio. Nutzer und Scam-Vorwürfe – eine Analyse des umstrittenen Projekts.









