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    Interview mit Pascal Hügli, Autor des Krypto-Buches „Ignorieren auf eigene Gefahr“

    von Redaktion cvj.ch am 4. September 2019 Aktuell, Köpfe

    Anlässlich der Buchvernissage vom Dienstag den 03.09.2019 haben wir uns mit Pascal Hügli, einem der Autoren des Krypto-Buches "Ignorieren auf eigene Gefahr" über das Projekt unterhalten.
    Pascal ist auch regelmässiger Gastautor beim Crypto Valley Journal.

    Wie ist die Idee entstanden ein Buch über Bitcoin und Kryptowährungen im generellen zu verfassen?

    Die Idee, ein Buch zu verfassen, kam ziemlich ad hoc – liegt aber trotzdem insofern nahe, als dass ich mich gegenwärtig sehr stark mit dem Thema befasse. Ich schreibe unheimlich gern, gleichzeitig lese ich auch sehr viel. Meine bescheidenen Erkenntnisse versuche ich dann meistens in Artikeln kundzutun, um diese mit meinen Freunden, Bekannten und weiteren Personen zu teilen. Ein Buch bietet mir die Möglichkeit, diese Leidenschaft zu skalieren.

    Welche Leserschaft wird mit dem Buch adressiert?

    Mit unserem Buch versuchen wir auch zu vermitteln. Die dezentrale Welt ist eine Welt, in der vieles eben dezentralisiert werden soll. Vertrauensbeziehungen von Mensch zu Mensch gilt es über technologische Funktionen und Algorithmen zu minimieren. Das hat viele Vorteile, aber natürlich auch Tücken. So scheint mir der Faktor der Identifikation etwas aussen vorzubleiben. Der Mensch mitsamt seiner Natur trachtet ungemein nach Identifizierung und «seelischer Geborgenheit». Diese kann ihm ein vertrauensminimierendes Kryptonetzwerk qua seiner Essenz mehr schlecht als recht liefern. Deshalb wird die Community, der eigene «Tribe» umso stärker gewichtet. Es kommt zu Schrebergartendenken, die Folge sind Bitcoin-Maximalisten, Ether-Maximalisten, Multicoiners und Nocoiners. Zwischen diesen Fronten versuchen wir mit unserem Buch zu vermitteln. Denn letztlich, so scheint es mir, verfügen alle über Punkte, denen man Gehör schenken sollte, um in der Sache tatsächlich voranzukommen.

    Wer steht neben deiner Person noch hinter dem Projekt?

    Mit Yonghan Lee und Richard Dettling habe ich zwei Co-Autoren gefunden, welche das Buch perfektionieren. Die Comics und das coole Layout sind sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal. Dazu kommen aber auch die Sponsoren (Bitcoin Suisse AG, Blockimmo, CoreLedger, Falcon Private Bank & Hypothekarbank Lenzburg), die uns nicht nur finanziell geholfen haben, sondern vor allem mich mit ihrer Expertise beim Inhalt inspiriert haben. Darüber hinaus gab es unzählige weitere Köpfe, die in irgendeiner Art beim Buch mitgewirkt haben. Letztlich ist es wirklich auch ein Community-Effort und wir sichtbaren Autoren sind lediglich Zwerge auf den Schultern von Riesen!

    Wie lange dauerte es vom Konzept bis zur Veröffentlichung?

    Das Konzept hatte ich ziemlich schnell im Kopf. Beginnen tut das Buch bei der Mutter aller Kryptowährungen, dem Bitcoin. All jene philosophischen, ökonomischen und politischen Fragen, die er aufwirft sollen im Buch andiskutiert werden. Danach gehen wir im Werk aber auch auf den etwas ominösen Begriff der Blockchain ein und versuchen diesen aufzuschlüsseln. Genauso ist auch Ethereum ein wichtiger Bestandteil im Buch, das Kryptonetzwerk das neben Bitcoin für am meisten Furore sorgt. Auch wagen wir einen Ausblick in die Zukunft und wo die ganze Entwicklung der dezentralen Welt hingehen könnte. Bis dann all meine Gedanken geschrieben, kondensiert, lektoriert und korrigiert waren, dauerte es sicher mehr als ein halbes Jahr.

    Es gibt ja bereits eine Vielzahl an Literatur zu diesem Thema, wie unterscheidet sich euer Buch zu bereits veröffentlichten Büchern?

