Payward, die Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken, kauft die litauische Saldo Bank und soll so eine vollwertige EU-Banklizenz erhalten. Laut Financial Times wäre Payward die erste Krypto-Firma, die eine Bank in Europa kauft.
Als Holding steht Payward hinter Kraken, einer 2011 in San Francisco gegründeten zentralisierten Kryptobörse für Handel und Verwahrung digitaler Vermögenswerte. Die Saldo Bank ist hingegen eine kleine, digital ausgerichtete Spezialbank, die Konsumenten- und Firmenkredite vergibt und Termineinlagen anbietet. Saldo erhielt die EU-Banklizenz 2021 und ist in Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland tätig. Per Passporting gilt die Lizenz ausserdem in den Niederlanden. Die Übernahme läuft über die finnische Holding Saldo Finance Oy, die verbindliche Vereinbarung unterzeichnete Payward im Oktober 2026. Einen Kaufpreis nannte Payward nicht, den Abschluss erwartet die Gruppe für 2027.
Saldo ist klein, die Banklizenz ist es nicht
Laut CoinDesk wies Saldo Ende 2025 eine Bilanzsumme von 163.9 Mio. EUR (rund 180 Mio. USD) aus. Das entspricht einem Plus von 22.7% gegenüber dem Vorjahr. Für europäische Verhältnisse ist Saldo damit eine vergleichsweise kleine Bank. Das Geschäftsvolumen erklärt den Kauf deshalb kaum. Entscheidend ist vielmehr die Lizenz, denn eine EU-Banklizenz erlaubt das Einlagengeschäft und gilt per Passporting auch in anderen Mitgliedstaaten. Dabei genügt die Zulassung in einem Land, um Dienste in weiteren EU-Staaten ohne separate Genehmigung anzubieten. Saldo ist auf diesem Weg bereits in fünf europäischen Märkten präsent. Ein Käufer überspringt somit den Aufbau einer eigenen Lizenz.
Das Produktangebot ist schlank, umfasst aber dennoch die Kernbausteine einer Bank. Termineinlagen für Privatkunden gibt es in allen Märkten. Konsumkredite vergibt Saldo in Litauen, Finnland und Schweden, gesicherte und ungesicherte KMU-Kredite ebenfalls in Litauen und Finnland. In Finnland bietet die Bank ausserdem bereits eine Kreditkarte an, in Schweden soll sie 2027 starten. Für ein Krypto-Unternehmen wichtiger ist jedoch die Infrastruktur dahinter. Saldo verfügt über vollen SEPA-Zugang. Fintechs in Finnland und Deutschland erhalten zudem Embedded Lending, also Kredite, die sie direkt in eigene Produkte einbauen.
Payward und Saldo haben eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet, keine blosse Absichtserklärung. Der Käufer bestätigte den Deal in einer eigenen Mitteilung. Den Verkäufer und den Kaufpreis gaben die Parteien allerdings nicht bekannt. Bis zum erwarteten Abschluss 2027 müssen ferner die zuständigen Behörden zustimmen. Saldo-Präsident Jarkko Mäensivu ordnete den Schritt in derselben Mitteilung ein: Eine Banklizenz sei nur so wertvoll wie das, was man darauf aufbaue.
Payward Banking wird vom E-Geld-Institut zur Vollbank
Unter der Marke Payward Banking betreibt die Gruppe bereits ein eigenes Finanzgeschäft. Nach Unternehmensangaben hat die Sparte bisher Kredite von über 2 Mrd. USD vergeben. Kreditgeschäft ist für die Gruppe deshalb kein Neuland. Zudem hält die Sparte ein limitiertes Master-Konto bei der Federal Reserve. In Europa stützt sich das Geschäft hingegen auf eine EMI-Lizenz der irischen Zentralbank, über die Kraken bereits in der EU tätig ist. Ein solches E-Geld-Institut darf allerdings keine Bankeinlagen entgegennehmen.
