Harvard Management Company (HMC) hat ihre Bitcoin-Bestände im vierten Quartal 2025 deutlich verkleinert. Die Verwalterin des grössten akademischen Endowments weltweit reduzierte ihre IBIT-Position von 6.81 Millionen auf 5.35 Millionen Shares (208 Mio. USD). Das entspricht einem Rückgang von 21.5 Prozent.
Gleichzeitig eröffnete HMC eine neue Position in BlackRocks iShares Ethereum Trust (ETHA): 3.87 Millionen Shares im Wert von 86.8 Millionen Dollar. Es handelt sich um die erste Ethereum-Investition des 56.9 Milliarden Dollar schweren Endowments. Insgesamt halten Harvards Krypto-Positionen damit 352.6 Millionen Dollar, rund 0.62 Prozent des Gesamtportfolios. Bitcoin bleibt trotz Reduktion die grösste öffentlich deklarierte Aktienposition und übertrifft Alphabet, Microsoft sowie Amazon.
Kein reines Rebalancing
Die Zahlen aus dem jüngsten SEC 13F Filing zeigen eine gezielte Umschichtung. Im Vorquartal hatte HMC ihre Bitcoin-Position noch um 257 Prozent aufgestockt - von 1.91 Millionen auf 6.81 Millionen IBIT Shares. Entsprechend fällt die Q4-Reduktion um 1.48 Millionen Shares ins Gewicht, rund 177 Millionen Dollar weniger Bitcoin-Exposure.
Denn das Marktumfeld im vierten Quartal war turbulent. Bitcoin erreichte im Oktober 2025 ein Hoch von rund 126'000 Dollar, fiel bis zum 31. Dezember aber auf 88'429 Dollar. Ethereum verlor im selben Zeitraum etwa 28 Prozent. Harvards verbleibende Bitcoin-Position lag daher per Quartalsende bei 265.8 Millionen Dollar.
Ob die Reduktion als taktische Gewinnmitnahme nahe dem Oktober-Hoch oder als strategische Umschichtung Richtung Ethereum erfolgte, bleibt offen. Ein HMC-Sprecher lehnte einen Kommentar zur Investmentstrategie ab. Auch CEO N.P. Narvekar äusserte sich öffentlich nicht zur Krypto-Allokation.
Breite Portfolio-Rotation im Q4
Die Krypto-Anpassungen standen nicht isoliert. Harvard nahm im vierten Quartal umfassende Änderungen an seinem Public-Equity-Portfolio vor. Zunächst kam eine 141 Millionen Dollar schwere Position in Union Pacific Corporation hinzu.
Bei Technologiewerten zeigte sich ein differenziertes Bild. HMC stockte Broadcom um 222 Prozent auf, erhöhte Google um 25 Prozent und Taiwan Semiconductor um 45 Prozent. Hingegen reduzierte der Fonds Amazon um 36 Prozent, Microsoft um 21 Prozent und Nvidia um 30 Prozent. Vollständig abgestossen wurden Light & Wonder und Maze Therapeutics.
Das Muster deutet auf aktives Risikomanagement hin. Gewinne flossen bei Positionen mit starker Vorperformance ab, während der Aufbau in Sektoren mit Nachholpotenzial stattfand. So fügt sich auch die Krypto-Strategie ein - Reduktion bei Bitcoin nach dem Preisanstieg, Diversifikation in Ethereum als zweites Exposure.
Universitäten und Krypto - ein stiller Trend
Harvard steht mit seiner Krypto-Allokation nicht allein. Yale leistete bereits 2018 Pionierarbeit unter dem legendären CIO David Swensen, damals über Beteiligungen an Andreessen Horowitz Crypto Fund und Paradigm VC. Emory University wurde im Oktober 2024 zur ersten US-Universität mit einer öffentlich deklarierten Krypto-Position. Die Summe betrug 52 Millionen Dollar im Grayscale Bitcoin Mini Trust. Bis November 2025 hatte Emory diese Position verdoppelt. Auch Brown University hält 13.8 Millionen Dollar in IBIT, und die University of Texas at Austin deklarierte ebenfalls Bitcoin ETF-Positionen.
Der Performance-Beitrag ist messbar. Die Research-Firma MPI schätzt, dass digitale Assets 200 bis 300 Basispunkte zu den Top-University-Endowment-Renditen beitrugen. Konkret erzielte die University of Michigan 15.5 Prozent Jahresrendite, davon rund 2.9 Prozentpunkte durch digitale Assets. MIT kam auf 14.8 Prozent, Stanford auf 14.3 Prozent. Harvard selbst meldete für das Fiskaljahr 2025 eine Rendite von 11.9 Prozent und übertraf damit den Benchmark von 8 Prozent.
Die politische Sensibilität der Thematik erklärt, warum sich kaum ein Endowment-Manager öffentlich zu Krypto-Positionen äussert. Dennoch sprechen die 13F Filings eine deutliche Sprache.
Staking als weiterer Anreiz
Harvards Krypto-Engagement läuft ausschliesslich über BlackRock-Produkte. Sowohl der iShares Bitcoin Trust (IBIT) als auch der iShares Ethereum Trust (ETHA) stammen vom weltgrössten Vermögensverwalter. ETHA ging im Juli 2024 an den Start und verwaltet inzwischen rund 11 Milliarden Dollar. IBIT etablierte sich seit seinem Launch 2024 als branchenführender Spot-Bitcoin-ETF.
Im Dezember 2025 reichte BlackRock einen S-1-Antrag für einen Staked Ethereum ETF bei der SEC ein. Sollte dieser genehmigt werden, könnten institutionelle Investoren wie Harvard künftig Staking-Renditen auf ihre Ethereum-Position erzielen. Für Universitäts-Endowments, die langfristig investieren und Erträge maximieren müssen, wäre das ein starker Anreiz.