    Das haben wir uns natürlich auch gefragt und sind insbesondere zu zwei Antworten gekommen: Zum einen ist es die Kombination von Comic und Inhalt, von Spass und Wissen, welche man in der Art eines Buches so in der Kryptowelt noch vergebens sucht. Zum anderen dürfte es der Inhalt sein, der sich tatsächlich um eine sehr nüchterne und sachliche Herangehensweise bemüht. Natürlich gibt es die absolute Objektivität nicht – diese wäre auch langweilig. Nichtdestotrotz sind wir uns bewusst, dass es die Eierlegende Wollmilchsau nicht gibt, auch nicht in der Kryptowelt, weshalb man die Trade-offs aller Dinge herausarbeiten und verstehen sollte.

    Was konntest du im Verlaufe deiner Recherchen an neuem Wissen mitnehmen, respektive was hat dich am meisten überrascht?

    Dass das Thema von Bitcoin, Ethereum und Blockchain ein wirklich nie endender Kaninchenbau ist. Mit jeder Antwort eröffnen sich wieder drei neue Fragen. Die Thematik berührt schlichtweg alle Wissenschaftsbereiche von Mathematik, Informatik und Ökonomik über Rechtsphilosophie, Psychologie und Soziologie, bis hin zu Physik und Biologie! Wer sich dem Thema nähert, tut dies tatsächlich auf eigene Gefahr. Wie ich als Autor aber gemerkt habe, lohnt es sich auf diese «Gefahr» einzugehen!

    Was sind die «Key Takeaways» von Ignorieren auf eigene Gefahr?

    Es gibt viele, zwei möchte ich an dieser Stelle formulieren. Bei Bitcoin und Co. geht es um mehr als nur das schnelle Geld. Es ist sogar mehr als nur Technologie. Die Thematik berührt die grundlegendsten Themen, mit denen sich Menschen Zeit ihres Lebens konfrontiert sehen. Wer sich wirklich mit dem Kryptothema beschäftigt, hat die Chance, auf zahlreiche wichtige und entscheidende Fragen im Leben eine interessante Antwort zu erhalten. Dazu zu gehört gewiss das Thema der eigenen Finanzen: Wem vertraue ich, wenn es um mein Geld geht? Aber auch das Thema der eigenen Lebensgestaltung: Wo hole ich meine Informationen her, für wen möchte ich arbeiten und wie steht es um meine Souveränität und Privatsphäre? Letztlich geht es um existenzielle Fragen: Wer sind wir als Menschheit, was ist unsere Aufgabe und wo führen wir unsere Gesellschaften hin.

    Welchen zweiten «Key Takeaway» gilt es noch zu nennen?

    Unsere Welt ist hoch dynamisch und – zum Verdruss vieler – scheint sie sogar immer wie dynamischer und damit unberechenbarer zu werden. Im Buch skizziere ich die These, dass wir uns an einer Zeitgabelung befinden: Das Industrie – oder auch Papiergeldzeitalter wird durch ein neues heute noch nicht ganz identifizierbares Zeitalter abgelöst. Wir könnten es das Digitalzeitalter nennen oder auch einfach die Zeit post Satoshi. Wie immer in der Geschichte impliziert Wandel grosse Ungewissheit und damit auch Unsicherheit. Da kommt es meiner Meinung nach gelegen, dass mit Bitcoin und der übrigen Kryptowelt eine neue alternative Welt im Werden ist, die uns hilft, zu diversifizieren, um somit die genannte Ungewissheit und Unwägbarkeit etwas leichter schultern zu können. Alleine deshalb sollte man sich mit Krypto beschäftigen!

    Was verändert sich für uns mit der Blockchain-Technologie in der nahen und fernen Zukunft?

    In vielerlei Bereichen wird die Vertrauenskomponente Mensch durch die Blockchain-Technologie minimiert. Sie wird nicht verschwinden, nur werden Kryptografie, Mathematik und damit abstrakte Technologie an Bedeutung gewinnen. Das hängt auch stark davon ab, wie stark die Komponente Mensch enttäuscht oder versagt und sich deshalb als Gegenreaktion der Fokus auf die vertrauensminimierende Technologie verschiebt. Es ist eine gewagte These, die wohl auch eine gewisse Sehnsucht von mir preisgibt: Aber ich denke schon, dass die Blockchain den Aufstieg des souveränen Individuums (Sovereign Individual) fördern wird und Entitäten wie der Nationalstaat oder grosse Konzerne nicht mehr jene Bedeutung im Leben eines einzelnen Menschen haben werden müssen, wie das vielleicht heute noch der Fall ist.

    Impressionen des Anlasses:

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    Über den Autor

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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