Diese Lücke soll Saldo schliessen. Nach Abschluss will Payward Banking in Europa Zinsen auf Einlagen, Kreditprodukte und Banking-as-a-Service anbieten. Dazu zählen ebenso Passporting, Kartenausgabe und KMU-Kredite. Bei Banking-as-a-Service stellt eine lizenzierte Bank ihre Infrastruktur Drittfirmen zur Verfügung, die darauf eigene Konten, Karten oder Kredite aufbauen. Co-CEO Arjun Sethi beschreibt das Ziel gegenüber der Financial Times als ein System, das Cash, Krypto, tokenisierte Aktien und Kredit bündelt. Kunden sollen gegen ihre Vermögenswerte Kredit aufnehmen oder vergeben können, ohne diese zu verkaufen. Ein Krypto-Anleger könnte folglich seine Bestände beleihen, statt sie zu veräussern.
"Eine regulierte EU-Bank ist der Baustein, der es uns erlaubt, europäische Kunden so zu bedienen, wie es ein primäres Finanzinstitut sollte." - Arjun Sethi, Co-CEO, Payward
Die Kryptodienste selbst unterstehen in der EU weiterhin dem Regelwerk MiCA. Die Banklizenz deckt einen anderen Bereich ab, nämlich Einlagen und Kredit. Payward führt in Europa somit Krypto- und Bankgeschäft unter einem Konzerndach zusammen.
Trust-Charter in den USA, Vollbank in der EU
In den USA verläuft der Weg anders. Im Mai 2026 beantragte Payward eine nationale Trust-Bank-Charter beim Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Die Behörde beaufsichtigt die bundesweit lizenzierten US-Banken. Diese erlauben Verwahrung und Transaktionsdienste, das Einlagengeschäft bleibt den Krypto-Firmen jedoch verwehrt. Eine Trust-Charter ist also eher eine Verwahrlizenz als eine Vollbanklizenz.
Diese eingeschränkte Öffnung stösst trotzdem auf Widerstand. Im Oktober 2026 verklagte die Independent Community Bankers of America (ICBA), der Verband kleiner US-Lokalbanken, die OCC. Der Verband argumentiert, Charters für Krypto-Firmen überschritten die Befugnisse der Behörde. Beklagt ist die Aufsicht selbst. Die OCC lehnte einen Kommentar ab. Mit der Klage trägt die Bankenlobby den Streit um neue Wettbewerber letztlich vor Gericht.
In der EU umgeht Payward diese Auseinandersetzung. Statt eine eigene Lizenz zu beantragen, kauft das Unternehmen eine bestehende Bank samt Einlagengeschäft. Sethi begründet den Schritt gegenüber der Financial Times mit der Nachfrage. Zu den grössten Anliegen der Kunden gehöre der Wunsch nach Produkten und Angeboten wie bei einer anderen Bank. Zwar müssen die Aufseher dem Eigentümerwechsel noch zustimmen, dennoch besteht die Lizenz selbst bereits seit 2021.
Saldo reiht sich in eine Serie von Zukäufen ein
Zuvor hatte Payward im April 2026 die Übernahme der Derivatebörse Bitnomial für 550 Mio. USD angekündigt. Mit ihr kamen Lizenzen der US-Derivateaufsicht CFTC als Börse (DCM), Clearinghaus (DCO) und Futures-Broker (FCM). Bitnomial kann damit Terminkontrakte listen, abrechnen und für Kunden vermitteln. Bei Payward liegen folglich Handel, Clearing und Brokerage in einer Hand. Einen Monat später folgte Reap Technologies aus Hongkong, ein Anbieter von Stablecoin-Zahlungen und Kartenausgabe, für bis zu 600 Mio. USD. Den Kaufpreis beglich Payward in Cash und Aktien, bei einer Bewertung des eigenen Eigenkapitals von 20 Mrd. USD.
Insgesamt kauft Payward 2026 Lizenzen und Infrastruktur hinzu, statt sie selbst aufzubauen. Bitnomial deckt US-Derivate ab, Reap den Zahlungsverkehr in Asien. Saldo liefert schliesslich das europäische Bankgeschäft. Die Kartenausgabe, die Payward Banking nach dem Abschluss in Europa anbieten will, gehört in Asien über Reap bereits zum Angebot. Sethi bezeichnete Payward Banking in der Mitteilung nicht als neue Ambition. Das Unternehmen habe das Geschäft vielmehr Lizenz für Lizenz und Markt für Markt aufgebaut. Was der europäische Baustein kostet, bleibt vorerst offen.








