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    Gefälschte Wetten auf Polymarket: WSJ enthüllt bezahlte Influencer, inszenierte Gewinne auf Dummy-Sites und Targeting von US-Nutzer.

    Polymarket zahlte Influencer laut WSJ für inszenierte Gewinnwetten

    von Redaktion cvj.ch am 22. Juni 2026 News

    Polymarket bezahlte Influencer dafür, gefälschte Wetten auf nachgebauten Dummy-Websites zu inszenieren. Keine der dargestellten Wetten im Gesamtwert von rund 1.9 Mio. USD war real, wie eine Untersuchung des Wall Street Journals von 1'105 Videos belegt.

    Polymarket ist eine dezentralisierte Prognose-Börse, auf der Nutzer auf den Ausgang realer Ereignisse von Wahlen bis zu Sportereignissen wetten. Die Plattform bündelt kollektive Einschätzungen in handelbare Wahrscheinlichkeiten und wickelt die Einsätze in Krypto-Währungen ab. Nach einem CFTC-Vergleich von 2022 mit einer Busse von 1.4 Mio. USD muss der Anbieter zudem alle US-Nutzer sperren und operiert seither offshore. Im Juli 2025 erwarb das Unternehmen für 112 Mio. USD den CFTC-lizenzierten Derivate-Exchange QCEX, um eine regulierte Rückkehr in die USA vorzubereiten. Während die Offshore-Plattform im April 2026 ein Handelsvolumen von 9 Mrd. USD erzielte, kam die regulierte US-Einheit hingegen auf lediglich 1.3 Mrd. USD. Nun sorgt eine vergangene Marketing-Kampagne für Diskussionen.

    Gefälschte Wetten auf Polymarket: Wie die Kampagne aufgebaut war

    Das WSJ wertete 1'105 Videos von zehn Influencern aus, veröffentlicht zwischen Dezember 2025 und Mitte Mai 2026. In rund 70 Prozent dieser Clips war eine Wette zu sehen, jedoch war keine davon echt. Polymarket liess dafür eigens gefälschte Dummy-Websites erstellen, darunter die Domain „poIymarket.com" mit einem i statt einem l, die vom echten Auftritt visuell kaum zu unterscheiden war. Insgesamt erreichte die Kampagne über 140 Mio. Aufrufe auf TikTok, YouTube und Instagram.

    In 118 Videos präsentierten die Creator fabrizierte Gewinne von zusammen rund 900'000 USD, obwohl die gezeigten Einsätze nie platziert wurden. Tatsächlich hätten dieselben Wetten in Summe über 166'000 USD verloren. Bezahlt wurden die Beteiligten mit etwa 2'000 bis 3'000 USD pro Monat. Gleichzeitig wies die Marketing-Agentur Virality sie an, ihre Posts „persönlich und organisch" wirken zu lassen und die Zahlungen geheim zu halten. Erst nachdem die WSJ-Reporter Kontakt aufgenommen hatten, ergänzten einige ihr Profil um den Zusatz „@polymarket partner".

    Ein einzelner Fall verdeutlicht das Vorgehen. Der Student George Makihara zeigte in einem Januar-Clip einen Gewinn von 100'000 USD auf eine Wette, dass Präsident Donald Trump in jenem Monat das Wort „McDonald's" sagen würde. Die als Beleg eingeblendete Aufnahme von Trump war jedoch zwei Monate alt. Mehr als 50 reale Konten platzierten im Januar dieselbe Wette, und alle verloren sie, wie das WSJ feststellte. Über das sogenannte Clipper-Netzwerk koordinierte Virality die Verbreitung der Kurzclips für maximale organische Reichweite. Zudem zahlte die Plattform laut Bericht für eine Reihe von Videos, in denen Methoden zum Handel mit Insider-Informationen erklärt wurden. Streamer Adin Ross schloss überdies einen Deal im Multimillionen-Dollar-Bereich ab und trat in mindestens fünf der beworbenen Videos auf.

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    Vom US-Markt ausgeschlossen und trotzdem auf US-Nutzer gezielt

    Virality bezahlte Creator nur dann, wenn mindestens 60 Prozent ihres Publikums in den USA ansässig waren. Damit richtete sich die Kampagne gezielt an jene Nutzergruppe, die Polymarket seit dem CFTC-Vergleich von 2022 ausschliessen muss. Die damalige Busse von 1.4 Mio. USD zwang den Anbieter, den US-Hauptmarkt zu sperren. Seither erreichen US-Nutzer die Offshore-Plattform nur noch über ein VPN.

