Am 18. Februar 2026 aktivierte der XRP Ledger das Amendment XLS-81 auf dem Mainnet. Das Upgrade namens "Permissioned DEX" ermöglicht somit regulierten Banken und Brokern den Betrieb von geschlossenen On-Chain-Handelsplätzen.
Konkret bestimmen dafür ausgewählte Administratoren, wer Handelsangebote platzieren und annehmen darf. Der Permissioned DEX ist das dritte grössere Upgrade innerhalb von nur zwei Wochen. Zuvor gingen am 4. Februar die Permissioned Domains (XLS-80) und am 12. Februar der Token Escrow (XLS-85) live. Zusammen bilden die drei Amendments ein koordiniertes Infrastruktur-Paket, das den XRP Ledger (XRPL) für institutionelle Anwendungsfälle positionieren soll.
Wie der Permissioned DEX funktioniert
Im Gegensatz zum offenen Order Book des XRP Ledger operiert der Permissioned DEX innerhalb geschlossener Handelsumgebungen. Dazu betreibt jede Permissioned Domain eigene Order Books und Währungspaare. Nur innerhalb derselben Domain lassen sich Trades ausführen. Zudem kann der Zugang an KYC- und AML-Vorgaben geknüpft sein.
Das Amendment XLS-80 bildet die technische Grundlage. Über 91 Prozent der XRPL-Validatoren stimmten dem Upgrade zu, das am 4. Februar live ging. Permissioned Domains funktionieren als regelbasierte, geschlossene Umgebungen innerhalb der öffentlichen Blockchain. Accounts, die bestimmte Kriterien erfüllen, können innerhalb dieser Domains interagieren. Hingegen bleiben alle anderen ausgeschlossen.
Für Banken und Broker löst der Ansatz daher ein zentrales Problem. Sie können On-Chain-Handel nutzen, ohne ihre Pflichten bei KYC und Sanktionsprüfung aufzugeben. Denn vollständig offene DeFi-Märkte sind für die meisten regulierten Akteure schlicht nicht nutzbar.
Token Escrow erweitert die Funktionalität
Mit XLS-85 erweiterte XRPL am 12. Februar die native Escrow-Funktion. Weiterhin unterstützt das Netzwerk nun neben XRP alle Trustline-basierten Tokens und Multi-Purpose Tokens (MPTs). Bisher konnten nur XRP-Beträge in Escrow gehalten werden. Andere Projekte griffen deshalb auf eigene Lösungen oder externe Tools zurück.
Dadurch lassen sich nun auch Stablecoins wie RLUSD und tokenisierte Real-World Assets in Escrow-Strukturen einbinden. Für Trustline Tokens müssen Emittenten das "Allow Trust Line Locking"-Flag aktivieren, für MPTs das "Can Escrow"-Flag. Die Einsatzgebiete reichen beispielsweise von Treasury Controls über Collateral Locks bis zu automatischen Settlements.
Folglich schafft die Kombination mit dem Permissioned DEX ein vollständiges Toolkit für regulierte tokenisierte Märkte. Von der Emission über bedingte Freigabe bis zum kontrollierten Sekundärhandel deckt XRPL nun die gesamte Wertschöpfungskette ab.
Aviva Investors als erster europäischer Partner
Darüber hinaus verzeichnet Ripple mit Aviva Investors einen wichtigen Neuzugang. Am 11. Februar kündigten beide Unternehmen eine Partnerschaft zur Tokenisierung von Fonds auf dem XRP Ledger an. Aviva Investors verwaltet £246 Milliarden an Assets under Management und ist in neun Ländern tätig. Ebenso handelt es sich um das erste Tokenisierungs-Projekt des britischen Asset Managers - und um Ripples erste Partnerschaft mit einem europäischen Vermögensverwalter.
"Wir glauben, dass Tokenisierung viele Vorteile für Investoren bringen kann, einschliesslich Verbesserungen in Bezug auf Zeit- und Kosteneffizienz." - Jill Barber, Chief Distribution Officer, Aviva Investors
Beide Seiten planen die Zusammenarbeit für 2026 und darüber hinaus. Aviva Investors reiht sich damit in einen breiteren Trend ein. Zum Beispiel haben BlackRock, Franklin Templeton und Hamilton Lane bereits tokenisierte Produkte lanciert. Der Fokus liegt auf Money-Market-Fonds, Private Credit und Real Estate.
"Tokenisierung bewegt sich jetzt von der Experimentierphase zur grossflächigen Produktion. Die Entwicklung tokenisierter Fondsstrukturen kann enorme technologische Effizienzgewinne für den Investmentsektor bringen." - Nigel Khakoo, Vice President Trading and Markets, Ripple
XRPL positioniert sich gegen traditionelle Marktinfrastruktur
Der XRP Ledger ist seit 2012 operativ und hat über 4 Milliarden Transaktionen verarbeitet. Ferner betreiben 120 Validatoren das Netzwerk ohne stromintensives Mining. Im Vergleich zu Börsen mit zentralen Clearing-Stellen und mehrtägiger Abwicklung bietet XRPL Near-Instant-Settlement mit eigener Liquidität.
Infolgedessen verbinden die Permissioned Domains On-Chain-Effizienz mit den Zugangsregeln, die regulierte Akteure brauchen. Allerdings dürften Retail-Trader im Alltag zunächst wenig von den Neuerungen spüren. Letztendlich hängt der Effekt davon ab, wie schnell Banken und Broker die neue Infrastruktur annehmen. Drei Amendments in 14 Tagen verdeutlichen dennoch das Tempo dieser Neuausrichtung.