    Diese Grauzone ist seit Jahren bekannt, doch die 60-Prozent-Schwelle macht die verdeckte Ansprache zur systematischen Umgehung der Nutzersperre. Den offiziellen Weg zurück sollte hingegen die Akquisition von QCEX im Juli 2025 ebnen. Für 112 Mio. USD übernahm Polymarket die Holding hinter dem CFTC-lizenzierten Exchange QCX LLC und dem Clearinghouse QC Clearing LLC. QCEX-Gründer Sergei Dobrovolskii hatte zuvor vier Jahre für die DCM- und DCO-Lizenzen benötigt, weshalb der Kauf den mehrjährigen Registrierungsprozess abkürzte.

    Die Volumenzahlen zeigen jedoch, woher das Wachstum tatsächlich stammt. Während die Offshore-Plattform im April 2026 auf 9 Mrd. USD kam, erreichte die regulierte US-Einheit nur 1.3 Mrd. USD. Somit steht die teure Onshore-Strategie in direktem Widerspruch zur verdeckten Gewinnung gesperrter US-Nutzer über Fake-Inhalte. Unmittelbar vor der Akquisition hatten DOJ und CFTC zudem ihre Ermittlungen gegen Polymarket eingestellt.

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    Dritte Enthüllung in Wochen rund um Polymarkets Werbestrategie

    Der WSJ-Bericht ist nicht der erste seiner Art. Bereits am 5. Juni 2026 berichtete Politico, dass Chief Marketing Officer Matthew Modabber über ein persönliches PayPal-Konto insgesamt mehr als 2.5 Mio. USD an über 800 Empfänger überwiesen hatte. Registriert war das Konto auf die E-Mail-Adresse eines von ihm mitgegründeten Salatrestaurants. Mindestens 350'000 USD davon gingen direkt an Content-Creator, der Rest an Produzenten und weitere Dienstleister.

    Rund 20 dieser Influencer veröffentlichten anschliessend mindestens 490 Beiträge über Polymarket auf X, ohne eine einzige Partnerschaft offenzulegen. Etwa ein Drittel dieser Posts rahmte Quotenverschiebungen als „BREAKING" oder „NEW" ein. FTC-Regeln verlangen jedoch eine klare Kennzeichnung bezahlter Kooperationen. Ein früherer stellvertretender Chefjustiziar der FTC qualifizierte die beschriebenen Praktiken als Arrangements, die generell offengelegt werden müssten.

    Gegenüber dem WSJ kündigte Polymarket schliesslich eine umfassende Prüfung der eigenen Werbeinhalte an und erklärte, man sei einem genauen, fairen und transparenten Markt verpflichtet.

    Kentucky klagt und steht damit nicht allein

    Der Generalstaatsanwalt von Kentucky reichte Klagen gegen Polymarket, Kalshi und das Sweepstakes-Unternehmen VGW ein. Der Vorwurf lautet, die Plattformen betrieben unlizenzierte Sports-Wettangebote unter dem Deckmantel von „Event Contracts". Kentuckys „Wagering Consumer Protection Act" tritt am 15. Juli 2026 in Kraft und verbietet lizenzierten Sportwetten-Anbietern die Kooperation mit Prognosebörsen. Die Klageschriften nennen ausserdem Kalshi-Partner wie Coinbase, Robinhood und Webull als Mitangeklagte.

    Der Konflikt reicht jedoch über einen einzelnen Bundesstaat hinaus. Im April 2026 klagte die CFTC ihrerseits gegen Wisconsin, New York, Minnesota, Rhode Island und New Mexico, um deren Glücksspielgesetze gegenüber bundesregulierten Märkten zu blockieren. Der Kernkonflikt bleibt dabei ungelöst, denn die Bundesstaaten werten Sports-Ereigniskontrakte als Glücksspiel, während CFTC und Plattformen sie als Swaps unter Bundesrecht einordnen. Konkurrent Kalshi bedient US-Nutzer als CFTC-lizenzierter Designated Contract Market hingegen direkt und ohne VPN. Genau dieser regulatorische Vorsprung erklärt, weshalb Polymarket auf verdecktes Marketing setzte, um im US-Markt aufzuholen.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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